Stadtkirche Glarus – Bewegend Konzertantes

Mit der Zusammenstellung eines attraktiv gegliederten Programms wurde unlängst zu einem Konzert in die Stadtkirche Glarus eingeladen. Viele Musikbegeisterte leisteten der Auskündigung Folge, das Mittelschiff war praktisch bis auf den letzten Platz besetzt. Es waren die Pavane op. 50 von Gabriel Fauré (1845 – 1924) für Orchester und «Cantique de Jeam Racine» für Chor und Orchester des gleichen Komponisten; Cantabile aus «Trois Pièces pour le Grand Orgue» von César Franck (1822 – 1890) und die Messe in D, op. 86 von Antonin Dvorak (1841 – 1904) angekündigt. In zuweilen beeindruckender Ganzheit, dann wieder instrumental wurde interpretiert.



Mit spürbar grosser Sorgfalt hatten Magdalena Mattenberger, musikalische Leiterin des Kirchenchors Ennenda, und David Kobel, Dirigent der Kantorei Niederurnen, ihren sehr fordernden Part, die Messe in D, eingeübt. Die Wiedergabe war eine Fülle von sehr bewegenden Emotionen mit tiefer Demut, Sehnen, Jubel, Anbetung, Glanz, Erflehen, Erlösung, Befreiendem und Belastendem. Die Sängerinnen und Sänger zeigte beeindruckend auf, dass sie sehr sorgsam zu gliedern wissen, dynamisch geschickt aufbauen, und zu einer Ganzheit werden, die grosse Anteilnahme zu wecken wusste. David Kobelt dirigierte sehr konzentriert, fordernd, mit spürbarer Ruhe, fern jeder Theatralik. Chor, das kraftvoll und einfühlend mitgestaltende Orchestra Animata und die Solisten Viviane Hasler (Sopran); Bettina Weder (Alt); Florian Glaus (Tenor) und Michael Jäger (Bass) nahmen die Intentionen mit grossem Können und gefühlvoll auf, setzten alles derart um, dass die Anteilnahme der Hinhörenden spürbar gross war.

Um Erbarmen wurde im einleitenden Kyrie gebetet. Die Ehre Gottes und der notwendige Friede auf Erden fanden Erwähnung, innig, kraftvoll. Im «Credo», dem längsten Satz der Messe, wechselten sich die Vorsängerin und der Chor ab. Im festlich-kraftvollen Amen klangen Licht und Frömmigkeit auf. Es beeindruckten die Wechsel zwischen Wucht, Kraft und ruhigem Verinnerlichen. Die Orchesterbegleitung war beim Aufklingen der Soli zuweilen leicht dominant, aber von stets grosser Intensität und Hingabe geprägt. «Gib uns Frieden», die sich dreimal wiederholende Bitte, war der bewegende Schluss dieser Messe, war auch Bitte, die alle Menschen unserer Erde hören und umsetzen sollten. Das «Agnus Dei» hat eine weltumspannende, stets aktuell bleibende Bedeutung. Es machte sich bei diesem Schluss Ergriffenheit und spürbare Ruhe breit, bevor der lange, verdiente Beifall Dank und Anerkennung bedeutete.

Vor dieser Messe durfte man sich mit drei eher kurzen Kompositionen von Fauré und Franck auf willkommene Weise einstimmen lassen. Die Orchesterleute stellten ihr hohes Können und die gegenseitige Abgestimmtheit vor, dem leicht melancholischen, von grosser Ruhe erfüllten Beginn schlossen sich zuweilen wuchtige, stets stimmungsvolle Momente an. Man vermeinte Rufen und Neugierde zu vernehmen. Die «Cantique de Jean Racine» für Chor und Orchester war richtig adrett, verspielt, von Sehnsucht, dann wieder von kurzen, markanten Momenten erfüllt.

Die Organistin Lara Schaffner zeigte mit dem von César Franck komponierten Cantabile auf, wie innig, ruhig, zuweilen gar geheimnisvoll ihr spielerischer Ausdrucksreichtum ist. Man genoss das kurzzeitige Verharren, Umspielen der feinen Oberstimme und den Reichtum der Orgel. In anderen Teilen des Konzerts begleitete Lara Schaffner mit stets gebührender Zurückhaltung.

Die Reichhaltigkeit war faszinierend, wechselvoll, innig – dank riesig sorgsamem Einstudieren und Interpretieren.