Seit Jahren war er überfällig – Simon Beyeler holt sich den Sieg

Im fünften Anlauf durfte Simon Beyeler endlich vom silbernen auf das goldene Treppchen steigen. Beim Nachwuchs dominierte Sarina Hitz den Glarner Sommercupfinal 2018.




Die Darbietungen, die Jürg Fischli dieses Jahr bot, waren einmal mehr sagenhaft. Mit Ehrendamen, welche die Athletinnen und Athleten in die mit Rauch und Feuerwerkshow verwandelte Halle zu den Finalständen führten, war nur eines der Highlights. Die bleibende Erinnerung an diesen Anlass produzierte Jürg Fischli mit einem Schützenkalender, bei dem die Cracks mal mehr und mal weniger anhatten. Gekonnt führte der redegewandte Näfelser durch den Anlass. Auch ungewollte Effekte mit den sich selbstständig machenden Storen, brachten den Routinier nicht aus der Ruhe. Ebenso wenig schienen seine Interviewpartner vor dem zahlreich anwesenden Publikum nervös zu werden, wenn der «Schnurri der Schützennation» wieder auf Stimmenfang ging. Jan Lochbihler verzückte das Publikum mit seiner frischen, lebhaften und witzigen Art, sodass dem Moderator beinahe die Fragen ausgingen. Nebst all dem wurde natürlich auch dem Sport gefrönt. Der einmalige Anlass bewies auch dieses Jahr, dass keiner der besten Luftgewehrschützen der Schweiz, mit Ruhepuls ans Werk ging, wenn es wieder hiess: Für 20 Schuss in 18 Minuten – Start. Den Zuschauern wurde dies wiederum mit Pulsmessgeräten, welche die Schützen trugen, visualisiert. Die etwas versierteren Verfolger konnten dies auch ohne Pulsanzeigen feststellen, denn bereits in der ersten Runde strauchelten die Favoriten und Besserklassierten reihenweise. Elena Tomaschett, Martin Zbinden, Patrick Lustenberger oder Stephan Martz waren nur einige davon. Die grösste Überraschung lieferte wohl Fischli’s Lieblingsinterviewpartner. Jan Lochbihler trat gegen André Eberhard an und erwischte einen Fehlstart und fand sich in der Hoffnungsrunde wieder. Dort zeigte der Profi jedoch sein Können und schoss sich ins Feld zurück – genau wie Stephan Martz, Maria Glavina und Alicia Steiner. Anders erging es Patrick Lustenberger. Der talentierte Innerschweizer schied auf dem dritten Rang in der Hoffnungsrunde aus. Ebenso Renate Peters, die sich mit dem letzten Schuss aus dem Rennen nahm.  

Durchgeschlängelt und im Final

Genau zum richtigen Zeitpunkt in Fahrt kam der Bündner Lars Färber. Mit 188, 193, 194 und 192 Punkten hievte er sich stets gerade so in die nächste Runde und war mit diesen Ergebnissen nicht im Kreis der Favoriten anzusiedeln. Im Viertelfinal warteten doch Kaliber wie Petra Lustenberger, Olivia Hofmann, Simon Beyeler, Caspar Huber, Jan Lochbihler oder Jasmin Bernet, obwohl auch Letztere sich auf ähnlichem Niveau bewegte wie der Bündner. Wie es das Tableau so wollte, traf Färber auf seine Lebenspartnerin Olivia Hofmann. Also niemand geringeren als die letztjährige Siegerin. Anscheinend störte ihn das nicht und motivierte ihn zu einer Höchstleistung. Mit tollen 196 Punkten schickte er die Olympiateilnehmerin in den kleinen Final um Rang drei und vier. In der anderen Tableauhälfte warf Simon Beyeler Jasmin Bernet mit 195:194 Punkten aus dem Rennen um den Sieg. Er hätte auch auf Lochbihler treffen können, wenn dieser nicht bei einem Shoot-off gegen Bernet im zweiten Anlauf den Kürzeren gezogen hätte.

Vatersein und Unbekümmertheit

Die zehn Schuss beim kommandierten Final waren beinahe schon langweilig. So überlegen der erste und dritte Rang gewonnen wurde, so vermochte niemand mehr daran glauben, dass der durch Jürg Fischli immer wieder herbeigeschworene Patzer der Favoriten, Simon Beyeler und Olivia Hofmann, noch eintreten wird. Wie Simon Beyeler nach dem letzten Schuss und der Siegerpose sagte: «Es wurde Zeit, dass der Sommercupfinalsieg endlich auch in meinem Palmarés vorhanden ist.» Der frischgebackene Vater deutete auch an, dass dieser Sieg auch auf die Gelassenheit zurückzuführen sei, die er seit der Geburt seines Sohnes spüre. 0,4 Punkte (103,5) hinter dem Siegerresultat schoss Olivia Hofmann das zweitbeste Finalergebnis. Damit sicherte sich die Österreicherin den dritten Rang. Silber ging an Lars Färber (100,2) und Rang vier an Jasmin Bernet (101,0).    

Die Juniorinnen dominierten

Nicht umsonst waren die Juniorinnen bereits während den Sommermonaten ihren männlichen Kollegen eine Nasenlänge voraus. Auch am Finaltag musste sich Man(n) warm anziehen. Im Viertelfinal standen somit nur noch Flavio Indergand und Fabio Wyrsch vom starken Geschlecht in den Reihen. Die übrigen sechs Startplätze waren an Juniorinnen vergeben. Da sich Wyrsch gegen Jana Gisler im Shoot-off durchsetzte, traf er im Halbfinal auf Indergand. Und somit war klar, dass nur ein Junior um den Sieg mitschiessen würde. Letzterer setzte sich deutlich mit 194:191 Ringen durch. Die zweite Halbfinalpaarung wurde auf deutlich höherem Niveau ausgetragen. Sarina Hitz deklassierte Muriel Züger mit 197:195 Zählern. Dieses Leistungsverhältnis war dann auch im grossen und kleinen Final zu sehen. Die Thurgauerin Sarina Hitz liess Fabio Wyrsch mit 102,9:99,2 Punkten keine Chance. Auch Muriel Züger, die um Rang drei schoss und somit doch noch um einen Podestplatz mitreden konnte, deklassierte ihren männlichen Widersacher mit 102,0:96,5 Ringen deutlich.