Schertenlaib und Jegerlehner mit Musik und Poetischem

Das Thuner Duo Michel Gsell und Gerhard Tschan, kunstbezogen in Schertenlaib und Jegerlehner umbenannt, brachte Unbeschwertheit, Frische, poetischen und musikalischen Reichtum in den voll besetzten Saal des Hotels Schwert in Näfels. Die Kompaktheit des Gebotenen tat allen Seelen gleichermassen gut, war so herrlich schräg, nahm unerwartete Wendungen.



Vom einen der beiden vernahm man, dass er ein Klumpenrisiko darstelle, auf alle Antworten garantiert eine Frage wisse, gar immer das letzte Wort habe, zu oft saublöde Kommentare abgebe. Und weiter ging es ab Gegenseite, wie schön doch der blaue Anzug und die bünzlig-passende Krawatte seien, ob man denn nun wirklich ein Duo sei. Schliesslich setzte sich der Jegerlehner nach der Pause ab, um solo auf die Bühne zu marschieren, obwohl etwas ganz anderes abgemacht worden war und er nun grad selber schuld sei, wenn er das rumliegende Kägifret einfach so ruckzuck gefressen habe. Die beiden nahmen sich kräftig auf die Schippe, blödelten zuweilen rum – nie verletzend oder primitiv, dafür wortreich, clever, kreativ Gedanken aneinanderreihend.

Jegerlehner erwies sich als brillanter Akkordeonist mit unübersehbarem Hang zu elend Theatralischem. Er ist wortreich, jodelt, rapt, sagt das eine und andere an, kommentiert vieles, lässt den Partner ins hübsch einstudierte Abseits laufen. Er beherrscht Trompete und Akkordeon gleichzeitig, entlockt zwischendurch der Melodika dank langem Gummischlauch schmelzende Begleittöne. Er stülpt die Tuba seinem Partner am Schlagzeug über den Kopf und schaut betont anteilnehmend hin, ob auch mit einer derartigen Zusatzausrüstung alles klappe. Jegerlehners Markenzeichen sind der Strohhut und das wuchtige Violett des Anzugs, sonst sei das – so Schertenlaib – die Farbe der Kardinäle.

Schertenlaib kommt weit behäbiger einher, mit viel Schalk und Experimentierfreude am Schlagzeug. Er schenkt Jegerlehner Boden, wenn der wieder mal abhebt und kaum mehr zu bremsen ist. Dazu benötigt er unbedingt den blauen Anzug, er verleiht Würde und Gewicht beim zuweilen unabdingbaren Intervenieren und Korrigieren der einen oder anderen Aussage.

Es ist eine herrliche Vermischung von Talenten. Das kommt dank Liebenswürdigkeit, schlagfertigem Argumentieren, Festhalten komischer Momente, Ausschmücken des einen oder anderen Hinweises an. Es beginnt mit dem Leben am Abend, mit neuen Geschichten, obwohl das Erzählen müde gemacht hat. Und eine erste Geschichte handelt von der Kunst des Coiffeurs; von langen Haaren, die man so gut drapieren könnte; von einstiger Haarpracht, als Schertenlaib als Engel Gabriel bis zur neunten Klasse rumwandelte. Man erfuhr, wie seligmachend und problemlos anwendbar, kommentiert vieles, lässt den Partner ins hübsch einstudierte Abseits laufen. So sollen denn – so Schertenlaib und Jegerlehner alle Höhen und Tiefen der Wege gepriesen werden – obwohl mal kurz der «Zunderschwumm» absolut bedrohlich wütete – mit Bezug auf den Titel des neuen Programms.

Man wurde in die weite Welt entführt. Man erfuhr, dass Urlaub im winterlichen Italien absolut schlimm ist. Es gebe keine Gelati, Pedalos überwinterten zuweilen im Kühlschrank. Man hörte, was der sprachliche Auftrag an Jegerlehner, nur Si, No und Pedalo zu verwenden, an Gesprächen auszulösen vermag. Seitenfüllend könnte übers Lamentieren und Kommentieren geschrieben werden. Erfrischend trivial waren andere Teile mit der Lobpreisung der Meerschifffahrt, dem harten Los des Matrosen. Der «Schiffer vom Blauen Meer» bewegte mit seinem herben Schicksal. Amüsantes, bisher nie Erforschtes oder gar publizierte Ergebnisse betrafen Homers dichterisches Schaffen am Meer. Er dichtete, war also Spengler – das wortbezogen logische Vermuten wollte zuweilen kein Ende nehmen!

Alles geschah so blitzschnell, kaum hatte man das eine begriffen, kam es zum nächsten Ereignis. «Helga – muesch gaa» – der arme Schertenlaib litt spürbar. Und dann war es Jegerlehner, der über die Chorkarriere seines Partners erzählte, vom genussvollen ungestörten Alleinsein, dem Ausleben seiner liebsten Betätigungen wie Grillieren, Wandern, Vollbad schwärmte. Man darf sich ausrechnen, wer derart hehre Momente mit niederträchtiger Regelmässigkeit zu stören wusste. Gesang, Rhythmus und Tanz gehörten zum musikalischen, echt heissen Ausflug auf entfernte Inseln. Korrigiert wurde das mit dem Hinweis, dass es sich um ein Zeltlager im Tessin gehandelt habe. Zudem sei es für Jegerlehner Pflicht gewesen, der Mutter jeden Abend zu telefonieren. Er habe es einmal vergessen und schon sei die am Folgetag vor dem Zelt gestanden.

Die Zuordnung der schweizerischen Staatsbürgerschaft – eine historisch unwiderlegbare Tatsache – hat mit innerem und äusserem Schwitzen, also mit Innerschweizer und Ausserschwyzerischem zu tun. Ach in diesem Bereich gab es einiges auszuschmücken.

Herzlich waren Beifall, Verabschiedung und Zugaben. Man ging nicht sofort weg. Übers eine und andere gab es noch zu reden, zu schmunzeln. Bald werden die Verantwortlichen des «Dritten Programms» wieder einladen. Am 10. November gastieren Shani Diluka (Piano) und Carlos Martinez (Pantomime) in der Aula Glarus.