Delegationen der Mitgliedervereine, Ehrenmitglieder, Vertreter Kantonaler Verbände sowie aus Politik und der Gesamtschweizerischen Vereinigung fanden sich zu Ehren des Glarner Kantonalen Gesangsvereins ein.
Tafelmajor Hampi Toggenburger, selbst Sänger im Männerchor Linthal, führte durch das Jubiläumsfest. «Als unser Verein gegründet wurde, gab es keine Handys und kein Internet. Wenn damals jemand falsch sang, wurde es nicht auf Tik Tok gepostet, sondern höchstens beim nächsten Kirchen- oder Wirtshausbesuch weitererzählt», begrüsst er die Gäste.
Gegen Gassenlieder
Aufgrund der Einführung des neuen Zürcher Kirchengesangsbuchs in den evangelischen Kirchgemeinden, wurde der «Sängerverein im Kanton Glarus» am 11. Juni 1826 aus der Taufe gehoben. Daneben sollte aber auch den damals oft gesungenen vulgären, teils schmutzigen und minderwertigen Gassenlieder Einzug geboten werden.
Schon 1827 wurde erstmals in der Kirche Ennenda mit über 150 Sängerinnen und Sängern ein Benefizkonzert zugunsten des Griechischen Volkes im Kampf gegen die Türkei durchgeführt.
«ds Glarnerland singt» in der Fridolinskirche
Unter dem Co-Präsidium von Esther Rhyner und Werner Zentner führte ein Organisationskomitee mit der Leitung von Christoph Bächtiger nicht nur durch die Jubiläumsfeier, sondern auch durch das am 20. und 21. Juni zum 4. Mal durchgeführte Glarner Chorfestival.
Mit 39 Chören und 960 teilnehmenden Sängerinnen und Sänger ein Grossanlass zum Geburtstag. Von Samstagmorgen bis Sonntagabend brachten die verschiedenen Gesangsvereine in der Fridolinskirche ihre Lieder zum Besten.
Das Schlussbouquet oblag dem eigens zum 200. Geburtstag gegründeten Projektchor, unter der Leitung der Kantonaldirigentin Rita Meli.
Projektchor
Premiere feierte der überzeugende Chor mit einer starken Darbietung ihrer Lieder bereits zum Jubiläumsanlass. «Es zählt in einem Verein nicht nur der gemeinsame Gesang, sondern Kameradschaft, Verbundenheit und Freundschaft», so Esther Rhyner, die zusammen mit Co-Präsident Werner Zentner stolz den Projektchor begrüsst. «Viel Zeit und Herzblut habt ihr liebe Sängerinnen und Sänger in euren Vereinen unentgeltlich aufgewendet, das war früher nicht ganz selbstverständlich und heute noch weniger», bedankt sich Zentner für den Einsatz bei allen Chören.
Gruss- und Dankesworte
Stolz, beim einmaligen Jubiläum mitfeiern zu dürfen, zeigte sich auch der Präsident der gesamtschweizerischen Vereinigung Christof Ramseier; «Der Glarner Kantonale Gesangsverein hat sich immer wieder neu erfunden und weiterentwickelt. Viele Generationen haben auf verschiedene Art und Weise dafür gesorgt, dass ein Miteinander und das gemeinsame Singen bleibt.»
Engagement, Wille, Verlässlichkeit und Vertrauen sei genau das, was in diesen Jahrhunderten Bestand hatte und auch heute gebraucht werde, plädiert er zur Kraft des gemeinsamen Singens.
«200 Jahre ist unglaublich lang, der Verein hat politische Umbrüche, Wirtschaftskrisen, zwei Weltkriege, Gemeindefusionen oder Corona überstanden», blickt Peter Aebli, Gemeindepräsident Glarus, zurück.
Als grosse Freude und Ehre bezeichnete auch Kaspar Becker die Überbringung der Gratulationen und Grussworte der Regierung. «In dieser langen Zeit wurde nicht nur die Chorkultur geprägt, sondern auch ein wichtiger Beitrag zum gesellschafltichen Zusammenhalt geleistet», so Becker.
Löbliche Frauen und Töchterchöre
Vorstands- und OK-Mitglied Susanne Leuppi liess die Anwesenden anhand der genausten ausgewerteten Protokolle der letzten 200 Jahre in die Geschichte des Vereins eintauchen. Nebst der eigens erstellten Chronik, zeigte sie lebhaft auf was ihre Vorgänger/-innen bewegte und wie sich der Verein entwickelte.
Dabei sei Dirigenten- und Mitgliedersuche ein nie endendes Thema: 1972 schrieb der damalige Kantonalpräsident: «Vereine sind dort bedroht, wo der Zusammenhalt in einem Dorf oder gar in einer Talschaft nicht mehr wie früher ungestört bleibt. Als Ursache nannte er die Beeinflussung durch die Massenmedien, insbesondere des Fernsehens».
Keine Töchter und Politiker
Fast 150 Jahre lang befand sich der Kantonalverein fest in Männerhand. 1964 wurden die ersten fünf – wörtlich; löblichen, Frauen- und Töchterchöre in den Kantonalverein aufgenommen. Eine Anekdote zum Thema Frauen im Verein aus den Protokollen war Leuppi nicht entgangen: «Als der Frauen und Töchterchor Niederurnen sich in Frauenchor Niederurnen umbenannte, kam das leise Gerücht auf, dass es in Niederurnen wohl keine Töchter mehr gebe.»
Im Weiteren wurde für die Durchführung von Gesangsfesten schriftlich festgehalten, dass der OK-Präsident das Sängerwesen zu kennen hätte und nicht «nur» ein Politiker sein sollte.















