Und ist man einmal lange und ausdauernd unterwegs, ändert die vielleicht schlechte Laune dann, wenn man am Nordende des Volksgartens Glarus beim schützenden Zelt angekommen ist, lässige Musik vernimmt, eine Ansage mitbekommt, sich an einen der vielen Tische setzt und sich mit Pommes, Würsten ab Grill, passendem Getränk und anderen sommerlichen Köstlichkeiten verwöhnt und sich im rettenden Trockenen niederlässt.
Musik, farbige Lichter, gekonnt aufspielende Interpreten und die Neugierde weckende Flyer lassen einen verbleiben. Begonnen hat das muntere, sich über sechs Tage dahinziehende Begegnen am vergangenen Dienstag. Es fanden sich erfreulich viele «Zaungäste» ein, die dem wechselvollen Einstimmen folgten, mit Beifall manche Zugabe erklatschten, sich vom Gebotenen spürbar mitreissen liessen und die garstigen äusseren Bedingungen vergassen. Die Stahlchäfer Steelband stimmte gar mitreissend ein, entführte an sonnige, warme Strände. Es schloss die Big Band Hot Socks an, bevor der schweizerische Dokumentarfilm «Zum Beispiel Suberg» viele in seinen Bann zog. Der Regisseur Simon Baumann lebt seit Geburt in diesem Dorf mit rund 600 Einwohnern. Es liegt im bernischen Seeland. Mit seinem Streifzug zeigt er nachhaltig auf, wie es sich heute lebt, was aus Einstigem geworden ist.
Am Mittwoch ging es mit einem weiteren musikalischen Höhepunkt weiter – oder schon wieder los. Es regnete immer noch, leidenschaftlich, heftig, alles durchnässend. Genau diese Leidenschaft nahmen die vier begnadeten Musiker des Skyline Quartets auf. Sie fezzten so gekonnt, variantenreich, brillant los, Swing, Jazz, RockʼnʼRoll, Boogie, Blues waren angesagt. Man lauschte nicht einfach. Man klatschte, tat innerlich ganz begeistert mit und staunte über Beseeltheit, Spielfreude und Virtuosität. Man liess die Spielenden nur ungern ziehen, sie mussten sich mit beinahe liebenswürdiger Hartnäckigkeit verabschieden. Mit «Mon père, la révolution et moi» stand ein weiterer Dokumentarfilm auf dem Programm. Ufuk Emiroglu ist die Tochter eines türkischen Revoluzzers, der mit Gleichgesinnten in der Türkei um 1775 und den Folgejahren für Unruhe, Widerstand und Aufstand sorgte, die Aufmerksamkeit der brutal für Ordnung und Gerechtigkeit sorgenden Polizei auf sich zog, inhaftiert war, brutal gefoltert wurde und das Land mit seiner Familie verliess. Ufuk Emiroglu arbeitet in diesem, ihrem ersten filmischen Erstling, Stationen ihres Lebens auf, ist auf der Suche nach Identität, Politik und Antworten auf Geschichtliches. Mit dieser Reise führt die 34-Jährige die Betrachter aus der Türkei der Siebzigerjahre in die Schweiz, Taten und Tätigkeiten ihres Vaters mit Verhaftung, politischen Erfolgen, Falschgeldproduktion, undurchsichtiger Arbeit, Flucht, Aufenthalte in Paris und in der Westschweiz aufzeigend. Beharrlich fragt sie nach, begibt sich an die Stätte ihrer frühen Kindheit, legt den Zerfall ihrer Familie offen, redet über Identität, Bleibe, Wohnformen.
Es entstand eine beeindruckende Dokumentation, die in unsere Diskussionen um Flüchtlingsfragen und die hohe, fordernde Problematik hineinpasst und den einen oder anderen Politiker stiller und nachdenklicher werden lässt, wenn er gar unbotmässige Forderungen in den Raum stellt.
Weitergehen wird es bis zum 3. August mit musikalischen Aufwartungen und dem letzten der drei Filme. Am 1. August legen die Verantwortlichen der Sommerbühne eine Pause ein, die Bundesfeier findet mit der Ansprache des Bundespräsidenten Didier Burkhalter in Ennenda statt.
Samariterverband feierte mit Partner und Bevölkerung




