Sherlock Holmes geisterte in Glarus rum

Das rührige Team der Buchhandlung Wortreich im stadtglarnerischen Abläsch hat es möglich gemacht, dass der legendäre Hund von Baskerville für kurze Zeit zu gar grauslichem Leben wiedererweckt worden ist und seine Untaten nochmals Erwähnung fanden.



Gestenreich wurde das Geschehen verdeutlicht. (Bild: pm.)
Gestenreich wurde das Geschehen verdeutlicht. (Bild: pm.)

Dank Einladung von Lea Schmocker, Schauspielerin in Erlangen, kam es zu gar wechselvollem Begegnen mit einer grossen Zahl von Personen, deren Stärken und Schwächen, zu blumig angekündigten Aufenthalten auf einem Landgut und im todbringenden Sumpf, zum Abspielen von fast garantiert echten Ton-Dokumenten aus September und Oktober 1890, zum Innehalten während einer wohlverdienten Pause, zum Mitverfolgen des Verspeisens eines Apfels aus bereits erwähntem Jahr, dem beinahe atemlosen Nachlesen einer den Tod verheissenden Botschaft und zum Betrachten eines im Sumpf verlorenen Schuhs oder des Restknochens des Hundes von Baskerville. Diese Zeitzeugen, so die lebhaft fabulierende Schauspielerin, habe sie problemlos aus Baskerville Hall in Dartmoor / Devon rausholen und heimschaffen können. Damit die geneigte Zuhörerschaft überhaupt den Einstieg ins quirlige Geschehen fand, bedurfte es einer Hilfe. Auf einem fotokopierten Blatt waren alle Personen der beklemmenden Handlung samt Positionierung im unglaublich variantenreichen Geschehen und den unerwartet verblüffenden Wendungen aufgeführt. So war denn über Charles Baskerville zu erfahren, dass er der Besitzer von Baskerville Hall sei und unter mysteriösen, nie restlos geklärten Umstünden von dannen schied, dass John Barrymore als Butler amtete und dessen Ehefrau Eliza als schwer und solid gebaut auftauchte, dass Selden, entflohener Sträfling, wohl der Mörder von Nottinghill war und welche Aufsehen erregenden Rollen Sherlock Holmes und Dr. Watson im ganzen Geschehen innehatten. Man nahm vom gar schrecklichen Hund Kenntnis, der mitten im Sumpf zu leben hatte und lernte en passant Dr. Jack Stapleton und dessen Schwester Beryl und Landarzt Dr. James Mortimer kennen. Und wer dann alles hübsch in seinen Kopf geschichtet hatte, kam beim äusserst dramatischen Geschehen fast mit. In munterster Bearbeitung des von Sir Arthur Conan Doyle geschriebenen Romans agierte Lea Schmocker mit traumwandlerischer Sicherheit, stets wissend, wer grad wo im Einsatz stand, zu warten, verbal zu handeln, zu leiden oder gar zu sterben hatte. Lea Schmocker bediente sich einer sehr bildhaften, opulenten Schilderung, zuweilen mit lausbübischem Kick nach da und dort. Die fasziniert Lauschenden schmunzelten nicht selten und gut hörbar. Dann litt man selbstverständlich auch mit, pflichtschuldigst verschlug es einem den Atem, man nahm rege Anteil an diesem wechselvollen Geschehen, liess sich auf der Karte zeigen, was wo sein könnte. Und männiglich war entzückt, wie sorgsam Lea Schmocker mit den präsentierten Fundstücken umging, wie genau sie aufzeigte, was wo gefunden und nach Hause gebracht worden war. Es war schon kluge schauspielerische Kunst, wie Ton-Dokumente zusammengestellt und in den Monolog eingebaut waren, wie urplötzlich ein Hörspiel wuchs. Die schnellen Wechsel stellten an die Zuhörer einige hohe Anforderungen. Schmocker untermalte ihr Schildern stets gestenreich, lebhaft, massvoll. Man musste zu Kenntnis nehmen, dass des Rätsels Lösung im Moor liegen blieb und dort auch bleiben wird, obwohl Geheul, Rufe, Schreie, Gebell und Stöhnen nie ganz ausklingen werden, auch wenn das Geschehen im Oktober 1890 endete. Und wenn nun jemand bei dichtem Nebel in einem Moor stecken bleibt, muss er sich sehr hüten, nicht in eine Zinkgrube zu gelangen – dort könnten noch Knochen des Hundes, ja ein arger Fluch liegen. Lea Schmocker hat begeisternd geschildert und zuweilen gar gruselig an- und ausgedeutet, ganz im Stile eines mit klug verpacktemArtikel Humor garnierten Krimis.