Stellenmeldepflicht: Glarner Gastro- und Baubranche sind besonders gefordert

Ab dem 1. Juli 2018 sind Arbeitgeber verpflichtet, Stellen in Berufsarten mit mindestens 8 Prozent Arbeitslosigkeit dem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum RAV zu melden. Zudem wird am 1. Oktober die Meldepflicht für Vorläufig Aufgenommene und anerkannte Flüchtlinge eingeführt. Der Kanton Glarus strebt einen effizienten und wirkungsvollen Vollzug an.




Am 9. Februar 2014 haben Volk und Stände die eidgenössische Volksinitiative «Gegen Masseneinwanderung» (MEI) angenommen. Wichtigster Pfeiler der MEI-Umsetzung ist der Stellensuchendenvorrang und die damit verbundene Stellenmeldepflicht (STMP): Ab dem 1. Juli 2018 sind Arbeitgeber verpflichtet, Stellen in Berufsarten mit mindestens 8 Prozent Arbeitslosigkeit zu melden.

Einführung Stellenmeldepflicht per 1. Juli 2018

Die Arbeitgeber sind verpflichtet, ab dem 1. Juli 2018 bestimmte offene Stellen dem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zu melden. Von dieser Stellenmeldepflicht (STMP) betroffen sind Berufsarten, deren Arbeitslosigkeit schweizweit über 8% liegt. Ab dem 1. Januar 2020 wird dieser Schwellenwert auf 5% reduziert.

Das Seco stellt eine elektronische Lösung zur Verfügung: Unter www.arbeit.swiss müssen die Arbeitgeber meldepflichtige offene Stellen melden. Sie können auf der Plattform aber auch direkt Personal suchen. Für den Zugriff auf die entsprechenden Daten ist eine Registrierung der Arbeitgeber und der Stellensuchenden notwendig. Stellensuchende erhalten ihre Benutzerangaben im Rahmen der RAV-Anmeldung. Für Arbeitgeber wird die Anmeldung ab dem 1. Juli 2018 verfügbar sein. Eine Liste der meldepflichtigen Berufe, Broschüren und gesetzliche Grundlagen sowie ein informatives Erklärvideo sind ebenfalls auf dem Webportal www.arbeit.swiss zu finden.

Das Gast- und Baugewerbe sind besonders gefordert

Das Amt für Wirtschaft und Arbeit erwartet, dass im Kanton Glarus insbesondere das Gast- und das Baugewerbe mit der STMP konfrontiert werden. In diesen Branchen ist die Arbeitslosigkeit besonders hoch. Auch die Landwirtschaft und gewisse Berufsarten im Baunebengewerbe (Bsp. Gipser, Isolierer usw.) sind betroffen. Ebenso hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) präzisiert: Jede Saisonstelle ist zu melden.

Ausnahmen von der STMP gelten, wenn die Beschäftigung maximal 14 Tage dauert, wenn die Stellen direkt durch Stellensuchende besetzt werden, die bei einem RAV gemeldet sind oder wenn die Stellen innerhalb eines Unternehmens besetzt werden. Ebenso ein Spezialfall sind Stellenbesetzungen innerhalb der Familie.

RAV-Spezialisten nehmen eine Vorauswahl vor

Für den Vollzug der STMP ist primär das RAV zuständig. Es bildet die Schnittstelle zwischen Arbeitgeber und Stellensuchenden. Nach der erfolgten Stellenmeldung (elektronisch via www.arbeit.swiss) erhält der Arbeitgeber innerhalb von rund drei Arbeitstagen – vorselektioniert durch die Spezialisten des RAV – passende Dossiers von Stellensuchenden. Diese muss der Arbeitgeber prüfen und danach das RAV über den Entscheid informieren. Sollte auf diesem Weg keine passende Person gefunden werden, kann die offene Stelle nach einer Frist von fünf Tagen öffentlich ausgeschrieben werden. Stellensuchende, die bei einem RAV gemeldet sind, können sich innerhalb dieser Fünftage-Frist selbstständig bei Arbeitgebern bewerben und erhalten damit einen zeitlichen Vorsprung. Ebenso können Arbeitgeber auf dem Webportal selbstständig nach geeigneten Kandidaten Ausschau halten.

Einführung Meldepflicht für VA/Flü per 1. Oktober 2018

Ab dem 1. Oktober 2018 ist für Vorläufig-Aufgenommene (VA) und anerkannte Flüchtlinge (Flü) keine Arbeitsbewilligung mehr notwendig. Diese Änderung ist ebenfalls Teil der MEI-Umsetzung. Neu ist der Arbeitgeber aber verpflichtet, die Aufnahme und Beendigung sowie den Stellenwechsel von VA/Flü der Arbeitsmarktbehörde vorher schriftlich mitzuteilen. Im Rahmen dieser Meldung muss zudem eine Erklärung abgeben werden, dass die orts-, berufs- und branchenüblichen Lohn- sowie die Arbeitsbedingungen bekannt sind und eingehalten werden. Diese Meldung entbindet nicht von der STMP – falls die zu besetzende Stelle darunterfällt – gegenüber dem RAV. Ein entsprechendes Meldeformular VA/Flü wird ab dem 1. Oktober 2018 auf der Website des Kantons, unter www.gl.ch, aufgeschaltet. Eingereicht wird das ausgefüllte Formular elektronisch an: mv-flue@gl.ch

Für das Meldeverfahren für Flüchtlinge und Vorläufig-Aufgenommene (ab 1. Oktober 2018) ist das Inspektorat Arbeitsmarkt in Zusammenarbeit mit dem Amt für Migration sowie den Sozialbehörden zuständig.

Das Amt für Wirtschaft und Arbeit strebt einen effizienten und wirkungsvollen Vollzug der MEI auf Kantonsebene an. Der Aufwand für alle involvierten Parteien soll möglichst geringgehalten werden.

wichtiger Link

>> www.arbeit.swiss

Tiefe Arbeitslosigkeit im Glarnerland

Derzeit (Stand Mai 2018) befindet sich die Arbeitslosigkeit des Kantons Glarus auf einem Tiefstand von 354 Arbeitslosen bzw. 666 Stellensuchenden. Dies entspricht einer Arbeitslosenquote von 1,6%. Der Schweizer Durchschnitt liegt bei 2,4%. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit geht davon aus, dass im Kanton Glarus bei einer Quote von 1,2 bis 1,4% der Sockel erreicht wird. Dies deutet darauf hin, dass der Arbeitsmarkt im Glarnerland nahezu abgeschöpft ist. Inwiefern die Stellenmeldepflicht STMP die Sockelarbeitslosigkeit dennoch nach unten zu drücken vermag, ist unklar.