Stiftungen: Stiftung «Gartenflügel» – Kultur, Unterstützung, Galerie

Die Stiftung «Gartenflügel» an der Spinnereistrasse in Ziegelbrücke wurde am 20. Dezember 1996 aus dem Nachlass von Caspar und Elisabeth Jenny-Müller und zu deren Gedenken errichtet. Gemäss Statuten bezweckt die Stiftung generell die Förderung (inter)kulturellen Schaffens aller Bereiche, wobei auch wissenschaftliche, entwicklungspolitische und soziale Anliegen nicht ausgeschlossen sind. Gemäss Zweckbestimmung können Beiträge an Personen und Institutionen in der Schweiz und im Ausland ausgerichtet werden.




Ganz besonders zu erwähnen ist der Betrieb des «Gartenflügels» in Ziegelbrücke als Galerie und kulturelles Forum – solange diese Räume oder allenfalls ein Ersatz, zur Verfügung stehen und im Rahmen des Stiftungszwecks benützt werden. Dazu gehören über viele Jahre hinweg Ausstellungen und andere kulturelle Veranstaltungen (Konzerte, Theater, Vorträge) und Projekte. Kulturelle Organisationen aus dem In- und Ausland, Kulturschaffende, Projekte von dritter Seite sind oft in den Genuss solcher Unterstützungen gekommen. Damit wurden wertvolle Begegnungen und nicht selten ein intensiver Gedankenaustausch über viele Grenzen hinweg möglich. Verständnis und Anteilnahme wurden ebenso geweckt, wie das Verständnis zwischen ganz verschiedenen Kulturen. Und im Rahmen des jeweils Möglichen kam es zu sinnrichtigem Unterstützen sozialer Projekte wie seit Jahren einer Schule im tibetischsprachigen Mustangtals Nepals.

Ruth und Robert Jenny aus Weesen sind Gründer und Betreiber der Stiftung. Uneigennützig und in wertvoller Weise setzen sie sich fürs jeweils gute Gelingen ein.

Gedacht sei dabei vor allem an die Vielzahl der im «Gartenflügel» seit April 2003 angebotenen Ausstellungen. Es dürften wohl um die 90 gewesen sein. Mit der jeweiligen Titelgebung wurde – bewusst oder unbewusst – auf die Vielfalt des Stiftungszwecks hingewiesen.«Tingatinga» von Helvetas und «Offenes Glarus – offene Welt für junge Glarner Künstler» standen am Anfang. «Ich muss malen» war einst Bekenntnis von Dany Jungkind und Rahel Opprecht. Manuel Bauer machte mit «Unterwegs für den Frieden» auf Nepal und Tibet aufmerksam. «Hinterland-Homeland» – damit befasste sich Ulrich Bruppacher. Im Mai 2009 und weiteren Jahren waren Einstimmungen zur Musikwoche in Braunwald offeriert. Robert Jenny und Manuel Bauer machten auf «Lo-Manthang, Königsstadt im Himalaja» aufmerksam. Es referierte einst Jakob Kellenberger, ehemaliger IKRK-Präsident. Fridolin Walcher vermittelte den «Lokalen Blick auf eine globalisierte Welt». Vertraut gemacht wurde man mit den «Späten Arbeiten einer Bauhausschülerin». Die Botschafterin Heidi Tagliavini äusserte sich zum Thema «Brennpunkt Kaukasus». Später führten ein Konzert samt Film nach Bhutan. Man lernte mit Bewunderung Mandalas mit Lama Ngawang kennen.

Ein derartiges Aufzählen ist und bleibt lückenhaft, soll aber unbedingt aufzeigen, wie vielfältig und weltoffen die Verantwortlichen der Stiftung tätig sind.

Es ist so begrüssenswert, dass ein stets weltoffenes Begegnen möglich gewesen ist – bis zum 10. Juni dieses Jahres – als die Galerie schloss, als der «Versuch eines Dialogs zwischen Trouvaillen aus dem Fundus des Galeristen» und des «Artist in Residence», Joseph Egan und der Wehmut hervorrufenden Finissage mit den Sam Singers unabänderliche Tatsache geworden war. Bald wird eine Privatschule mit der Bezeichnung «LernRaum» eröffnet – inmitten eines kulturellen Geistes, der sich sesshaft gemacht hat und die Gemäuer nicht zu verlassen gedenkt.

Geschichtliches

Der «Gartenflügel» ist eine Villa, die um 1912 ein früheres bescheideneres Fabrikantenwohnhaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts ersetzte. Die teils sehr grossen Räume des länger unbewohnten Gebäudes wollten nicht mehr richtig zum heutigen Wohnstil passen, weshalb eine neue Zweckbestimmung gesucht und gefunden wurde. Ein Teil wurde beim Umbau 1994 in Büros umfunktioniert. Ein Nebenflügel, umgeben von altehrwürdigen Bäumen, lud geradezu zu einer kulturellen Nutzung ein. Eine Idee, die eine Flut verschiedenster kultureller Begegnungen auslösen sollte. Die Küche wurde zur Galerie. Mit dem Durchbruch einer Wand entstand Raum für Kunstausstellungen, aber auch Vorträge, Lesungen oder Kammermusik. Für rund 80 Sitzplätze war damit Raum geschaffen worden. Der Dachboden – auf dem einst Vorfenster gelagert wurden – erwies sich als Ort des ganz besonderen Verweilens.

Und jetzt?

Über all die Jahre hinweg war der «Gartenflügel» so etwas wie eine Schatztruhe der Kultur, war nie Konkurrent der grossen Begegnungsstätten. Er bot ein ganz besonderes Begegnen an, mit willkommener Ruhe, Beharrlichkeit und packender Nähe zur Kultur, bestach durch Gastfreundschaft, Offenheit und begrüssenswerter Vielfalt.

Es ist angebracht, Ruth und Robert Jenny und den stets uneigennützig und sorgsam Mithelfenden ganz herzlich zu danken. Nicht Selbstverständliches ist Tatsache geworden, wuchs zu begrüssenswertem, facettenreichem Leben.