Rückblick zum Infoanlass «Prostitution, Sexarbeit und nordisches Modell» der Frauenzentrale Glarus

Die Frauenzentrale Glarus durfte am Donnerstag, 16. Mai, zu einem informativen und aufschlussreichen Vortrag im Anna-Göldi-Museum einladen.



Olivia Frei (Frauenzentrale Zürich), Britta Scheunemann (Frauenzentrale Glarus) und Jael Schwendimann (Streetworkerin im Rotlichtmilieu)
Olivia Frei (Frauenzentrale Zürich), Britta Scheunemann (Frauenzentrale Glarus) und Jael Schwendimann (Streetworkerin im Rotlichtmilieu)

«Wo sind sie denn, unsere Politikerinnen und Politiker», fragte eine Teilnehmerin empört gegen Ende eines Informationsabends im Anna-Göldi-Museum, der mehr als unter die Haut ging. Auf Einladung der Frauenzentrale des Kantons Glarus referierten Olivia Frei, die Verfasserin des «Whitepapers Prostitution Schweiz» und die Zürcher Streetworkerin Jael Schwendimann mit Verve und Energie. Sie brachten vor allem das sogenannte «Nordische Modell» näher, das auf den Pfeilern Entkriminalisierung, Prävention, Ausstiegsangeboten und Sexkaufverbot beruht und berichteten aus ihren Einblicken in die Prostitution in der Schweiz. 89% der Prostituierten würden aussteigen, wenn sie denn könnten, aber die Mischung aus unterschiedlichen Abhängigkeiten, Angst, fehlenden Angeboten und dem fehlenden politischen Willen (auch der Finanzierung) verhindert dies. Von «Sexarbeit» mochten beide Frauen nicht reden: «Wenn jemand Geld bezahlt, um damit mit dem Körper eines anderen Menschen zu machen, was er will, dann ist das keine Arbeit, sondern Versklavung», so Olivia Frei, die nebst Preislisten eines Bordells auch aufzählte, was die Prostituierten davon wieder abgeben (müssen), sei es für die Zimmermiete, Türstehen, Telefonannahme, Werbung usw. Die Anwesenden konnten selbst ausrechnen, was das für die Prostituierten bedeutet.

Es war ein Einblick in eine Welt, die viele Frauen nur vom Hörensagen kennen, im Gegensatz zu den Männern, denn immerhin sind 350 000 von ihnen mindestens einmal pro Jahr Freier. Gleichzeitig wurden Aspekte wie die rassistische Komponente im System der Prostitution angesprochen, aber auch diskutiert, was Prostitution mit Gleichstellung zu tun hat. Und auch noch nach Ende der Diskussion wurde viel miteinander gesprochen und der Verein Heartwings mit dem Kauf von zauberhaften Karten unterstützt.