In jedem Menschen schlummern seit Anbeginn die vielfältigsten Begabungen, die durch die Eltern im Verlauf der verschiedenen Entwicklungsphasen geweckt werden könnten. Schon früh zeige sich beispielsweise, dass ein Kind laufen lerne während die Sprechfähigkeit dem Alter entsprechend noch eher gering sei oder auch umgekehrt. Intuitiv würde dies positiv durch die Eltern gewürdigt, im Vertrauen darauf, dass die noch eher schwächer ausgebildeten Fähigkeiten sich - „wenn es Zeit ist“ – auf natürliche Weise entfalten.
Dass diese Gelassenheit der Eltern mit dem Schuleintritt des Kindes sich verflüchtigen könne, zeige in unserer leistungsorientiert ausgerichteten Gesellschaft, wie gross der Druck auf ein Kind wie auch Eltern sein könne, wenn die Lernfähigkeit eines Kindes nicht einer „Norm“ entspräche. So erfahre diese bisher selbstverständliche, positive Beachtung schlagartig eine Negativsicht auf ein Kind.
Immer wieder ergäbe sich für Eltern wie auch Lehrpersonen daraus die schwierige Situation, dass die Schwäche eines Kindes in einem schulischen Hauptfach oftmals in einen fast unentwirrbaren Teufelskreis münde. Im schlimmsten aller Fälle könne dies dazu führen, dass das gesamte Umfeld eines Kindes sich nur noch auf dessen Schwäche fokussiere. Das Leiden eines Kindes darunter könne bewirken, dass sein Selbstwertgefühl geschwächt und bis zu ernsthaften körperlichen oder psychischen Erkrankungen führe. Wie dieser Teufelskreis durchbrochen werden könne, dies zeigte Cristina Wüthrich nach einer kurzen Pause in eindrückliche Weise auf.
Die Positiv-Brille aufsetzen
Durch die Verminderung der Sicht auf die Schwächen eines Kindes und das vermehrte Beachten seiner Stärken sei es möglich, ein gesundes Gleichgewicht herzustellen. In einer positiv ausgerichteten Begleitung eines Kindes durch die Eltern in dieser schwierigen familiären Situation, könne eine Entlastung für alle bewirkt werden. Im besten Fall führe es dazu, dass das Kind seine offensichtlichen Schwächen neben all den Stärken ebenso als zu ihm gehörend anerkennen dürfe und sich zu einer mit viel Selbstsicherheit versehenen Persönlichkeit entwickeln könne.
Es sei all den Kindern, ihren Eltern und dem ganzen Umfeld zu wünschen, dass die Sicht auf die Schwächen eines Kindes vermindert würde durch vermehrte Beachtung und auch Würdigung der Stärken, die in jedem Kind angelegt seien, schloss die sympathische Referentin ihren eindrücklichen Vortrag.
Letzter Vortrag vor den Sommerferien:
Donnerstag, 5. Juni 2008, 20.00 Uhr, im Soldenhofsaal der Landesbibliothek, Glarus
Thema: „Trotz und Agression beim Kleinkind“ mit Brigitte Saurenmann, u.a. Erziehungsberaterin und Paar- und Familientherapeutin




