Schluss mit dem schlechten Gewissen

Mit Beharrlichkeit und Sachlichkeit zu sich zu stehen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben: Dazu rief Referentin Heidi Hofer Schweingruber aus Zürich am Einkehrtag der Evangelischen Frauenhilfe auf.



Sie bestritten den Einkehrtag (von rechts): Referentin Heidi Hofer Schweingruber
Sie bestritten den Einkehrtag (von rechts): Referentin Heidi Hofer Schweingruber

Monika Dürst-Legler, Präsidentin der Evangelischen Frauenhilfe Glarnerland, freute sich sehr, fast 60 Frauen zum diesjährigen Einkehrtag im reformierten Kirchgemeindehaus Glarus begrüssen zu dürfen. Ob es am Thema lag? Referentin Heidi Hofer Schweingruber sprach über das schlechte Gewissen – und damit über ein «ewig weibliches Thema». «Es ist überflüssig», meinte sie gleich zu Beginn ihres Vortrages.

Abgrenzung ist nötig


«Ein schlechtes Gewissen basiert meist auf der Unfähigkeit, uns abzugrenzen», sagte die psychologische Beraterin und Trauerbegleiterin: «Je ehrlicher wir zu uns selber stehen, desto weniger brauchen wir ein schlechtes Gewissen mit uns herumzuschleppen.» Mehr Selbstbewusstsein also und die eigenen Bedürfnisse nicht immer hintenanstellen. «Treten Sie wie eine Königin auf, spüren Sie Ihre Stärke, dann sind Sie geschützt»: Mit einer Körperübung wurde dies gleich eingeübt.

Zu einer gefestigten Persönlichkeit gehört laut der Referentin, klar Ja zu sagen und ebenso klar Nein: «Wir müssen spüren, ob wir etwas wollen oder nicht.» Eine Person, die nicht Nein sagen könne, mache Sachen, die sie nicht wolle. «Niemand muss sich erklären oder entschuldigen, wenn sie Nein sagt: Ich entscheide selber über meine Energie, Zeit, meine Fähigkeiten, Mittel und Geld.»

«Für alles reicht es nicht»


Oft gehe das schlechte Gewissen mit einem überholten Frauenbild einher, welches propagiere, dass die Frauen allzeit bereit, freundlich und anpassungsfähig sein müssten. «Und keine Egoistinnen», so Heidi Hofer. Wer immer Ja sage, bekomme aber nicht mehr Liebe und Zuneigung. Im Gegenteil: Der Respekt sei kleiner. Wer alles mache, sei nicht mehr hilfreich, weil die Qualität darunter leide: «Unsere Kraft reicht nicht aus, um die Welt zu retten. Für alles reicht es einfach nicht.»

Wichtig sei zu wissen, auf welchen Knopf andere drücken müssten, damit man funktioniere: Lob etwa, Mitleid, Enttäuschung oder dergleichen. «Es ist schwierig zu kontern, braucht Zivilcourage, aber es rettet letztlich. Wehren Sie sich, wenn Sie sich nicht ernst genommen fühlen. Bleiben Sie beharrlich.» Jede Frau sei gut so, wie sie sei. «Das schlechte Gewissen ist eine alte Gewohnheit, die wir höflich zur Haustüre begleiten und verabschieden sollten», schloss die Referentin.

Heidi Blumer sorgte für die passende musikalische Begleitung des Einkehrtages. Am Mittag gab es die traditionelle Gerstensuppe von Gerda Heer, am Nachmittag wurde das Thema gemeinsam mit der Referentin vertieft. Bereichert und voller Zuversicht, künftig kein oder mindestens weniger ein schlechtes Gewissen zu haben, traten die Frauen den Heimweg an.