«Schneewissli und Roserot»-Märchenspiel in der Kanti-Aula Glarus

Auf Einladung der Kulturgesellschaft Glarus gastierte der Schweizer Verein Kinder- und Jugendtheater mit dem von den Gebrüdern Grimm geschriebenen und bühnenwirksam umgesetzten Märchen «Schneewissli und Roserot» vor vielen spürbar begeisterten Kindern und zuweilen etwas kritischer betrachtenden Erwachsenen auf der Bühne der Aula unserer Kantonsschule.



Wer sich einen guten Platz sichern wollte, fand sich frühzeitig genug ein, damit das beinahe zwei Stunden dauernde, von vielen Liedern durchsetzte Geschehen aus passender Perspektive mitverfolgt werden konnte. Der liebenswürdig linkische Philibert hatte mit der Wahl der richtigen Richtung seine liebe Mühe. Die Kinder mussten da lautstark korrigieren.

Es fiel auf, wie klug die Kinder ins gesamte Geschehen einbezogen waren. Für kurze Reaktionen blieb genügend Zeit, langes Dreinreden liessen die Schauspieler nicht aufkommen. Philibert, von seinem munteren Diener gar aufmerksam und mit liebenswürdiger Hilfsbereitschaft begleitet, suchte seinen Bruder während des ganzen Spiels. Finden liess er sich erst dann, als er sich aus seinem Bärenkostüm befreit hatte. Damit nahm das absolute Happy End seinen hochromantischen Verlauf.

Grad alle drei Herren fanden eine Dame ihrer Wahl und vermählten sich mit der jeweiligen Geliebten im Schnellzugstempo – und fertig war das Stück, das stark von Liedern lebte, die zuweilen hochkitschig und schmalzig daherkamen, aber die Herzen der Kinder zu rühren wussten. «Roti Rösli» werden nicht viele der Anwesenden in den angeboten Varianten – bis hin zum Chachacha-Sound – live vernommen haben. Zur gesanglichen Untermalung waren bekannte, den Kindern vertraute Weisen ausgewählt worden.

Wenn Erwachsene Kinderrollen verkörpern, sind die Gefahren des Belehrenden, Überheblichen, die Wahl des kinderfremden Vokabulars, die Hinwendung zur Lächerlichkeit latent vorhanden. Derartiges fingen die Schauspieler mit spürbarer Routine und einem gewissen inneren Feuer auf. Ihre Botschaften wurden verstanden, stiessen auf viel Beachtung und Anteilnahme. Schneewissli und Roserot waren die aus dem richtigen Märchen bekannten lieben Geschwister, die nie Angst zeigten, wissend, dass sie von allen Waldtieren und Geistern geachtet sind. Der goldgierige Zwerg namens Bartholomäus Wurzelhaar vom Schattenhang gab sich hin und wieder leicht bösartig, verärgert, heftig drauflosschimpfend. Er schätzte es gar nicht, wenn sein Bart wieder mal eingeklemmt war, sich mit der Angelschnur verhedderte und zuweilen elend im Weg war und von den helfenden Schwestern mit einer kleinen Schere gekürzt werden musste. Die Mutter der beiden Schwestern, spätere Gattin von Philiberts Diener, erzog ihre Kinder so, wie mans eben erwartete. Die Mädchen gehorchten gar artig und waren die Hilfsbereitschaft in Person. Der von einigen Kindern mit leichter Angst erwartete Bär war unglaublich sozial. Er fror und wurde nach dem Betreten der Stube hurtig mit einem wärmenden Tuch umhüllt. Da schnurrte er – einer Katze nicht unähnlich – genüsslich drauflos. Er wurde ja in riesigem Umfang verwöhnt, legte vor dem Bühnenvorhang sogar einen währschaften Bärentanz samt Gesang aufs Parkett und konnte Menschengestalt annehmen, nachdem er den goldgierigen, stehlenden Zwerg tüchtig bestraft hatte. Alles verlief in Minne, löste sich ohne gravierende, bleibende Probleme in Positivem auf – wäre das in unserer Welt doch häufiger der Fall!

Schneewissli und Roserot und die weiteren Schauspieler haben sich wohl in die Herzen vieler Kinder reingespielt – auch weil nach dem Bühnenstück im Foyer Gummibärchen en masse verteilt wurden und man die Kostüme aus nächster Nähe bewundern konnte.