«Situation ist sehr schwer abzuschätzen»

Am Montag öffnen viele Geschäfte wieder ihre Türen, darunter auch die Gastronomie, jedoch mit strikten Vorgaben. Was dies für die einzige Glarner Bierbrauerei heisst, darüber sprach glarus24 mit dem Geschäftsführer der Brauerei Adler Roland Oeschger.



glarus24: Ab dem kommenden Montag dürfen nach einem längeren Unterbruch die Gast- und Hotelbetriebe ihren Betrieb eingeschränkt wieder aufnehmen. Musste sich die Brauerei speziell auf diesen Tag vorbereiten? 

Roland Oeschger: Für uns ist die ganze Situation schwer abschätzbar. Seit dem Lock-down am 17.3.2020 mit der Schliessung aller Gaststätten und dem Verbot aller Festanlässe ist der Umsatz der Brauerei Adler AG von einem Tag auf den anderen gegen 80% eingebrochen. Die Gastronomie sowie der Getränke-Fachhandel auch ausserhalb des Kantons sind unsere Hauptabsatzkunden. Nun mit der sehr eingeschränkten Öffnung der Gastronomie ab dem 11. ai 2020 ist es sehr ungewiss, wie sich dies entwickelt. Kleinere Restaurants haben praktisch keine Chance, die Vorgaben des Bundesrates zu erfüllen. Grössere Gaststätten und Gartenwirtschaften können sicher etwas bewegen. Wir haben uns diese Woche auf mehr Bestellungen eingerichtet, können dies aber im Moment noch nicht abschätzen, wie sich die Situation in den Restaurants verhalten wird. Das Gästeverhalten ist noch nicht abschätzbar.

glarus24: Seit dem Lock-down sind viele Wochen verflossen. Wie oft konnte in dieser Zeit noch gebraut werden?

Roland Oeschger: Rund eine Woche nach dem Lock-down wurde die Produktion in unserer Brauerei eingestellt. Die Sudpfannen bleiben seither kühl. Vereinzelte Biersorten wurden noch abgefüllt.  

glarus24: Es wurden und werden viele Grossanlässe wie z.B. die Landsgemeinde, Sound of Glarus oder das Glarner Bündner Schwingfest abgesagt. Wie gross einschneidend sind diese Absagen und könne diese in Zahlen (weniger Liter Bier produziert) benannt werden?

Roland Oeschger: So genau kann diese nicht beziffert werden. Es kommt darauf an, was für Festanlässe im Kanton stattfinden. Dennoch wird die Absage praktisch aller Festanlässe diesen Sommer ein Loch in die Kasse reissen. Im vergangenen Jahr wurden in den Hauptsommer-Monaten rund 23 000 Liter Bier an verschiedene Festanlässe direkt durch die Brauerei Adler AG geliefert. Rechnet man aber alle indirekten Lieferungen hinzu, erhöht sich diese Zahl deutlich.   

glarus24: Wurden auf der andern Seite Produkte vermehrt im privaten Bereich gekauft oder konsumiert?

Roland Oeschger: Der Privatkonsum ist seit dem Lock-down erheblich gestiegen. Man merkt dies in den Detailhandelsgeschäften, privaten Hauslieferungen und natürlich in unserem Getränke-Markt in Schwanden sehr positiv. Das Konsumverhalten des Konsumenten hat sich da verändert bzw. der Situation angepasst.

glarus24: Was für Massnahmen mussten Sie kurz und mittelfristig durch den Produktionsverlust ergreifen und wie sieht Ihre Prognose betreffend Bierkonsum während den kommenden Sommermonaten aus?

Roland Oeschger: Unsere Brauerei musste vermutlich erstmals in der 192-jährigen Geschichte Kurzarbeit anmelden. Diese wurde vom Kanton auch rasch und unbürokratisch gewährt und hilft über eine begrenzte Zeit hinweg. Doch viel länger darf dieser Zustand nicht mehr dauern. Es wird immer enger! Wir arbeiten im Moment rund 50% in getrennten Teams. Die Zukunft in diesem Jahr sehen wir eher verhalten. Die Lockerungen sind sicher ein «Lichtblick», werden uns aber noch das ganze Jahr beschäftigen.  

glarus24: Hat die Brauerei Adler in ihrem 192-jährigen Bestehen je eine oder eine zumindesten ähnliche Krisensituation erlebt?

Roland Oeschger: Wir denken kaum. Sicher waren die Jahre während den Weltkriegen auch für unseren Betrieb hart und einschneidend. Die Gaststätten und all die Geschäfte waren aber nie generell geschlossen. Derart wurde vermutlich das tägliche Leben noch nie unterbunden. 

glarus24: Anderweit muss trotz allem an die Zukunft gedacht werden. Vor Corona waren Sie an zwei oder drei neuen Projekten. Werden diese von Ihnen nach wie vor intensiv verfolgt oder wurden sie auf unbestimmte Zeit auf Eis gelegt?

Roland Oeschger: Trotz dieser Corona-Krise glaubt die Brauerei Adler AG an die Zukunft. Unsere Brauerei wurde nicht 192 Jahre alt, um sich nun einem solch dämlichen Virus zu beugen. Projekte mussten aber in Anbetracht der speziellen Situation und der finanziellen Unsicherheit etwas zurückgestellt werden.