Selbstverständlichkeiten geraten ins Wanken

An der gut besuchten 1.-August-Feier der Gemeinde Glarus Süd im Gemeindezentrum in Schwanden machte sich der neue Regierungsrat Christian Marti nachdenkliche Gedanken zur Zeitenwende. Daneben sorgten die Harmoniemusik Schwanden sowie der Samariterverein Schwanden und Umgebung für weitere gute Festlaune.



Gedanken zur Zeitwende: Regierungsrat Christian Marti (Bilder: w.baumgartner)
Gedanken zur Zeitwende: Regierungsrat Christian Marti (Bilder: w.baumgartner)

Wettertechnisch vermochte der Schweizerpsalm «Trittst im Morgenrot daher» den Ansprüchen nicht ganz gerecht zu werden, was dem guten Besuch zu dieser traditionellen Feier aber keinen Abbruch tat. Ein feiner Brunch à disretion, beste musikalische Unterhaltung durch die Harmoniemusik Schwanden, unter der Stabführung von Jürg Hösli, bildeten das Rahmenprogramm zum gemeinsamen Nationalfeiertag.

Das Ende einer Epoche und der Anfang einer neuen Zeit

«Woran denken Sie beim Wort Zeitenwende», stellt Regierungsrat Christian Marti etwas provokativ in den Raum. «Vielleicht an eigene Erinnerungen, an den Fall der Mauer in Berlin im November 1989, an die Bundesverfassung im Jahre 1848, an die Glarner Gemeindestrukturreform von 2011? Zeitwenden im Privaten oder hier im Glarnerland? Oder gar an den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg von Russland auf die Ukraine im Februar 2022?»

«Aus diesen Aufzählungen», so Marti weiter, «lässt sich Folgendes erkennen: Im Kleinen wie im Grossen gibt es viele Zeitwenden – willkommene und negative, und keine Wende ist für immer, sie wiederholen sich ständig».

Zeitwenden können aber auch Unsicherheiten, negative Gefühle oder sogar Angst auslösen. Eine Studie der ETH Zürich unter dem Titel «Sicherheit» zeigt, dass sich 2025 deutlich mehr Schweizerinnen und Schweizer Sorgen über die Zukunft machen (seit 2010 immer max. 20%, jetzt beträgt der Wert aktuell 30%). Erstaunlich ist das nicht. Die Welt um uns herum verändert sich rasant: Arbeitsplätze sind unter Druck, Kriege sind zurück in Europa, das Klima verändert sich spürbar, demokratische Traditionen und Institutionen werden angegriffen. Selbstverständlichkeiten wie Frieden, Stabilität, Wohlstand, welche unsere Generationen lange getragen haben, geraten ins Wanken.

Aber in jeder noch so negativen Entwicklung gibt es plötzlich Sonnenstrahlen, welche durch eine Lücke ins Dunkle scheinen. Für viele Menschen ist das die göttliche Kraft, die uns schützt und lenkt und die Zukunft – auch nach einer Zeitwende, welche noch so bedrohlich ist – nicht feststeht, sondern veränderbar ist.

«Menschen», so Marti zum Schluss, «die mit Zuversicht das Miteinander leben, gerade in Zeiten, in denen das Trennende oft lauter ist als das Verbindende, stärken unser Land durch Mut und Zuversicht (nicht blinden Optimismus, sondern festem Willen). Darum in diesem Sinn: Vive la Suisse – es lebe die Schweiz und es lebe unsere starke, widerstandsfähige Demokratie.»