Zunächst aber dies: Mein Präsidialjahr hat ebenso schön begonnen, wie es nun zu Ende geht. Gestartet am Jubiläumsanlass zu Ehren der hundertjährigen Geschichte der AXPO vom vergangenen August in Linthal und endend mit den Feierlichkeiten zur 700-Jahrfeier vom vergangenen Sonntag in Morgarten, durfte ich eine ganze Palette unvergleichlicher Begegnungen erleben. Das hat mein Leben bereichert. Ich danke Ihnen dafür, dass Sie mir das ermöglicht haben.
Es waren vor allem die Aussenbeziehungen, welche äusserst belebend wirkten, mir aber auch immer wieder gezeigt haben, wie nötig Erklärungen über das Wesen und Wirken des Glarnerlandes sind. Ich habe gespürt, dass viele, trotz anerkennenden Aussagen über unsere einst beschlossene Strukturreform, den Kanton trotzdem als nicht sehr innovativ und fortschrittlich einschätzen.
Auch ich stelle eine gewisse Lethargie in unserem Kanton fest, die mich nachdenklich stimmt. Sie wurde mir erst richtig bewusst, seit ich hier oben sitze und die Beratungen aus einer anderen Optik erlebt habe. Und diese Feststellung wurde in diesem Saal ja auch schon verschiedentlich angemahnt. Fast scheint es, als hätte zeitweise galoppierender Pessimismus insbesondere in unseren Köpfen Einzug gehalten.
Und so komme ich zum ersten Konsonanten, dem K: An einem Anlass würdigte ein Repräsentant einer Gemeinde im Zusammenhang mit einer Frage zur politischen Führung, die militärischen Normen mit den drei K, welche für Kommandieren, Kontrollieren und Korrigieren stehen. In welcher Zeit ist der denn stehen geblieben, habe ich zu mir gesagt
Darum habe ich ihn im vergangenen Jahr so sehr vermisst, den Konsonanten L. Ich hätte mir gewünscht, dass ich hier im Saal mehr Leidenschaft, Lust, Liebe, Lachen und List bei der politischen Führungsarbeit und mehr polarisierende Toleranz erleben würde.
An meiner Wahlfeier im vergangenen Jahr hat Kollege Karl Stadler ausgeführt, dass ich von der höchsten Warte aus auf schlaue Füchse, scharfe Wölfe, Wölfe im Schafspelz, Schafe im Wolfspelz und so weiter erleben werde. Das hat sich zwar in einzelnen Fällen durchaus bewahrheitet. Doch viel mehr noch habe ich gesehen, mit welchen Nebensächlichkeiten sich dieser Rat aufgehalten hat, weil viele wichtige Geschäfte nach wie vor in den Kinderschuhen, in den Schubladen, bei Gerichten, oder wo auch immer, stecken.
Und so komme ich zur Nennung des letzten Konsonanten, der mir in diesem Jahr geblieben ist, dem V. Für mich fehlen sie heute weitgehend, die Visionen, die Visionäre und noch viel mehr die Vorbilder, die Verantwortungsträger. Ich persönlich bin überzeugt, wir, der Kanton und alle, die hier irgendwo verantwortlich zeichnen, sind aufgefordert, sich in dieser unsteten und schnelllebigen Zeit, noch viel mehr ins Zeug zu legen, damit wir langfristig Bestand haben können. Wir haben nicht die gleichlangen Spiesse wie andere Regionen. Glauben Sie es mir. Und der Kampf um Pfründe und Vorteile nimmt mit immer grösser werdendem Egoismus laufend zu. Darum reicht es längst nicht mehr aus, nur über das Befahren von Waldstrassen, die Festlegung von Pachtzinszuschlägen, oder die Schiesspflicht für Jäger zu debattieren, um nur einige Beispiele zu nennen. Es braucht viel mehr als flüchtige Halbweltdesigner oder Berater, welche uns gepflegt unverbindlich sagen, was zu unserem Besten wäre. Dafür brauchen wir aber dringend viel mehr ls und vs, mehr wir und viel weniger ich. Denn die Zukunft ist die Ausrede derer, welche die Gegenwart nicht mitgestalten wollen.
Meine Damen und Herren
Geschätzte Kolleginnen und Kollegen
Ich bin also hier auf der höchsten Warte, in der Jägersprache ausgedrückt, dem Hochsitz gesessen. Und wenn ich meinen Jagdkameraden erzählen würde, dass ich ein ganzes Jahr auf eben diesem Hochsitz gesessen sei und dabei keinen Bock geschossen hätte, ihr Mitleid wäre mir gewiss.
Dennoch habe ich versucht, von hier oben aus, meinem Jahr als ihr Präsident auch eine persönliche Note zu geben. Ob und wie das gelungen ist, habe nicht ich zu beurteilen. Meine Lust und meine Leidenschaft an der Arbeit jedenfalls waren stets meine Begleiter. Und sollte ich jemanden hier im Saal verletzt haben oder zu nahe getreten sein, möge er oder sie Nachsicht mit mir walten lassen.
Heute ist nicht nur mein letzter Tag als Präsident dieses Rates, sondern auch mein letzter Tag als Landrat in diesem Saal, dem ich seit genau 14 Jahren angehören durfte und dessen Sitzungen ich in dieser Zeit keine einzige versäumt habe. Beginnend beim ersten Sparprogramm Anfang der 2000er-Jahre, über die Verwaltungsorganisation mit der Verkleinerung des Regierungsrates, hin zur Gemeindestrukturreform mit der Reduktion des Landrates. Es war eine spezielle, einmalige und geschichtsträchtige Phase unseres Kantons, in welcher ich hier mitwirken durfte, Siege erzielt habe, Niederlagen einstecken musste. Ich bin dankbar, dass ich ein Teil davon sein durfte.
Ich gehe mit der Gewissheit, mein Bestes gegeben zu haben, das ich hatte. Ich habe versucht, während dieser langen Zeit ein Haltung zu entwickeln, die vielen gut, aber niemandem weh tut.
Ich danke Ihnen allen für diese ereignisreiche Zeit, die vielen guten Begegnungen und die Freundschaft. Ich wünsche Ihnen weiterhin eine glückliche Hand bei der Bewältigung der vielfältigen Aufgaben zum Wohle des Kantons.
Besten Dank für Ihre Aufmerksamkeit
Leserbrief: Für Schmutz brauchts Waschmittel



