«Hysterikon» – eine fulminante Revue aus dem satten Konsumentenleben!

Mit einer perfekt gelungenen Premiere startete am vergangenen Samstagabend das Theater Glarus in die Saison 2019. Das mit Spannung vom Publikum erwartete Bühnenstück «Hysterikon» forderte nicht nur die Protagonisten auf der Bühne, sondern auch das begeisterte Publikum, welches am Schluss der Vorstellung alle Beteiligten mit anhaltenden Standing Ovations belohnte.




Schon beim Betreten des «Schützenhaus»-Saales war die erste Überraschung perfekt. Dort, wo sonst die Bühne steht, befindet sich die Publikumstribüne. Den Protagonisten auf der Bühne steht ebenerdig eine riesige Spielfläche zur Verfügung. Als Kulisse dienen Verkaufsregale mit allerlei Krimskrams, eine Tiefkühltruhe sowie eine ältere Kasse mit Laufband. Wir befinden uns zweifellos in der grossen Verkaufshalle eines Supermarkts.

Kommerz und Wahnsinn

Wie Zombies irren die Konsumenten durch einen sterilen, weissen Supermarkt. Als plötzlich Sonderangebote ausgerufen werden, laufen sie wie ferngesteuert auf die Verkaufs-Hotspots hin. Die Kassierin des Supermarktes, eine beeindruckende Dame mit keckem rotem Hütchen auf dem Kopf, machte sich permanent über die Dummheit der Kunden lustig und leitet fortan als Conférencier durch den zweieinhalbstündigen Theaterabend. Das Stück der Ingolstädter Autorin Ingrid Lausund stammt aus dem Jahr 2001 und erzählt von den vielen Gesichtern unseres Kaufverhaltens. Dabei wird dem Zuschauer vor Augen geführt, dass nicht nur Lebensmittel und Kleidung, sondern auch Gefühle und sogar Menschen als Ware gehandelt werden. Der Abend ist sehr amüsant, bringt den Zuschauer aber auch zum Nachdenken. Schöne Momente wie die grosse Liebe werden schnell wieder aufgelöst und über allem steht immer wieder die beeindruckende Kassierin, welche die Menschen gegen ihren Willen beeinflussen. Doch nicht nur die Dame an der Kasse, auch andere Figuren nehmen negativen Einfluss auf ihre Mitmenschen. Ein Mann umgarnt eine Tänzerin, die kein Interesse an ihm zeigt. Er erzählt ihr, dass er im hohen Alter neben ihr aufwachen will und einfach mit ihr glücklich sein will. Doch nach der gemeinsamen Liebesnacht lässt er sie wieder alleine. Der Laden gilt aber auch als Verbildlichung für das menschliche Leben. Die Protagonisten bezahlen etwa mit der Life Card für ihre Träume; ist diese ausgeschöpft, sterben die Inhaber. Bei der Premiere gab es zwar den ein oder anderen merkbaren Texthänger, aber das tat den aufgebauten Stimmungen der einzelnen Szenen keinen Abbruch. Schliesslich passiert das auch den Profis. Alles in allem gelang dem Ensemble des Theater Glarus aber eine hervorragende Inszenierung des Stücks «Hysterikon», welches vollgespickt mit Slapsticks und Situationskomik dem Publikum beste Unterhaltung, Amüsement, aber auch Nachdenkliches bot. Mit Fug und Recht darf man Regisseur Jeannot Hunziker und den beiden Assistenten Sarah Engler und Tobias Zürrer attestieren, dass ihnen bei der Auswahl des Stücks «Hysterikon» ein toller Glückgriff gelang. Grosses Kompliment aber auch für das 19-köpfige Ensemble, welches wie immer durch ein sackstarkes Kollektiv bestach, und genau dort liegt die Stärke des Theater Glarus. Ich verzichte darauf, einzelne Mitwirkende hervorzuheben, geschweige denn, sie gar zu kritisieren. Das wäre vermessen und völlig unangebracht. Was ich aber kann, ist die diesjährige Aufführung mit dem Titel «Hysterikon» dem Publikum wärmstes zu empfehlen. Weitere Informationen über die Auftritte des Theater Glarus sind auf der Homepage www.theater-glarus zu entnehmen. Ticketbestellungen bei der glarnerSach unter der Telefonnummer 055 645 61 42.