Sozial – und Vormundschaftswesen - Guter Start unter kantonaler Führung

Seit dem 1. Januar 2008 wird das Glarner Sozial- und Vormundschaftswesen unter kantonaler Führung betrieben. Bislang ist das Fazit positiv: Die Kantonalisierung war richtig, der Betrieb ist gut angelaufen.



Sozial – und Vormundschaftswesen - Guter Start unter kantonaler Führung

Jakob Beglinger, Chef des kantonalen Sozial- und Vormundschaftsamtes macht es deutlich: «Wir sind sehr erfolgreich gestartet. Aber am Ziel sind wir noch lange nicht: Der grösste Erfolg ist nämlich, dass wir überhaupt pünktlich den Betrieb aufnehmen konnten.» Ein erfolgreicher Start bedeutet in diesem Sinne: Alle drei Stützpunkte sind offen. Die Gelder für die Sozialhilfe können ausbezahlt werden. Die Beratungen finden statt. Die Klientinnen und Klienten finden die Stützpunkte in Glarus Nord, Glarus Mitte und Glarus Süd. Und alles läuft auf einem qualitativ guten Niveau.

Die Abteilung Vormundschaftswesen funktioniert ebenfalls innerhalb der ordentlichen Fristen. Die Kunden erhalten die notwendigen Dokumente, erhalten die gewünschten Auskünfte und akzeptieren, dass es auch beim Kanton Wartezeiten geben kann.

Aber Jakob Beglinger sagt auch: «Wir haben noch viel zu tun, bis wir auf dem gewünschten Stand sind. So brauchen wir beispielsweise noch einige Zeit, bis wir von einer gemeinsame Kultur sprechen können. Dann müssen wir noch viel in die Schulung der Mitarbeitenden investieren. Für manche ist beispielsweise die Software völlig neu. Und ganz allgemein müssen sich die Abläufe und Mechanismen noch gut einspielen.»

In Rekordzeit aufgebaut


Die Umstellung des Glarner Sozial- und Vormundschaftswesen von den Gemeinden zum Kanton erfolgte in Rekordzeit. Nach dem Entscheid an der Landsgemeinde 2006 erarbeitete eine Projektgruppe unter Landrat und alt-Ständerat Fritz Schiesser das Konzept und die gesetzlichen Grundlagen und legte sie an der Landsgemeinde 2007 den Glarnerinnen und Glarnern zur Abstimmung vor. Zwischen Mai 2007 und dem 31. Dezember 2007 musste der ganze Übergang realisiert werden. Das bedeutete: Rund 8 Monate, um die Infrastruktur aufzubauen, das Personal anzustellen, die Dossiers von den Gemeinden zum Kanton zu übertragen, die passende Software zu installieren und manches mehr. «Es war eigentlich zuwenig Zeit», ist sich Jakob Beglinger bewusst, und verweist als Beispiel auf den Stützpunkt Glarus Nord. Dieser konnte erst am 10. Dezember in Näfels bezogen werden, also nur gerade 20 Tage vor dem Startschuss der neuen Organisation.

Starke Unterschiede bei den Dossiers


Verständlich, dass in dieser Zeit zwar die zentralen Grundlagen geschaffen werden konnten, nicht aber alle Details schon einwandfrei funktionieren. Leise Kritik übt der Abteilungsleiter an der Unterstützung durch einige frühere Fürsorgegemeinden in der Übergangsphase: «Die Gemeinden haben uns die Arbeit sehr gerne abgegeben. Die Dossiers landeten bei uns aber oftmals in ungenügender Qualität auf dem Tisch.» Eigentlich hätten sie zahlreiche Dossiers zurückweisen müssen. Sie hätten sie nur deshalb übernommen, um den Start per 1.1.2008 gewährleisten zu können. Dieser Umstand sei wesentlich dafür verantwortlich, dass noch nicht alle Dossiers im neuen System erfasst seien. Mit Blick auf die Dossiers unterstreicht Jakob Beglinger auch, wie wichtig der Wechsel vom kommunalen zum kantonalen Sozialhilfe- und Vormundschaftswesen gewesen sei: «Die Qualität und Professionalität, mit der in den Gemeinden gearbeitet worden ist, hat grosse Unterschiede offenbart. Mit der Kantonalisierung können wir nun die Gleichbehandlung aller Klientinnen und Klienten gewährleisten und für Professionalität garantieren.»

Umstellung für Klienten problemlos


Wie haben sich die Sozialhilfeempfänger auf die neue Situation eingerichtet? «Kein Problem, das System bewährt sich,» findet Jakob Beglinger. Die Klientinnen und Klienten finden die Stützpunkte, und sie treffen dort in aller Regel auf bekannte Gesichter, haben doch die meisten der bisher in den Gemeinden tätigen Fachleute zum Kanton gewechselt. Im Vorfeld wurde ab und zu darauf hingewiesen, die Distanz zwischen dem Wohnort eines Sozialhilfeempfängers und dem regionalen Stützpunkt könne ein Nachteil des neuen Systems sein. Es werde alles anonymer. Ein Blick auf die künftig flächenmässig grösste Gemeinde des Kantons, Glarus Süd, widerlege diese Vermutung, führt Jakob Beglinger aus: «Der Stützpunkt Glarus Süd in Schwanden verzeichnet sehr viele Anmeldungen. Offenbar ist der Weg für die Klientinnen und Klienten kein Problem, und da sie es mit den ehemaligen Gemeindeleuten zu tun haben, ist es auch nicht anonymer geworden.» Fast eine grössere Herausforderungen sei es, den Erwartungen der Bevölkerung und verschiedener Behördenmitglieder gerecht zu werden. Die Erwartungshaltung sei enorm hoch und könne aus den erwähnten Gründen noch nicht immer ganz erfüllt werden.

2008 – ein herausforderndes Jahr


Die Herausforderungen, die Jakob Beglinger und sein Team 2008 bewältigen müssen, sind nochmals hoch. Jakob Beglinger: „Zunächst müssen die Fallabläufe und Antragsabläufe noch standardisiert werden. Dafür benötigen wir noch etwa zwei bis drei Monate Zeit. Dann möchte ich einen Schwerpunkt in der Qualitätssicherung setzen.» Dieser Schwerpunkt ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil der Kanton Glarus über keine Sozialbehörde mehr verfügt. Sowohl die strategische wie die operative Verantwortung liegen beim kantonalen Sozialamt. «Wir müssen deshalb sicherstellen, dass stufengerecht und transparent von unten bis zuoberst kommuniziert wird» führt Jakob Beglinger aus. Und er will ein Kontrollkonzept rasch umsetzen, das bereits vorbereitet ist und interne Kontrollmechanismen mit einer externen Kontrolle verknüpft. Last but not least legt er einen Schwerpunkt auf die Kommunikation. Es sei wichtig, dass das neue System gut erklärt und aktiv gegen aussen kommuniziert werde. Mit weiteren Meldungen aus dem kantonalen Sozialamt ist also zu rechnen.


Mehr Infos zu GL2011


Mehr Informationen zum Gemeindestrukturprojekt „GL2011: drei starke Gemeinden – ein wettbewerbsfähiger Kanton finden sich auf der Homepage www.gl2011.ch. Der Zeit- und Massnahmenplan zum Reformprojekt kann als Broschüre gratis bezogen werden Ebenfalls kann per E-Mail kann ein elektronischer Newsletter abonniert werden: [email protected], Tel. 055 646 66 05.

*Der Autor ist Kommunikationsbeauftragter der Projektleitung Kanton „GL2011: drei starke Gemeinden – ein wettbewerbsfähiger Kanton“.