Sozialhilfequote bleibt weiterhin tief

2019 haben 2 Prozent der Glarnerinnen und Glarner Sozialhilfe bezogen. Die Sozialhilfequote bleibt damit tief und liegt deutlich unter dem schweizerischen Durchschnitt von 3,2 Prozent (Stand 2018). Die Quote der Alimentenbevorschussung steigt leicht und liegt neu bei 0,45 Prozent. Der nationale Durchschnitt beträgt 0,59 Prozent. Dies zeigen die neusten Zahlen der Schweizerischen Sozialhilfestatistik, die jährlich vom Bundesamt für Statistik publiziert werden.



Im Jahr 2019 bezogen im Kanton Glarus 791 Personen Sozialhilfe. Das sind 32 Personen mehr als im Vorjahr. Da die Bevölkerungszahl in diesem Zeitraum nur minimal zugenommen hat, steigt die Sozialhilfequote zwischen 2018 und 2019 von 1,9 Prozent auf 2 Prozent. Damit entspricht die Quote exakt dem langjährigen kantonalen Durchschnitt. Der Anstieg ist zum Teil dadurch bedingt, dass mehr Personen trotz einer Erwerbstätigkeit Sozialhilfe beziehen. Zudem stieg auch die Sozialhilfequote bei Personen mit einer ausländischen Herkunft. 

Die Bevölkerungsgruppen, welche gemessen an ihrem Anteil an der Glarner Bevölkerung besonders häufig Sozialhilfe beziehen, bleiben auch im Jahr 2019 Geschiedene sowie Ausländerinnen und Ausländer. Gefährdet sind auch Alleinerziehende, besonders solche in Haushalten, die aus einer erwachsenen Person und mehreren Kindern bestehen.

Alimentenbevorschussung

Die Alimentenbevorschussung (ALBV) ist eine bedarfsabhängige Leistung, bei welcher der Kanton die Alimentenzahlung übernimmt, die vom Ex-Partner oder der Ex-Partnerin nicht bezahlt wird. In den Jahren 2014 und 2015 lag die entsprechende Quote im Kanton Glarus noch über dem schweizerischen Durchschnitt. Ab 2016 fiel sie unter den Landesdurchschnitt. Die aktuellen Zahlen für das Jahr 2019 zeigen, dass die Quote erstmals seit Jahren wieder leicht gestiegen ist; von 0,39 Prozent im Jahr 2018 auf 0,45 Prozent im Jahr 2019. Trotzdem liegt die Quote der ALBV weiterhin unter dem Schweizer Durchschnitt von 0,59 Prozent (Stand 2018). Die Stärkung der Inkassohilfe zahlt sich aus. Die Inkassohilfe unterstützt Anspruchsberechtigte bei der Geltendmachung von Alimentenschulden.

Familien in der Sozialhilfe

Einelternfamilien haben ein erhöhtes Sozialhilferisiko. Über 16 Prozent aller Einelternfamilien, also Familien bestehend aus einer erwachsenen Person und einem oder mehreren Kindern, sind im Kanton Glarus auf Sozialhilfe angewiesen. Bei Einelternfamilien mit drei oder mehr Kindern ist dies noch ausgeprägter – über 42 Prozent werden von der Sozialhilfe unterstützt. Bei den unterstützten Einelternfamilien handelt es sich bei 91,8 Prozent aller Fälle um Mütter mit minderjährigen Kindern. Alleinerziehende Eltern sind überwiegend erwerbstätig (49%) oder aktiv auf Stellensuche (16%). 51 Prozent der alleinerziehenden Eltern in der Sozialhilfe haben lediglich die obligatorische Schule abgeschlossen.

Auch Familien, bestehend aus zwei Erwachsenen mit Kindern, beziehen besonders oft Sozialhilfe, wenn die Eltern über keine Berufsausbildung verfügen. Bei über 52 Prozent aller Paare mit Kindern in der Sozialhilfe, verfügen beide Eltern lediglich über die obligatorische Schulausbildung. Bei 46 Prozent ist mindestens ein Elternteil, bei fast 20 Prozent sind beide Elternteile erwerbstätig.

SKOS-Monitoring: COVID-19 ist in der Sozialhilfe noch nicht zu spüren

Mithilfe eines Monitorings, an welchem sich der Kanton Glarus beteiligt, beobachtet die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) die Entwicklung der Fallzahlen in der wirtschaftlichen Sozialhilfe. Gesamtschweizerisch war in der Sozialhilfe zu Beginn der Coronavirus-Pandemie ein leichter Anstieg der Fallzahlen bemerkbar. Per Ende August 2020 sind die Fallzahlen praktisch wieder auf das Niveau des Durchschnittsmonats 2019 gesunken. In der Ostschweiz ist der Anstieg vernachlässigbar oder die Fallzahlen liegen gar leicht unter dem Durchschnittsmonat 2019. Eine Begründung für diese Entwicklung sieht die SKOS in den vorgelagerten Sozialwerken (Taggelder ALV, Kurzarbeit, COVID-19-Erwerbsersatz). Diese sorgen dafür, dass sich aktuell weniger Personen als im Durchschnitt der letzten Jahre bei der Sozialhilfe anmelden.

Der aktuelle leicht sinkende Trend bei der Sozialhilfe ist positiv. Es ist aber eindeutig zu früh für eine Entwarnung. Mittelfristig ist ein deutlicher Anstieg der Fallzahlen in der Sozialhilfe ein realistisches Szenario. Dies trifft dann zu, wenn die Coronavirus-Krise anhält und die vorgelagerten Sozialwerke ihre Leistungen einschränken.

Entwicklung der Sozialhilfequote

Die Sozialhilfequote bewegte sich in den Jahren 2008–2019 zwischen 1,8 und 2,2 Prozent. Im Jahr 2019 liegt sie bei 2 Prozent.

Entwicklung der Sozialhilfequote nach Nationalität

Die Sozialhilfequote der Ausländerinnen und Ausländer nahm von 2009 (4,9%) bis 2012 (3,4%) stetig ab, bevor sie 2013 (3,6%) und 2014 (3,8%) wieder leicht anstieg. Danach nahm die Quote deutlich ab, 2017 lag sie auf einem Tiefstand von 3,2 Prozent. In den Folgejahren stieg sie wieder leicht an. 2018 lag sie bei 3,5 Prozent, 2019 bei 3,9 Prozent. Die Sozialhilfequote der Schweizerinnen und Schweizerin bewegte sich in den letzten zehn Jahren zwischen 1,3 und 1,6 Prozent. 2018 stieg sie von 1,3 auf 1,4 Prozent und senkte sich 2019 wieder auf 1,3 Prozent.

Entwicklung der Erwerbssituation

Die Erwerbssituation von Personen in der Sozialhilfe zeigte zwischen 2008 und 2016 eine interessante Doppeltendenz auf: Der Anteil von Nichterwerbspersonen – also Personen, die zwar nicht arbeiten, aber auch nicht aktiv auf Stellensuche sind – sank. Gleichzeitig nahm der Anteil an Erwerbslosen – also Personen, die nach einer Stelle suchen und allenfalls auch beim RAV gemeldet sind – seit 2008 kontinuierlich zu. 2016 erreicht diese Bevölkerungsgruppe einen Höchststand von 38,8 Prozent. 2017 beobachtete man eine Gegentendenz mit einem sinkenden Anteil an Erwerbslosen und einem steigenden Anteil an Nichterwerbspersonen. Seit 2018 hebt sich diese Doppeltendenz auf. Für beide Gruppen nimmt der Anteil leicht ab und liegt 2019 bei 28,6 Prozent für Erwerbslose und 35,2 Prozent für Nichterwerbspersonen. Der Anteil von Sozialhilfebeziehenden, die einer Arbeit nachgehen, bewegt sich seit 2008 mit Schwankungen zwischen 22,4 und 31,8 Prozent. Seit 2015 nimmt dieser Anteil stetig zu und liegt 2019 bei 36,2 Prozent.

Entwicklung der Fallstruktur

Die Einpersonen-Fälle bilden auch 2019 die weitaus grösste Gruppe in der Sozialhilfe. Seit 2011 liegt der Anteil dieser Personen relativ stabil bei 70 Prozent. Der Anteil an Paaren mit Kindern nimmt tendenziell ab. 2008 lag er bei 12,7 Prozent, 2019 liegt er bei 7,7 Prozent. Der Anteil der Alleinerziehenden in der Sozialhilfe schwankt zwischen 14,0 und 17,4 Prozent. Aktuell liegt der Anteil bei 17,2 Prozent. Der Anteil an Paaren ohne Kinder schwankte seit 2008 zwischen 6,1 und 3,4 Prozent. Aktuell liegt er bei 3,4 Prozent.

Entwicklung der Altersstruktur

Die seit jeher grösste Altersgruppe, welche in der Sozialhilfe vertreten ist, sind Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre mit einem Anteil von 27,3 Prozent im Jahr 2019. Zwischen 2013 und 2016 verzeichnete der Anteil der 18- bis 25-Jährigen einen kontinuierlichen Rückgang. Seit 2017 konnte wieder ein leichter Anstieg beobachtet werden. 2019 sind 11 Prozent der Sozialhilfebeziehenden in dieser Altersgruppe. Der Anteil der 26- bis 35-Jährigen bewegte sich seit 2008 zwischen 14,4 und 18,3 Prozent. 2019 liegt er bei 18,2 Prozent. Der Anteil der 36- bis 45-Jährigen schwankt in den letzten zehn Jahren zwischen 13,9 und 17,3 Prozent. Die 46- bis 55-Jährigen nehmen 2012 (16%) bis 2016 (20,1%) proportional zu, danach kehrt sich der Trend um (2017: 18,2%, 2018: 17%, 2019: 15,5%). Der Anteil der 56- bis 64-Jährigen bewegte sich in den letzten zehn Jahren zwischen 9,3 und 12,3 Prozent und derjenige der über 65-Jährigen zwischen 0 und 2,8 Prozent.

Alimentenbevorschussung

Die Bezugsquote der Alimentenbevorschussung (ALBV) sank von 2010 bis 2018 von 1,13 auf 0,39 Prozent. Die aktuellsten Zahlen für das Jahr 2019 zeigen erstmals wieder eine leichte Zunahme auf 0,45 Prozent.

Schweizerische Sozialhilfestatistik

Die Schweizerische Sozialhilfestatistik (SHS) ist eine jährliche Datenerhebung, die vom Bundesamt für Statistik durchgeführt wird. Ziel der Statistik ist es, den Bestand und die Struktur der Bezügerinnen und Bezüger von wirtschaftlicher Sozialhilfe sowie von vorgelagerten bedarfsabhängigen Sozialleistungen in der Schweiz zu erfassen. Im Kanton Glarus liefern die Sozialen Dienste die Daten zu allen unterstützten Personen.