Südkoreanisch-Glarnerischer Krawattentausch am Rand der Landsgemeinde

Dass die Glarner Landsgemeinde nicht nur als höchste Instanz im Kanton Glarus, sondern auch als politisches Instrument weltweit Aufmerksamkeit erregt, zieht Interessierte aus aller Welt an. So auch die Parlamentarier-Gruppe aus Gyeonggi-do, einer Provinz rund 50 km nördlich der südkoreanischen Hauptstadt Seoul.




Ein Riesenzufall war es, dass auch die Vize-Konsulin der Schweizer Botschaft in Südkorea, Esther Mächler-Murer und ihr Gemahl, der bei uns nicht unbekannte Schriftsteller Martin C. Mächler-Murer dem Landsgemeindering zustrebten. Wir waren ins Gespräch vertieft, als Esther Mächler plötzlich verblüfft meinte: «Sieh da, da sind ja meine «Landsleute»! Und gleich gab es ein Riesenhallo. Sogleich verwickelte sie uns ins Gespräch mit dem Reiseleiter und Dolmetscher Deokju Koh, der seit 30 Jahren in Deutschland lebt. «We säi-p-ä-n-uff südkoreanisch Grüäzi?» wollte ich von Martin Mächler wissen: «An-nyeong-ha-se-yo!»! Auf meine kläglichen Versuche, die Gäste aus Fernost so anzusprechen, reagierte die ganze Gruppe sofort mit Händefalten und freundlichem Nicken und Murmeln.

Die Damen und Herren aus Südkorea waren auf Europareise und wollten auch die Glarner Landsgemeinde kennen lernen. Es kam zu einem fröhlichen Hickhack mit den mit Handy- und Fotokameras ausgerüsteten, sympathischen und sehr wissbegierigen Parlamentarierinnen und Parlamentariern. Spontan überreichte mir eine Dame eine Krawattenschachtel mit der Aufschrift «Gwangju City». Die zugehörige Krawatte trug der Parlamentsvorsitzende Jeon-Jin Seok. Kurzerhand löste er den Knoten und überreichte sie mir als Geschenk. Eine solch freundliche Geste konnte ich nur erwidern, indem ich meine «Fridolins»-Krawatte auszog und ihm als Landsgemeinde-Andenken schenkte. Jeon-Jin Seok knüpfte sofort und gekonnt den Krawattenknopf, ich tat ihm gleich. So fand am Rand der Landsgemeinde ein herzlicher Austausch der blauen, mit feinstem Ginko-Blättermuster gegen die tiefrote fridolinsübersäte Glarner Krawatte statt, nicht ohne Erklärung, was für eine Bedeutung der Sant Fridli für uns und unseren Kanton habe.

Mit einem – wieder eingeflüsterten – «kamsahamnida!» und «ga-seyo» oder eben «Tanggä viilmal!» und «chänd meh züänis!» wandten wir uns wieder der Landsgemeinde zu.