Sernftal: Medizinische Grundversorgung bleibt gewährleistet

Am 31. Juli tritt der einzige Hausarzt im Sernftal, Dr. med. Thomas Zimmermann aus Matt, in den Ruhestand. Trotz intensiver Suche hat er keinen Nachfolger gefunden. Was geschieht ab 1. August mit seinen rund 1000 Patienten?




Um die medizinische Grundversorgung des Sernftals auch nach der Praxisaufgabe von Thomas Zimmermann zu gewährleisten, hat das Departement Finanzen und Gesundheit seit Oktober 2017 in Zusammenarbeit mit der Glarner Ärztegesellschaft und dem Kantonsspital verschiedene Sofortmassnahmen ausgearbeitet. Dabei gibt es wenige rechtliche Möglichkeiten für einen kantonalen Eingriff: «Wir würden gerne einen Arzt in die Praxis stellen, das geht aber leider nicht. Im ambulanten Bereich sind dem Kanton die Hände relativ stark gebunden», sagte Landammann Dr. Rolf Widmer am Informationsanlass vom Montagabend. Rund 250 Personen hatten sich dazu in der Mehrzweckhalle Matt versammelt.

Weiterhin Hausbesuche

Dr. med. Renato Kamm, Hausarzt aus Schwanden, stellte die Sofortmassnahmen vor: Der pensionierte Hausarzt Dr. med. Martin Bendel aus Niederurnen wird die ärztliche Versorgung im Alters- und Pflegeheim Sernftal in Elm sicherstellen, und zwar in Zusammenarbeit mit dem Heimpersonal, der Spitex und einer Pflegeexpertin des Kantonsspitals. Er wird zudem Hausbesuche bei nicht mobilen Patienten machen.

60 bis 80 Patienten suchen die Praxis von Thomas Zimmermann wöchentlich auf. Um sie aufzunehmen, wird es an zwei Nachmittagen zusätzliche Sprechstunden durch zwei Oberärzte des Spitals mit Hausarztpraxiserfahrung und eine Pflegeexpertin in den Praxen von Dr. med. Renato Kamm und Dr. med. Cornelia Hefti in Schwanden geben. Damit soll ein Patientenstamm gesammelt werden, der später einem neuen Kollegen in einer Gemeinschaftspraxis übergeben werden kann. Laut Renato Kamm gibt es bereits zwei Interessenten dafür. Patientinnen und Patienten von Thomas Zimmermann können sich also entscheiden, ob sie mit ihren Patientenakten zu Renato Kamm oder zu Cornelia Hefti (oder zu einer anderen Arztperson im Kanton) wechseln wollen. Und sie werden natürlich nicht nur in den zusätzlichen Sprechstunden behandelt.

Was passiert im Notfall? Weiterhin gilt rund um die Uhr die Notfall-Telefonnummer 0844 55 66 55. Tagsüber erreicht man damit den diensthabenden Hausarzt, nachts das Spital. Letzteres unterstützt die Hausärzte durch vermehrte Übernahmen von Notfallpatienten.

Gesamtanalyse für längerfristige Massnahmen

Laut Dr. Rolf Widmer kosten die Sofortmassnahmen den Kanton einmalig zwischen 30 000 und 50 000 Franken sowie 80 000 Franken wiederkehrend. Zudem wird nun laut dem Landammann die Gesamtsituation im Glarnerland analysiert, um mittel- und langfristige Massnahmen ergreifen zu können. Ergebnisse sollten Ende 2018/Anfang 2019 vorliegen. Es könnte in Richtung einer direkten staatlichen Förderung (beispielsweise finanzielle Unterstützung von neuen Gemeinschaftspraxen), einer verstärkten Förderung der Vernetzung zwischen Assistenzärzten und frei praktizierenden Arztpersonen sowie einer Entlastung der Ärzteschaft durch Pflegeexperten, Interprofessionalität oder eHealth gehen.

«Wir müssen innovativ sein. Die Situation wird nicht besser. Es ist schwierig, Hausärzte zu finden. Aber wir bleiben dran», so der Vorsteher des Departementes Finanzen und Gesundheit.

In der Diskussion ging es nebst der Spitex unter anderem um die ärztliche Versorgung der Kinder. Diese ist ab 1. Juni mit der neuen Kinderarztpraxis am Kantonsspital sichergestellt.

Ein Mann fragte, ob denn die zusätzlichen Sprechstunden nicht in Matt durchgeführt werden könnten. Laut Renato Kamm stünde der Aufwand angesichts technischer Gegebenheiten in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Mathias Vögeli, Gemeindepräsident von Glarus Süd, dankte für die Unterstützung und die Übergangslösung: «Man sieht, dass das Ganze ernst genommen wird.» Speziell dankte er Martin Bendel für die Bereitschaft, Hausbesuche zu machen, was mit Beifall kommentiert wurde. Einen langen Applaus erhielt schliesslich der scheidende Hausarzt Thomas Zimmermann – als Zeichen der Wertschätzung und als Dank für den jahrelangen Einsatz zugunsten der Bevölkerung im Sernftal.