So mancher Musikliebhaber wird sich vor ein paar Wochen verwundert die Augen gerieben haben, als durch den Veranstalter „Soundzgood“ bekannt wurde, dass die deutsche Combo „Jazzkantine“ am 8. November den Holästei beglücken würde. Anlass zu dieser europaweiten Konzertreihe gibt der neue Longplayer „Hell’s Kitchen“, welcher seit ein paar Wochen auf dem Markt ist.
Die Jazzkantine: Was gemixt werden kann, wird gemixt
Im Rahmen der amerikanisierten HipHop-Welle in Europa erregte anfangs der 90er-Jahre eine deutsche Band musikalisches Aufsehen: Verschiedene projektlose (Jazz-)Musiker und eine Hand voll deutsche Rapper setzten sich zusammen, durchbrachen erstmals „das heilige Gesetz“ und produzierten im grossen Stil deutsch gesprochenen HipHop. Ihr Erfolg war nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass sie es durchaus verstanden, verschiedene Stile in einen Topf zu werfen und gehörig durcheinander zu mixen: Jazz, Pop, Funk, Soul und HipHop verschmolzen zur Jazzkantine.
Auf dem aktuellen Album wagt sich nun die Band an eine weitere Stilrichtung heran: Den richtig deftigen Rock. Egal, ob es sich dabei um beinahe unantastbare Klassiker der Rockgeschichte, wie beispielsweise „Highway To Hell“ (AC/DC), „Nothing Else Matter“ (Metallica) oder auch „Smoke On The Water“ (Deep Purple), handelt – die Jazzkantine „verjazzt“ problemlos jeden Song, allerdings ohne dessen Würde nur im Geringsten anzukratzen. Hier wird nicht kopiert, sondern respektvoll weiterentwickelt.
Quasi ein Privatkonzert
Wenn eine Band seit Jahren erfolgreich Musik macht, ihre Alben international hunderttausendfach verkauft, immer wieder bekannte Gast-Sängerinnen und -Sänger (Xavier Naidoo, Smudo, Sam Leigh-Brown, …) für ihre Produktionen ins Studio einlädt, auf der aktuellen Tournee nur gerade zwei Konzerte in der Schweiz gibt und eines davon ausgerechnet im Holästei – dann könnte man eigentlich davon ausgehen, dass die Tickets innert kürzester Zeit weg sein müssten.
Nun ja, könnte man – denn leider hielt sich der Glarner Ansturm auf das Konzert (notabene trotz moderater Ticketpreise) etwas in Grenzen. So avancierte der Gig quasi zum Privatkonzert, was dem anwesenden Publikum natürlich durchaus recht sein konnte.
Wellnesskur für die Band
Das intime Ambiente im Holästei gefiel auch der Band, wie der Jazzkantine-Keyboarder Jan-Heie Erchinger nach dem Konzert gegenüber glarus24.ch gestand: Es sei durchaus erholsam, wenn man nach diversen Konzerten in grossen Hallen zwischendurch mal wieder ganz intim in einem kleinen Lokal spielen dürfe. Das Glarner Publikum dankte es der Band mit einer grandiosen Stimmung.
Für die Veranstalter bleibt zu hoffen, dass ihre Bemühungen um „grosse“ Bands in Zukunft von noch mehr Publikum honoriert werden, denn wenn die Zuschauer ausbleiben, werden irgendwann auch derartige Konzerte auf höchstem Niveau im Glarnerland gezwungenermassen ausbleiben müssen…




