Starbugs in Schwanden – hochgradig toll

Das war schon eine verrückt – entrückte, vom Kulturverein Glarus Süd organisierte Sache, die am vergangenen Samstagabend im Gemeindezentrum Schwanden – praktisch bis auf den letzten Platz besetzt – angeboten war. Starbugs – das hatte sich offenbar herumgesprochen – bergen in sich eine Mischung an Tänzerischem, Klamaukigem, Spielwitz, artistischem Geschick, Rumalbern, beneidenswerter Abgestimmtheit, Situationskomik, Gestaltungsreichtum der Spitzenklasse und ansteckender Fröhlichkeit.



Und was Fabian Berger, Martin Burtscher und Wassilis Reigel wirklich auszeichnet, ist die Tatsache,dass sie nie in Primitives, Dümmliches oder Verletzendes abgleiten, dass sie mit einer erfüllenden Beseeltheit auftreten. Dazu kommt die aufs Ausgestalten enorm präzis abgestimmte Technik. Da stimmen alle zusammengehängten Melodien, die Vielfalt der Geräusche, die Sanftheit, dann wieder das drohende, gebieterische demütige, einschmeichelnde Einblenden von Tierstimmen, Rufen oder Befehlen. Nichts bleibt dem Zufall überlassen.

In zuweilen rasantem Tempo reiht sich ein Erlebnis ans andere. Nur schon die Einstimmung bereitet entsprechend vor. Ab Off wird man nachhaltigst gebeten, sich für einmal den Luxus der Unerreichbarkeit zu leisten, im Klartext: Handy bitte abschalten. Dann werden Geburtstage, sportliche Erfolge und anderes angeküdigt. Wer weiss, was da wirklich stimmt !

Kinder werden dringendst gebeten, jene Kunststücke, die auf der Bühne gezeigt werden, nicht in den eigenen vier Wänden, sondern in der Schule nachzuahmen. Es sei übriges die vierte Show in Schwanden, die zweite und dritte würden bald mal gezeigt. Charmanterweise wird das Schwandner Publikum als einzigartig, bestens  aussehend und ungemein intelligent dargestellt. Wer könnte diesen Komplimenten  widerstehen ?

Dann kreuzen drei Fallschirmspringer auf, Es wird gewippt, getanzt, verrenkt, gekugelt. Das farbige Auf und Ab muss man gesehen haben. Es gibt kleine Kämpfe mit dem umhüllenden Stoff. Bis da alles im Lot ist, dauert es seine Zeit. Hello, it `s me, in rassigem Tempo möchte jeder der drei Bühnenerfahrenen auf dem Podest – natürlich zuoberst – stehen. Da wird gewinkt, gedeutet, gezeigt, weggeschickt, alles riesig gut und bühnenwirksam getimt. Es sind kleine Zaubereien eingestreut, nach jeder Kurznummer wirbeln Konfettis in bescheidenen, aber natürlich deutlich sichtbaren Portionen durch die Luft. Also Szenenapplaus, und weiter geht `s. Mal erklingen bekannteste Filmmelodien, dann wieder ansatzweisezum Weinen führende Lieder. Die Gefühlswelt wird auf verrückt getrimmt. Und was sich mit Pingpong – Bällen, Staubsaugerrohren und Kabelfülle so alles bewerkstelligen lässt, erfährt man im Verlaufe munterster Bühnensequenzen. Dass beispielsweise ein Staubsauger die Bühne partout nicht zu verlassen  gedenkt, dass sich deshalb bei den wirbligen, mit spürbarer Freude agierenden Männern Verzweiflung und Frust bemerkbar machen, ist nachvollziehbar. Und aus eigentlich harmonisch Aufgegleistem kann sich urplötzlich Dramatisches mit Knall, Stichflammen und gewaltige Potenzial an Action ergeben. Man landet kurzzeitig im weiten wilden Westen, wo Cops den Haarfön  als Colt gebrauchen, stilvoll aus dem Halfter ziehend. Vor und rückwärts bewegen sie sich auf der elektrisch betriebenen Rollen. Kurzzeitig badet der Langhaarige in fiktiven Wellen, sieht sich vom Hai bedroht. Daraus wächst eine veritable fernöstliche Nummer, voller Heiterkeit, Rasanz, angedeutetem Kampf. Das ist riesig originell, schafft enorme Stimmungen. In Japan lässt sich problemlos Salsa tanzen oder einhersteppen.

Nicht ganz klug wird man wegen der Trump – Nummer. Ist es eine Hommage an den grossen Präsidenten ennet eines Weltmeers oder aus Sicht der Starbugs mit ihrer Regisseurin Nadia Sieger eher das lustvolle und artistische Hüpfen und Springen auf dem Minitrampolin.

Zugaben folgen, lange und nochmals unterhaltsame Nummern. Rock n Roll, wegen fehlenden Partnerinnen mit aufblasbaren Gummipuppen samt höchst schicksalsschwangerer Problematik für einen der drei Comedians – seine Puppe macht zuerst mal nicht mit, beim Aufblasen zerfällt sie in Fetzen. Es kommt dann ein ganz festes Gebilde, das sich dem heftigen Tanz ergeben muss.

Und nach einem ergreifenden Liebeslied ist dann wirklich Schluss – liebenswürdig grosszügig waren die Zugaben.