Sinfoniekonzert des Glarner Kammerorchesters

Der Saal des Gemeindehauses Ennenda ist als Konzertraum begehrt, verfügt über eine sehr ansprechende Akustik und ist ein bauliches Kleinod. Unlängst lud das von Reto Cuonz dirigierte und für das angekündigte Sinfoniekonzert verstärkte Glarner Kammerorchester zu einem Begegnen mit Werken von Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart ein. Und niemand hatte sein Kommen zu bereuen.




Es wurde derart erfüllend, exzellent, mit hoher Reife ausgedrückt, dass sich Staunen, Anteilnahme und riesige Freude am Gebotenen breit machten, dass der brillant ausgestaltende Cellist Flurin Cuonz nach langem, sehr verdientem Applaus mit einer in unserer Sprache verbreitet auftretenden «Standing Ovations» verabschiedet wurde, dass es zu einer Zugabe und dem gerne wahrgenommenen Versprechen auf kommende Begegnungen kam.

Es war – man verzeihe den Ausflug in den Dialekt – einfach «eebig schüü», erfüllend reichhaltig, so willkommen kurzweilig. Die Orchesterleute drückten mit riesiger Eleganz, hoher Reife und Kompaktheit auf. Feingliedriges, löste zuweilen leicht Dramatisches ab, Langsame, gemächlichere Tempi standen für Ruhe, Träumereien, Sehnen, Verharren; Temporeiches für Keckes, Dahinhüpfen, Necken, Locken. Scheinbar mühelos erfolgten diese Stimmungswechsel. Es war eine Reichhaltigkeit, die man gerne in sich aufnahm. Mit warmem Klang, feierlich, traumverhangen erfolgte die Einstimmung in die Sinfonie Nr. 6 in D-Dur («Le Matin») von joseph Haydn. Die Flöte gab Lockerheit und Frohmut vor, das Orchester nahm solche Intentionen gerne auf, führte kunstvoll und dezidiert weiter. Dieses Geben und Nehmen zwischen den Registern war verspielt, wechselreich, liebenswürdig, zuweilen gar wirblig. Kurze Soli, sich vom Rest des Orchesters leicht abhebend, spielten Peter Ferndriger (Konzertmeister) und Andreas Kammerecker mit viel Eleganz. Das Orchester stimmte in Derartiges kunstvoll und ausdrucksreich ein. So wurde in einem der Sätze das Jubeln, Trillern und Locken der Flöte so reizend übernommen und weitergeführt. Da wähnte man sich in einem Garten mit einherparlierenden Amseln, die sich so kunstvoll auszudrücken vermögen, die alles Griesgrämige einfach wegfegen.

Reto Cuonz leitete gar charmant fordernd, mit hoher Präzision, und sympathischer Wertschätzung, die Beschwingtheit des Spiels vorgebend, dies ruhig und hochkonzentriert. Seine Intentionen nahmen die Orchesterleute spürbar bereitwillig auf, setzten das stets beeindruckend kunstvoll um.

Mit dem Konzert für Violoncello und Orchester in D-Dur von Joseph Haydn lernte man die absolut ausgereifte Spielkunst, die hohe Musikalität und die Fähigkeiten des einfühlenden, variantenreichen Gestaltens und die riesige Eleganz von Flurin Cuonz kennen. Er meisterte auch sehr Forderndes mit einer Leichtigkeit und riesigem Geschick, man staunte, nahm Anteil. Er weckte Bewunderung und Staunen gleichermassen. Alles floss so leicht und unbeschwert dahin, war manchmal leidenschaftlich, dann wieder keck, wirblig. Die Kadenzen klangen inhaltsstark, variantenreich auf. Die Orchesterleute sekundierten mit spürbarer Hingabe, riesigem Geschick und hoher spielerischer Reife. Alle dankten mit ganz, ganz grossem und herzlichem Applaus.

Am Schluss der adretten Programmfülle stand die Sinfonie Nr. 36 in C-Dur (Linzer Sinfonie) von Wolfgang Amadeus Mozart. Bläser, Markantes des Paukisten und das Orchester gestalteten feinsinnig, mit hoher Präsenz, wechselnder Dynamik und klug gesetzten Tempi aus. Nochmals wurde man riesig verwöhnt, war in diese riesige Vielfalt an Gefühlen richtiggehend eingebettet. Auch in feinsten, fast durchsichtig anmutenden Momenten erspürte man die riesig kenntnisreichen, spielstarken Fähigkeiten des Orchesters. Das war zuweilen so unnachahmlich elegant, behutsam, dann wieder kraftvoll. Das Zusammengehen der Bläser mit den Streichern, das Absetzen, Vorgeben von Fragmenten und deren Umsetzung waren formschön, wurden klug ausgedrückt.

Man erhielt die herbeigeklatschte Zugabe, freute sich an den überreichten Blumen und die grosse Wertschätzung zwischen den Interpretierenden.