Spital mit Minus kerngesund

Seit der Verselbstständigung per 1. Januar 2011 hat die Kantonsspital Glarus AG jedes Jahr schwarze Zahlen geschrieben. 2017 nimmt das Spital erstmals einen kleinen Verlust von einer halben Million Franken hin. Dank seinem hohem Eigenkapital und einer sicheren Liquidität ist das Spital jedoch kerngesund. Den Verlust federn die Gewinne der Vorjahre ab. Der Umsatz blieb mit etwas mehr als 84 Millionen Franken gegenüber dem Vorjahr stabil.




Mehr ambulante Behandlungen

4928 Fälle behandelte das Kantonsspital Glarus (KSGL) im Jahr 2017 stationär. Das sind rund 120 weniger als im Vorjahr, dafür stieg der Schweregrad der stationären Behandlungen. Demgegenüber wuchs im ambulanten Bereich die Leistungsmenge um 7,6% auf rund 14,5 Millionen Taxpunkte. Der allgemeine Trend «ambulant statt stationär» hat einerseits zu dieser Entwicklung beigetragen. Andererseits ist der ambulante Leistungszuwachs auch das Resultat einer stetigen Spezialisierung. Immer mehr Patientinnen und Patienten nehmen die Sprechstunden von Spezialisten am Kantonsspital in Anspruch.

Mehr Leistungen bei tieferen Preisen

Der Anstieg der Personalkosten bedingt durch Mehrleistungen, steigende Qualitätsanforderungen und zunehmenden administrativen Aufwand hält seit Jahren an und konnte 2017 nicht mehr mit steigenden Erträgen vollumfänglich aufgefangen werden. Dennoch erwirtschaftete das KSGL aus dem Betrieb einen Überschuss von 6,2 Millionen Franken, was einer EBITDA-Marge von 7,3% des Umsatzes entspricht. Das sind 1,6 Millionen Franken weniger als im Vorjahr. Mit den 7,3% liegt das Kantonsspital Glarus nach wie vor deutlich über dem Durchschnitt der Schweizer Spitäler. Dieser liegt im Jahr 2017 bei weniger als 6%. Der betriebliche Überschuss von 6,2 Millionen Franken deckt die Abschreibungen in der Höhe von 6,7 Millionen Franken nicht ganz. Es resultiert ein Verlust in der Höhe von 500 000 Franken. Zu diesem Ergebnis haben Tarifsenkungen beigetragen: Für ambulante Leistungen sank der Tarif innert zweier Jahre um 4,5%, sodass trotz deutlichen Mehrleistungen nur geringfügige Ertragszuwächse erzielt werden konnten. Die Reduktion der Kantonsgelder für gemeinwirtschaftliche Leistungen um 18% auf 4,5 Millionen seit 2016 hat das Ergebnis ebenfalls negativ beeinflusst.

Optimistisch für die Zukunft

In der Gesamtschau ist das KSGL wirtschaftlich kerngesund: Die Eigenkapitalquote von über 70% der Bilanzsumme und die hohe Liquidität von 15 Millionen Franken geben dem Spital einen starken wirtschaftlichen Rückhalt. «Dennoch müssen Massnahmen ergriffen werden, um langfristig wieder ein wirtschaftliches Gleichgewicht zu erreichen, denn die ambulanten Tarife werden weiter sinken und die Kantonsgelder für gemeinwirtschaftliche Leistungen 2018 und 2019 nochmals gekürzt», hält CEO Markus Hauser fest. Ein entsprechendes Projekt ist gestartet. Der Massnahmenkatalog sieht kurzfristige Ergebnisverbesserungen vor und setzt sowohl auf der Ertrags- wie auch auf der Kostenseite an. Bis das strukturelle Ungleichgewicht beseitigt werden kann, wird das Spital zwei bis drei Jahre Zeit brauchen.

Gesunde Grundversorgung

Der Gemeindepräsident von Glarus, Christian Marti, und einige Mitarbeitende sprechen im Geschäftsbericht 2017 über ihre Lieblingsorte im Kanton Glarus. Mit diesem Thema veranschaulicht das KSGL seine regionale Verwurzelung. Das Spital für die Glarner Bevölkerung leistet einen essenziellen Beitrag zu einer qualitativ guten Versorgung und übernimmt Verantwortung, wenn private Grundversorger an Grenzen stossen. So eröffnet das Spital 2018 beispielsweise eine Kinderarztpraxis. Es übernimmt die nächtlichen Notfälle, um die Hausärzte zu entlasten oder es hilft bei der Sicherstellung der medizinischen Versorgung in Glarus Süd mit. Dass die Glarner Bevölkerung das Engagement des Spitals schätzt, belegt der ausserordentlich hohe Marktanteil. Über 70% aller stationären Glarner Patienten lassen sich am Kantonsspital Glarus behandeln. Die im schweizweiten Vergleich überdurchschnittlich hohe Patientenzufriedenheit verdankt das Spital seinen rund 600 Mitarbeitenden. Sie sind rund um die Uhr wohnortnah für die Glarner Patientinnen und Patienten da.