Subbässe und Widderchen

Der eine mixte tiefe Bässe, der andere jagte flüchtige Falter, doch beide gehören zu den 55 Schülerinnen und Schülern der Kantonsschule Glarus, die am Mittwoch, 8. Januar, von 16.00 bis 21.00 Uhr ihre Maturaarbeiten der Öffentlichkeit präsentierten. Der erstaunliche Bilderbogen von Forschungsthemen beweist: Das junge Glarus ist bereit für die Welt der Wissenschaft.



Wenn Marcos Vinicius de Azevedo Camargo Milanez im Musikzimmer seinen Mitschülerinnen erklärt, wie er auf seinem Antares-Mischcomputer Hi-Hats und Subbässe zu einem Deutsch-Cloud-Rap zusammenmixte, verstehen die meisten wohl nur Bahnhof. Denn diese Musikrichtung gibt es erst seit 2013. De Azevedo liess sich von Bekannten eine Liste mit jeweils zehn Cloud-Rap-Titeln geben und mischte daraus sein eigenes Werk, das nicht veröffentlicht wird und keinen Titel hat. Den Text habe er, so de Azevedo, in unter zehn Minuten aus Schlüsselwörtern generiert, die er dann mit von Autotune veränderter Stimme sprechsingt. Das Resultat war übrigens – so jedenfalls lässt der Applaus vermuten – durchaus ansprechend, ein bisschen wie Stereo Luchs auf Nonsense-Tournee. Wissenschaft ist das nicht gerade, aber dafür mit feinem Ohr gemixt.

Wissenschaftlich

Ganz anders machte sich Roman Dirnberger ans Werk. Er legte sich bei seinem Feldversuch im Unterwallis während der Sommerferien 2019 sechs Wochen lang auf die Lauer und erforschte, ob verschiedene Schmetterlingsarten, etwa das Widderchen, der Dukatenfalter und der Bläuling – Vorlieben für verschiedene Blüten haben. Und tatsächlich: Während sich der Dukatenfalter an jenen Blüten nährt, wo der Nektar oberflächlich zu haben ist, zieht der Baumweissling Kleearten vor, wo der Nektar aus der Tiefe geschlürft werden muss. Des Rätsels Lösung: Der Rüssel des Baumweisslings ist zweieinhalb mal länger als der des Dukatenfalters. Man glaubt Dirnberger, wenn er sagt, dass es in diesem Bereich noch vieles zu erforschen gäbe.

Aktuell

Manche Untersuchungen – etwa jene von Levi Egli zur Mentalen Stärke im Fussball – legten Defizite offen: So werde in diesem Sport zwar die physische und die technische Leistungsfähigkeit gezielt gesteigert, Mentaltraining habe aber noch ein stiefmütterliches Dasein. Andere betrafen 80 Millionen Europäer – etwa jene von Kaj Weibel zum Placeboeffekt von Koffein. Manche waren von geradezu brennender Aktualität. Laut der Untersuchung von Leonie Della Casa schneiden Glarner Familien bei der CO2-Bilanz ihres Nahrungsmittelkonsums besser ab als der Schweizer Durchschnitt. Und eine noch grössere Verbesserung liesse sich erreichen durch saisonal, regional, bio, weniger stark verarbeitete Produkte und weniger tierische Produkte. Rektor Peter Aebli war so begeistert, dass er Della Casa gleich ein Beraterinnenmandat für die Umstellung des Mensa-Menüplans anbot. Andere dagegen, etwa Bettina Radamonti, wurden sozusagen während des Vortrages von den Aktualitäten überholt. Sie sprach noch über die stabilisierende Wirkung der britischen Monarchie, da hatten Meghan und Harry schon ihren Rückzieher bekanntgegeben.

Handfest

Besonders schön waren jene Untersuchungen, wo zum Schluss Handfestes herausschaute: Etwa das lange Baumwollkleid mit Schneppentaille von Anna Anrig oder das selbstgebastelte und -geschriebene Bilderbuch «Gaudi» von Jessica Phrakousonh. Aber beeindruckend waren vor allem die schätzungsweise 550 Seiten aller Arbeiten zusammen, die von Astronomie bis Zoologie so ziemlich alles vereinen, worüber man vernünftig forschen kann.