Spektakulärer Truppeneinsatz im Glarnerland

Seit Mittwoch und bis Freitag dauert im Glarnerland die Katastrophenübung „SOCCORSO OST 08“, an welcher sich der Kantonale Führungsstab, einzelne Gemeindeführungsstäbe, die Polizei, der Zivilschutz und die Feuerwehren mit einer durch heftige Regenfälle ausgelöste Katastrophensituation auseinander zu setzen haben - vor allem aber „1:1“, also absolut konkret, das militärische Katastrophenhilfebataillon 23 der Territorialregion 4, das in der Nacht zum Donnerstag aus dem Raum Ostschweiz mit Zentrum Herisau ins Glarnerland verlegt worden ist und mehrere konkrete Einsätze erfüllt.




Besonders spektakulär der ist der Bau einer massiven Stahlträgerbrücke im Gesamtgewicht von 70 Tonnen über den Escher-Kanal, parallel zur unteren Molliser Linthbrücke (beim gleichnamigen Restaurant). Hier steht die Bausappeur-Kompagnie unter dem Kommando von Hauptmann Roman Kocher im Einsatz.

Sie hatte bei unserem Augenschein am Donnerstagmittag bereits einige massive Holzpfeiler in den Boden gerammt und bereitete sich auf das Einrammen weiterer Pfeiler in den steinigen Flussboden vor. Auf der linken Uferseite waren die Vorbereitungen bereits so weit gediehen, dass die ersten Elemente der Fahrbahn eingebaut werden konnten. Die Brücke hat eine Tragkraft von 40 Tonnen.


Schwere Baumaschinen waren im Einsatz.


Wie Hauptmann Kocher ist der Bau dieser Brücke eine Riesenherausforderung, der er sich zusammen mit seinen Leuten aber offensichtlich gerne stellt. Er konnte ja nicht einfach drauflos baggern lassen, sondern musste z.B. auch auf allerhand Leitungen acht geben; ohnehin war zuerst ein eigentliches Projekt zu erstellen. Die Bauzeit dürfte rund 21 Stunden betragen. Spätestens um Mitternacht (auf den Freitag) soll die Brücke bereit sein. Man beobachtet natürlich auch ständig den Wasserstand des Escherkanals.

Ansprechpartner des Kantons

Die Information der Medien über die gesamte, vielfältige Übung, war umfassend. Am Donnerstagvormittag orientierte der Kommandant der Territorialregion 4, Divisionär Hans-Ulrich Solenthaler, über den wichtigen Stellenwert der militärischen Hilfe bei Katastrophenfällen, die auf Wunsch der Kanton geleistet wird. Die Territorialregion 4 umfasst den Raum des frühern Feldarmeekorps 4 mit den Kantonen Zürich, Thurgau, Schaffhausen, St. Gallen, beiden Appenzell und dazu noch Glarus. Es ist wegen des Kantons Zürich die einwohnermässig grösste Territorialregion. Weil der Gebirgskanton Glarus dazu gehört, stellen sich ganz besondere anspruchsvolle Aufgaben. Daher die Übung SOCCORSO einerseits als Stabsrahmenübung, anderseits als Volltruppenübung für das neu formierte Katastrophenhilfe-Bataillon 23, das rund 850 Mann stark ist, aufgeteilt in eine Stabskompagnie, drei Rettungskompagnien und eben die Bausappeur-Kompagnie.

Die Generalstabsoberst Peter Wullschleger, Chef Regie der Übung, ausführte, ist das Bataillon für die Brandbekämpfung ausgerüstet und ausgebildet, für die Ortung von Vermissten, für einfache Rettungen und für Bauten.

Das Motto für die Zusammenarbeit mit den Kanton lautete: „Gemeinsam in der Verantwortung - gemein sichern!“. Diesen Aspekt betonte auch der Chef des Kantonalen Führungsstabes, Landammann Robert Marti, der am Donnerstag Gast der Übungsleitung war.

Der Gesamtablauf der Übung

Die Übung SOCCORSO begann am Mittwoch unter der Annahme, dass schwerste Regenfälle in mehreren Gemeinden zu Erdrutschen, Strassenunterbrüchen und Beeinträchtigungen der Wasserversorgung geführt hätten. Es „gab“ auch mehrere Tote. In Glarus explodierten vier Zisternenwagen, die sich in Schwanden, wo von Sool her Wasser und Geschiebe kam, losgelöst hatten. Es gab Schwerverletzte und eine unbestimmte Zahl von Toten. Auch flog das Dach der Stadtkirche weg, und Riedern wurde von einem Bergsturz betroffen. Diese dramatische Lage schilderten Mitglieder des kantonalen Führungsstabes, den Stabschef Adrian Kleiner leitete, nämlich

Thomas Rast und Feuerwehrinspektor Josef Gisler sowie die Chefin des städtischen Führungsstabes, Gemeindepräsidentin Andrea R. Trümpy.

Der Führungsstab stellte bald einmal fest, dass die eigenen Kräfte, Feuerwehr und Zivilschutz, nicht ausreichten, so dass über Oberst Kurt Müller Klusman, Verbindungsoffizier der Territorialregion zum Führungsstab, die Armee um Hilfe ersucht werden musste. Es wurde der Vorbefehl das Katastrophenhilfe-Bataillon 23 erteilt, und man besprach mit dessen Kommandanten, Oberstleutnant im Generalstab Daniel Reimann, den Einsatz. Das Bataillon setzte sich um Mitternacht Richtung Glarnerland in Marsch. Der Truppeneinsatz wurde als umso notwendiger erachtet, weil man weitere Schadenereignisse befürchtete, die dann gemäss Übungsanlage auch eintrafen. Die Situation wurde insgesamt als „dynamisch“ beurteilt. Am Donnerstagvormittag musste Oberstleutnant Reimann neue Einsätze überlegen und alsdann befehlen.

Scharf beobachtet

Natürlich verfolgten Schiedsrichter mit weiss-roten Armbinden und Vertreter des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz den Übung: Sektionschef Martin Haller und Hildegard Weber, Instruktorin dieses Bundesamtes. Die Arbeit des Katastrophenhilfe-Bataillons 23 interessierte besonders, denn es handelt sich eben um einen neuen und neuartigen Verband in der Territorialregion 4, der auch in andern Regionen zum Einsatz kommen könnte.