So soll Kirche sein!

Kirche einmal anders: Der Gottesdienst der Frauengruppe «Kirche unterwegs» der Reformierten Landeskirche und das Konzert «Imagine» in der katholischen Kirche Glarus haben mich tief beeindruckt. Sowohl bezüglich Form als auch inhaltlich.



Lebendiger Gottesdienst: Die Frauen von «Kirche unterwegs» in der reformierten Kirche Matt. (Bild: mb)
Lebendiger Gottesdienst: Die Frauen von «Kirche unterwegs» in der reformierten Kirche Matt. (Bild: mb)

Die Gruppe «Kirche unterwegs» gestaltet jedes Jahr im Auftrag des kantonalen Kirchenrates der Evangelisch-Reformierten Landeskirche einen besonderen Gottesdienst, den sie jeweils in zwei Kirchgemeinden durchführt. Im Jubiläumsjahr «500 Jahre Reformation» sind die Frauen in die Rolle von Reformatorinnen geschlüpft. Eindrücklich bieten sie in Matt und Netstal einen Einblick in deren Leben und zeigen die bedeutende Rolle der Frauen für die Reformation auf. Denn oft spricht man nur von den Männern – Luther, Zwingli und Calvin lassen grüssen. Die Frauen werden vielerorts vergessen.

Dabei haben sie damals genauso mitdiskutiert, die neue Möglichkeit genutzt, in der Bibel zu lesen und sich an vielen Stellen aktiv für die Reformation engagiert. Sogar gepredigt haben einige, nachdem sie das Schweigegebot für Frauen theologisch hinterfragt hatten.

Klar und bestimmt legt die Gruppe die aktive Rolle der Frauen dar und erinnert an die Leitsätze der Reformatorinnen. Sie fordert uns Frauen auf, uns auch heute einzumischen und mitzugestalten – so wie es «Kirche unterwegs» jedes Jahr macht.

Der Gottesdienst überzeugt zudem von der Form her, samt Miteinbezug der Besucherinnen und Besucher, die ihre Ideen zur Veränderung auf Schachteln notieren, die anschliessend zu einer (nicht fertigen) Kirche aufgebaut werden. Sehr schön!

Szenenwechsel. «Imagine all the people, living life in peace» – «Stell dir vor, alle Menschen leben in Frieden». Wer kennt ihn nicht, den visionären Song von John Lennon. Er ist Titel des Konzertes, welches «Picanto Voices + Band» am Sonntagabend in der katholischen Fridolinskirche in Glarus gestalten. Hier geht es weniger um Frauen- als um Menschenrechte, um Natur, Gerechtigkeit, Toleranz, Hoffnung und Glauben.

Der Projektchor aus der Region Schwyz unter Leitung von Christoph Monsch bietet dabei Höhepunkte aus der Rock- und Popgeschichte dar. Einige Besucherinnen und Besucher singen leise mit – offiziell und laut bei «Amazing Grace». Ganz speziell ist die Verbindung eines Liedes aus dem 16. Jahrhundert mit Michael Jacksons Song «Will you be there» oder «Baba yetu», das «Vater unser» in der Sprache des südafrikanischen Volkes Zulu. Man wippt im Takt und lässt sich hineinziehen in die Songs, die den Traum der Menschen von einer friedlicheren, toleranteren, gerechteren Welt ausdrücken. Wunderbar! Der lange Applaus erheischt zwei Zugaben.

Die beiden Anlässe in den Kirchen haben mich tief beeindruckt. Sowohl bezüglich Form als auch inhaltlich. Beim Gottesdienst brechen die Frauen die übliche starre Form auf, gestalten ihn lebendig und laden die Anwesenden zum Mitwirken ein. Beim Konzert schafft die Musik vom ersten Takt an die Verbindung zu den Besucherinnen und Besuchern. Inhaltlich geht es bei beiden um Parteinahme, um den Einsatz für eine Welt, in der wir alle gleichberechtigt und friedlich zusammenleben und auch der Schöpfung Sorge tragen.

So soll Kirche sein! Ich freue mich schon auf die nächsten «besonderen» Anlässe, deren Besonderheit vielleicht einmal zur Normalität werden wird. Hoffnung und Glaube liegen ja bekanntlich nahe beieinander.