«SchweigenPunkt» beeindruckt und lässt nachdenken

Die prominente Schweizer Künstlerin Franziska Greber hat sich in ihrem langjährigen Schaffen stets mit Diskriminierung und Gewalt auseinandergesetzt und sich für Frauen- und Menschenrechte engagiert. Im Anna-Göldi-Museum haben Grebers Installationen und Arbeiten bis am 2. August 2019 eine Heimat gefunden. Eine beeindruckende, emotional tiefschürfende Ausstellung, die den Besucher zum Nachdenken anregt.



Die Entstehung der Ausstellung «SchweigenPunkt» hat eine spezielle Vorgeschichte. Wir vernehmen sie aus der Sicht von Museumsdirektor Fridolin Elmer. So meldete ihm eines Tages eine Museumsangestellte, dass im letzten Herbst eine attraktive Frau als Museumsbesucherin dagewesen sei, die vom Museum und von der Ausstrahlung dieses Raumes total begeistert gewesen sei. Sie sei eine Künstlerin und wolle hier unbedingt eine Ausstellung machen. Er solle mal googlen, sie habe ein tolles internationales Projekt mit dem Namen «Women in the Dark». Der Aufforderung nachkommend fand Elmer tatsächlich auf Google Informationen über die Künstlerin, die mit Ausstellungen in China, Indien, Chile, Mauritius, Simbabwe und Deutschland ein beachtliches Palmares aufweisen konnte.  

Frauen in der Gegenwart eine Stimme geben

Mit der Ausstellung «SchweigenPunkt» thematisiert die Künstlerin Franziska Greber Geschichten und Erlebnisse von Frauen, die normalerweise ungesagt bleiben. Fridolin Elmer war tief beeindruckt von der Idee und der Umsetzung der Künstlerin, Frauen eine Stimme zu geben, die ihre Geschichte oft stumm in sich herumtragen. Er stellte sich die Frage: Warum will diese Frau denn unbedingt im Anna-Göldi-Museum ausstellen? Wie sich herausstellte, waren es vor allem drei Gründe. Den ersten Grund könnte man vielleicht «Back to the Roots» nennen, denn die Künstlerin Greber hat ihre Wurzeln in Ennenda. Sie war hier geboren und hatte ihre ersten Lebensjahre in ihrem Geburtsort verbracht. Der zweite Grund Franziska Grebers war, wie die Stiftung übrigens auch, fasziniert von der einmaligen Dimension und Ausstrahlung des Hänggiturmes. Last but not least noch der dritte Grund: Dass in diesem Museum der entrechteten, historische Figur Anna Göldi eine Stimme gegeben wird, traf sich mit dem Anliegen der Künstlerin, Frauen auch in der Gegenwart eine Stimme zu geben. Von der Idee bis zur Realisation war es aber noch ein weiter Weg, der nicht nur der Künstlerin, sondern auch Museumsdirektor Elmer Kopfzerbrechen bereitete.

Abfallsäcke, weisse Kugel und Geschichten auf Blusen

Kuratorin und Kunsthistorikerin Susanne Wintsch führte die Ausstellungsbesucher in das Werk von Franziska Greber ein mit interessanten Erläuterungen ein, während es der Künstlerin vorbehalten blieb, detailliert und verständlich ihre Installationen zu erklären. «Ich will den Frauen eine Stimme und anderen Frauen Mut geben», so Greber. Gewalt und Unrecht gegen Frauen gebe es überall, so auch in der Schweiz. Symbol für das Schweigen und das Unbekannte, das über einem schwebt, ist die Installation mit Abfallsäcken. Eine übergrosse Kugel aus weissen Blusen steht für den Punkt, wie im Titel der Ausstellung, und deutet das übergrosse Unausgesprochene der Frauen an. Auf einer Ebene weiter oben präsentiert die Künstlerin Fotos der Frauen, die ihre Geschichten auf den Blusen festhalten. Um die Fotos zu erkennen braucht es aber eine Taschenlampe. «Ich möchte, dass die Besucherin die Frauen selber anleuchtet, selber sucht und ihnen aktiv die Aufmerksamkeit schenkt», sagt Franziska Greber. Die Ausstellung im Anna-Göldi-Museum dauert noch bis zum 2. August 2019 und ist sehens- und empfehlenswert.

«Women in the Dark»

Im Jahr 2016 erlebte die Schweizer Künstlerin Franziska Greber bei einem Aufenthalt in Simbabwe, wie ihr unzählige Frauen ihre Geschichten erzählten. Geschichten über Vergewaltigung, Ausgrenzung oder Gewalt. Spontan kaufte sie auf dem Markt weisse Blusen und rote Stifte und liess die Frauen ihre Geschichten aufschreiben. Das Projekt «Women in the Dark» war geboren. Unterdessen hat Franziska Greber das Projekt in acht Ländern gestartet. Beispielsweise in China, Indien, Deutschland und den Seychellen. Bis heute sind 1800 Kleidungsstücke zusammengekommen.