Meine Damen und Herren
Nun ist es so weit – wie schnell die Zeit vergeht. Heute endet mein Jahr als Landratspräsidentin und zudem, wie Sie alle wissen, lege ich Ende Monat mein Amt als Landrätin nieder. Ich verabschiede mich heute also nicht nur aus meiner Funktion als Landratspräsidentin – es ist ein Abschied aus meiner aktiven Rolle in der Politik. 16 Jahre als Landrätin, in welchen ich verschiedene Aufgaben und Funktionen wahrnehmen durfte: Mitglied von verschiedenen Kommissionen, Kommissionspräsidentin, Büromitglied und natürlich das Landratspräsidium. Als Landratspräsidentin auf dem Höhepunkt angelangt, ist es für mich nun aber an der Zeit, mich neu zu orientieren.
Vieles habe ich im vergangenen Jahr erlebt, erfahren und gelernt. So bin ich beispielsweise durch den Schnee zu den Truppen gestapft, habe auf einer Zugfahrt eine Notbremsung erlebt, mit der Pistole ins Schwarze getroffen, Medaillen übergeben, an Versammlungen teilgenommen, mich bei einer Prozession eingereiht oder eine Laudatio und Reden gehalten. Damit darf ich einerseits auf viele spannende Anlässe und hieraus entstandene Gespräche zurückblicken. Andererseits hat mir dieses Präsidialjahr einen neuen Blickwinkel auf den Landrat resp. die Landratsdebatten ermöglicht. Bereits kurz nach meiner Antrittsrede ist mir bewusst geworden: Ich bin Landratspräsidentin, ich orchestriere den Rat, ich erteile das Wort, ich verantworte die Drehbücher. Dabei ist es mir stets wichtig gewesen, den Überblick zu behalten, das Ziel nie aus den Augen zu verlieren, die grosse Geschäftslast abzuarbeiten, auf alles vorbereitet zu sein, auch in hektischen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren, klar zu kommunizieren, immer authentisch und positiv zu bleiben und natürlich mit Herz dabei zu sein.
Ob Sie, werte Landrätinnen und Landräte, wohl meine geäusserten Wünsche bei meinem Amtsantritt erfüllt haben? Diese Frage muss sich jede und jeder im Saal selbst beantworten, denn es wäre vermessen, für 60 Landräte (mich eingeschlossen) eine gleichlautende Beurteilung abzugeben. Und so frage ich Sie:
- Haben Sie im vergangenen Jahr Ihrer Gesundheit Sorge getragen?
- Haben Sie nicht sich selbst, sondern die Sache ins Zentrum gestellt?
- Wie haben Sie Ihre Voten gestaltet? Waren diese knackig, prägnant und pointiert?
Wir alle kennen die Rolle der Politikerin, des Politikers – dabei haben wir die Möglichkeit, diese Rolle mit Werten, Inhalten zu füllen und mit einer persönlichen Note zu gestalten. Doch gestaltet nicht nur jeder einzelne die Politik mit – auch die Politik modelliert all jene, die sie betreiben resp. ausüben. Hierdurch habe ich nicht nur politisiert oder die Funktion der Landratspräsidentin ausgefüllt; ich habe zugleich zugelassen, dass die Politik mich formt. Dafür bin ich sehr dankbar.
Mein Engagement in der Politik wäre allerdings nicht möglich gewesen, hätte ich nicht meinen Mann Reto, meine Eltern, Geschwister mit Familien gehabt, welche mich stets unterstützt haben und auch in intensiveren Landratsmonaten wie im vergangenen Februar grosses Verständnis gezeigt haben. Auch mein Arbeitgeber ist speziell zu erwähnen. Dabei geht insbesondere ein grosses Dankeschön an die Lehrpersonen und Lernenden, welche doch das eine oder andere Mal auf mich verzichten mussten. Und dann wären da noch die Mitarbeitenden der Staatskanzlei, der Ratsweibel, Ratssekretär, Ratsschreiber – sie alle haben im Hintergrund gewirkt und sind mir mit Rat sowie Tat zur Seite gestanden und haben damit dazu beigetragen, dass ich meine Rolle bestmöglich ausführen konnte! Danke!
Die sehr gute Zusammenarbeit im Landratsbüro habe ich nie als selbstverständlich betrachtet. Jede und jeder hat seinen Beitrag für ein gelingendes Vorankommen geleistet. Meinem jetzigen Vizepräsidenten und voraussichtlichen Nachfolger, Emil Küng, wünsche ich bereits jetzt Freude, Befriedigung und von Herzen alles Gute fürs Präsidialjahr! Ich weiss und bin überzeugt, dass er einen guten Job machen wird.
Ich habe stets mit Kopf, Herz und Hand politisiert. Es ist mir eine Freude und Ehre gewesen, dem Landrat im Jahr 2024/2025 vorzustehen, mit Ihnen zusammen zu politisieren, sich gemeinsam für den Kanton Glarus zu engagieren und dabei die Geschicke unseres Kantons mitbestimmen zu dürfen. Ich bedanke mich bei meinen Wählerinnen und Wählern sowie bei Ihnen, werte Landrätinnen und Landräte, für das mir entgegengebrachte Vertrauen!




