Schule, einfach irisch!

Ein Blick auf die Uhr zeigt, dass es bereits 12.05 Uhr ist, was ich aber auch sowieso gewusst hätte, denn mein Magen knurrt schon unglaublich und möchte mir sagen, dass es höchste Zeit ist etwas zu essen. Doch ich habe noch ungefähr eineinhalb Lektionen, also eine Stunde Schule vor mir, bis ich meinen nach Nahrung schreienden Magen endlich befriedigen kann.



Schule, einfach irisch!

Und so versuche ich mich wieder auf das englische Gerede mit irischem Akzent des Lehrers zu konzentrieren, obwohl ich null Energie habe. Doch nicht nur ich scheine müde zu sein und nicht gerade viel Motivation zu haben. Um mich herum sitzen noch ungefähr 15 andere Schüler und Schülerinnen, alle ihre Blicke entweder auf das Papier vor ihnen auf dem Tisch oder zum Lehrer gerichtet. Wir alle haben wie vorgeschrieben unsere blau-schwarz-weiss-graue Uniform an und wenn man uns in ein altes, graues Schlosszimmer setzen würde, könnte die ganze Szene aus einem der Harry-Potter-Bücher stammen. Wenn auch nicht ganz so interessant und natürlich ohne Magie. Als dann endlich die Glocke läutet, die wie ein Feueralarm klingt und mir schon einige Schockmomente bereitet hat, erwachen alle aus ihrer Trance, räumen ihre Bücher in die Tasche und stürmen mit einem Lächeln auf dem Gesicht zum Zimmer hinaus. Denn jetzt heisst es Lunch-Time!Ja, so sieht ungefähr jeder Morgen aus, jedenfalls kurz vor dem Mittag. Wie müde und desinteressiert wir dann sind, hängt wie in der Schweiz auch, von der Stärke des individuellen Schlafmangels, dem Fach und der Lehrperson ab. Ansonsten ist die Schule in Irland jedoch total anders. Ich bin jetzt bald drei Wochen hier und habe mich so langsam, aber sicher eingelebt und mich an das vollkommen andere System gewöhnt.Die Schule fängt um 09.00 Uhr an, was fast ein bisschen wie Ferien für mich ist. Darauf folgen dann drei Stunden je 38 Minuten bis zur ersten Pause. Bis zum Mittag sind es wieder drei solcher Stunden. Die 40-minütige Mittagszeit verbringt man dann mit Freunden irgendwo auf dem Schulgelände. Nach dieser erholsamen Zeit hat man nur noch weitere drei Stunden bis zum Schulschluss zu überstehen.Die Regeln sind ziemlich strikt und teilweise genauso seltsam und unverständlich wie die Lektionsdauer von genau 38 Minuten. Dass man die Schuluniform tragen muss, ist ja logisch, aber dass man in der Pause einer Doppelstunde eine Unterschrift braucht, um auf die Toilette zu gehen, macht für mich keinen Sinn. Andere Regeln sind zum Beispiel, dass man sich am Morgen mit einer Karte einstempeln muss, das Schulgelände dann bis Schulschluss nicht mehr verlassen darf, auch nicht am Mittag. Mädchen dürfen nur einen Ohrring pro Ohr, Jungs gar keinen tragen. Und wer mit seinem Handy zwischen dem Einstempeln und dem Schulschluss erwischt wird, der darf seinem Handy für einen ganzen Monat «BYE BYE» sagen. Die Regeln sind also um einiges strikter hier in Irland, aber nicht nur die, auch die meisten Lehrer sind sehr streng, was die Aufmerksamkeit im Klassenzimmer erheblich steigert.

Doch all das ist hier ebenso gang und gäbe und ich habe mich zum Glück auch schnell daran gewöhnt. Die irischen Schüler sind toll und wir haben eigentlich immer, ob in den Stunden, den Pausen oder am Mittag, viel Spass.

Und wenn ich dann ab und zu über eine dieser Regeln erstaunt bin, werde ich immer gefragt, ob denn das in der Schweiz nicht so sei. Darauf antworte ich dann natürlich meistens mit «nein» und einer Erklärung, wie «Wir dürfen das Schulgelände am Mittag oder in Freistunden verlassen, wenn wir möchten.» Die Reaktionen darauf: «Was, wirklich? Das ist ja cool!»Aber auch wenn hier alles anders ist, freue ich mich jeden Tag auf die Schule. Am Morgen muss ich mir keine Gedanken machen, was ich anziehen möchte und in der Schule wartet ein neuer, lehrreicher und vor allem lustiger Tag auf mich!