Senioren und Sketche à discrétion

Das Ensemble der Seniorenbühne Zürich, im Jahre 1975 gegründet, ist stets im November ein gern gesehener Gast im Glarnerland; genauer im Saal des Fridolinheims Glarus. Ebenso erstaunlich wie erfreulich ist, dass mit immer neuen Spielstücken aufgewartet wird, und dass die 20 bis 30 Seniorinnen und Senioren auf Tournee gehen und in zwei Besetzungen jeweils 60 bis 70 Aufführungen angeboten sind.




Dass in Glarus regelmässig vor «ausverkauftem Haus» gespielt wird und das Ensemble breite Unterstützung geniesst, ist erfreuliche Tatsache. Diesmal waren kurze, durch die Medien zuweilen bereits bekannte Stücke unter dem Titel «Der Sketch-Strauss» über eine kurzweilige Stunde hinweg, angeboten.

Weiss man um die beinahe uferlose Fülle von kurzen, Spielstücken dieser Art, um den zumeist hohen Unterhaltungswert und die kreativen Geister, die Derartiges in die Welt gesetzt haben, weiss man auch um die Qual der Wahl, wenn es ums Auslesen geht. Was kommt an? Was eignet sich? Was ist unter Umständen zu platt, zu primitiv, zu verletzend, zu langfädig? Fragen, denen sich Programmgestalter zu stellen haben. Kommt dazu, dass alles mit Kurzweil, Witz und passenden Pointen an die erwartungsfreudigen Zuschauer herangetragen werden muss, damit sich ein gewisser Erfolg einstellt.

Die Verantwortlichen der Seniorenbühne Zürich haben das recht geschickt angepackt. Es sind zwei Teams, die über mehrere Spielrunden hinweg mit ausgewählten kurzen Stücken auftreten und in einem – durchaus friedlichen – Wettstreit über drei Runden hinweg um Punkte kämpfen, die das Publikum per Abstimmung zuteilt. Damit das Ganze auch gut abläuft, ist ein Moderator eingesetzt, der die Inhalte der Sketche jeweils erläutert und grad noch ausdrückt, was ihm selber besser oder weniger gut gefällt und damit über Gunst oder Ungunst mitentscheidet. Die Teams haben mit «Ha!» und «Hi?» nicht eben originelle Bezeichnungen. Die je drei Damen spielen und wirbeln ganz gekonnt drauflos. Sie wissen die Lacher auf ihrer Seite. Und zum Schluss gibt`s für das siegreiche Team einen Blumenstrauss, der wohl schon einige Male überreicht worden ist.

Vor Spielbeginn war es Sache von Gemeindepräsident Christian Marti, alle herzlich zu begrüssen, auf Kulturelles im Hauptort hinzuweisen, den für Glarus namentlich erwähnten Sponsoren herzlich zu danken und – selbstverständlich – viel Spass und Abwechslung zu wünschen.

Und dann ging es los. Mit wenigen Requisiten war man für die verschiedenen Rollen bald mal bestens ausstaffiert. Natürlich gaben sich beide Teams betont siegessicher, sie forderten die entsprechende Unterstützung durchs Publikum.

Karl Valentin war geistiger Vater des ersten Stücks. Es ging um die Reparatur eines defekten Regenschirms, der dann wieder benützbar sein musste, wenn eben Regen einsetzte. Aber über diesen Zeitpunkt waren sich Kundin und Ladenbesitzerin alles andere als einig. Das artete derart aus, dass der Schirm zur Reparatur gar nicht mehr entgegengenommen wurde.

Wortakrobatisch ging es mit Didi Hallervordens Erkenntnissen um die Kuh Elsa weiter. Die segnete das Zeitliche, weil ihr ein brennendes Dach auf den Kopf gefallen war. Weshalb das passieren konnte, war Folge einer Verkettung recht spassiger, sketchgerecht übertriebener Umstände.

Und dann kam das Gespräch zwischen der Direktorin und der Verantwortlichen für Personalrekrutierung und Beratung der Geschäftsleitung. Letzterer wurde gekündigt, mit drastisch deutlichen Worten, die aber nicht so rüberkamen, wie es sich die Vorgesetzte vorgestellt hatte.

Und schon weilte man beim weltbekannten Michelangelo, der dem Papst Red’ und Antwort wegen eines Gemäldes mit dem Titel «Das letzte Abendmahl» zu stehen hatte. Grad dreimal hatte er Christus gemalt und 28 Jünger samt Känguru und Trampolin hingezaubert. Er bezeichnete das auf Anfrage des Pontifex als «Künstlerische Freiheit», fand aber bei seinem Auftraggeber gar kein Gehör. Der stellte nämlich ganz klare, historisch lupenrein korrekte Bedingungen.

Dann ging es um einen leicht vertrackten Namen, den es polizeilich aufzunehmen galt. Es tauchte der Buchbinder Wanninger auf, der seinen Auftrag gar nicht ausliefern konnte, weil er ständig mit jemandem verbunden wurde und so mit seiner eigentlich kurzen Fragerei wieder von vorne beginnen musste. Desorientiert und verzweifelt endete der arme Buchbinder.

Und dann ging es um die simple Teilungsrechnung 28 durch 7. Wie verschiedenartig dieses Problem angegangen und einer Lösung zugeführt werden kann, wurde mit einer lieblichen Dramatik demonstriert.

Und ob man Pommes frites wirklich in Flaschen kaufen kann – oder eben nicht – war wiederum Didi Hallervorden zu verdanken. Dank Loriots Einfallsreichtum wurde man über den leckeren «Kosakenzipfel» anlässlich eines Essens auf irgendeinem Campingplatz samt daraus resultierendem verbalem Schlagabtausch nachhaltig informiert. Und Karl Valentin befasste sich einst mit einem Gerichtsfall. Da wurde der Delinquent doch wirklich zum Tode verurteilt, konnte aber nicht hingerichtet werden, weil das Beil irgendwie abhandengekommen und der Delinquent sich die Hinrichtung ohne verbundene Augen vorgestellt hatte – schliesslich wolle er dem Tod in die Augen sehen. Das war dann eine doch eher handfeste, leicht deftige Sache.

Das Team «Hi?» gewann denkbar knapp, vielleicht ändert sich das bei der nächsten Aufführung wieder, wenn die Gunst des Publikums anders verteilt ist.