Stellungnahme der Grünen zum Glaruspark Mollis

Seit kurzem liegt bei der Gemeindeverwaltung Mollis der Ueberbauungsplan und der Umweltverträglichkeitsbericht zum geplanten Einkaufszentrum Glaruspark auf. Vorstand und Fraktion der Grünen nehmen nun wie folgt Stellung zum Projekt



Positiv zu bewerten ist, dass die Bauherrin ECE vorsieht, während einer dreijährigen Versuchsphase zwei Buslinien mit einer Million Franken mitzufinanzieren. Diese Buslinien sollen den Glaruspark mit den benachbarten Glarner Gemeinden und mit Ziegelbrücke verbinden. Nötig wäre dazu die Anschaffung eines neuen Gasbusses. Zudem sind insgesamt 50 Veloparkplätze vorgesehen und die 1700 Parkplätze in zwei Parkhäusern sollten vom zweiten Betriebsjahr an bewirtschaftet werden. Das Gebäude soll nach Minergie-Standard gebaut werden.

Keine Einsprachen von WWF und VCS

Bereits im November 2005 hatte die Grüne Landratsfraktion vom Regierungsrat in einer Interpellation Auskunft verlangt zu den Themen Richtplaneintrag, Versorgungslage der Standortgemeinden und des Kantons sowie zur Verkehrszunahme. In seiner Antwort verwies der Regierungsrat auf weitere Detailprüfungen und auf das Baubewilligungsverfahren. Wie der Presse mittlerweile entnommen werden konnte, werden weder der WWF noch der VCS Glarus Einsprache gegen das Projekt erheben . Offen ist, ob der VCS Schweiz die gesetzlichen Grundlagen als eingehalten beurteilt. Dafür haben sich nun mehrheitlich Einwohnerinnen und Einwohner von Weesen, aber auch aus anderen Gemeinden, in einer Petition gegen das Projekt gewendet. Einspracheberechtigt wären zudem die betroffenen politischen Gemeinden, also Mollis und Weesen.

An Samstagen bis zu 8.500 Fahrzeugen aus beiden Richtungen

Die Grünen lehnen Einkaufszentren auf der „grünen Wiese“ grundsätzlich ab, denn sie erzeugen Mehrverkehr und beeinträchtigen die Lebensqualität der nahgelegenen Dörfer und im vorliegenden Fall auch jene eines Naherholungsgebietes. Gemäss Umweltverträglichkeitsbericht wird mit einem Verkehrsaufkommen bei der Autobahnausfahrt Weesen an Samstagen von ca. 8’500 Fahrzeugen pro Richtung zu rechnen sein, was einem jährlichen Gesamtzielverkehr von ca. 2,5 Mio Fahrzeugen entsprechen soll. Zudem stellt sich die Frage, ob es (langfristig) volkswirtschaftlich sinnvoll und klug ist, ein Einkaufszentrum , das 29'300 m2 Nettoverkaufsfläche aufweist (Gesamtverkaufsfläche des Detailhandels im Kanton im Vergleich dazu: 40'800 m2) am Kantonsrand zu unterstützen.

Werbewirksamkeit eher bescheiden

Die Euphorie weiter Kreise gegenüber dem Projekt können die Grünen des Kantons Glarus daher nicht teilen. Wie die Standortbeurteilung der Firma Homberger vom Februar 2006 aufzeigt, „darf nicht erwartet werden, dass an einem Autobahn-Standort in einer ländlichen Region mit öffentlichen Verkehrsmitteln eingekauft wird“; zudem ist die Versorgungssicherheit heute „sowohl im Kanton Glarus, als auch in der Linthebene gewährleistet. Ein Einkaufszentrum wäre daher zu einem grossen Teil auf die touristischen und die Durchfahrtspotentiale angewiesen.“ Diese Potentiale seien eher bescheiden. Daher wäre auch die Werbewirksamkeit für Glarner Produkte und Dienstleistungen, die im Zentrum angeboten würden „eher bescheiden“. Dafür würden sich die Einkaufsgewohnheiten der Konsumentinnen und Konsumenten im Kanton ändern; nicht nur die Geschäfte des periodischen Bedarfs im Hauptort, sondern auch die mittleren Zentren wie Glärnischcenter und Wiggispark kämen unter Druck. Ähnlich wie sich nach dem Bau des Glärnischcenter die Einkaufsaktivitäten von der Hauptstrasse ins Bahnhofareal Glarus verschoben haben, würden sich – vor allem am Samstag – die Aktivitäten in den Glaruspark verschieben; die Stadt Glarus würde an Attraktivität ebenso verlieren wie der Wiggispark oder die erst geplanten regionalen kleinen Einkaufzentren (z.B. Näfels).

Noch stärker in ihrer Existenz bedroht als bisher würden die kleinen Detail- und Dorfläden im Kanton Glarus. Auf diese Läden angewiesen sind aber viele Leute, die wegen ihres Alters oder sonst eingeschränkter Mobilität nicht in ein Einkaufszentrum reisen können, welches bis zu 30 km entfernt ist. Es ist zudem vorauszusehen, dass der Gewinn an Arbeitsplätzen im Glaruspark einhergehen würde mit dem Verlust vieler Arbeitsplätze im hinteren Kantonsteil. Genau dort fehlen sie aber am dringendsten.

Die Grünen des Kantons Glarus warten auf die angekündigten Detailabklärungen des Regierungsrates betreffend Richtplaneintrag und Frage der Versorgungssicherheit und verfolgen die weitere Entwicklung des Projektes kritisch.