Tiefere Hürden für die kirchliche Taufe

Die Synode der Reformierten Landeskirche hat Hürden für die kirchliche Taufe abgebaut. Gotte und Götti müssen nicht mehr zwingend Kirchenmitglieder sein.




«Es geht uns Pfarrerinnen und Pfarrern nicht darum, Konzessionen an den Zeitgeist zu machen. Aber als Vertreter dieser Kirche wollen wir weiterhin einladend wirken und ohne schlechtes Gewissen Menschen taufen.» Mit diesen Worten begründete Dekan Hans-Walter Hoppensack an der Herbstsynode die von der Pfarrschaft beantragte Liberalisierung beim Zugang zur kirchlichen Taufe. Hintergrund des Antrags bildet die Bestimmung in der Kirchenordnung, laut der die Taufpaten beide zwingend einer christlichen Kirche angehören müssen. Überdies hält die Kirchenordnung fest, dass es «mindestens zwei» Taufpaten sein müssen, die die Eltern bei der «christlichen» Erziehung unterstützen sollen. Tatsache ist aber, dass es für viele taufwillige Eltern schwierig ist, eine Gotte und einen Götti zu finden, die diese Anforderungen erfüllen. In der Praxis kommt es schon mal vor, dass die Pfarrer ein Auge zudrücken und Paten nicht mit diesen einschränkenden Bestimmungen in der Kirchenordnung konfrontieren.

Zumutung für Nichtchristen

Die Synodalen zeigten alles Verständnis für das Anliegen. Walter Schaub, Synodale aus Obstalden-Filzbach, wollte noch einen Schritt weiter gehen und beantragte, die Taufpaten von der Verpflichtung zu befreien, die Eltern bei der «christlichen Erziehung und Unterweisung» unterstützen zu müssen. «Das ist für Menschen, die einer nichtchristlichen Glaubensgemeinschaft angehören, unzumutbar!», hielt Schaub fest. Er stiess damit bei der grossen Mehrheit im Kirchenparlament auf Zustimmung.

Die übrigen Geschäfte verabschiedete die Synode praktisch diskussionslos. Ulrich Knoepfel, Präsident des kantonalen Kirchenrates, orientierte über die bevorstehenden Schritte beim innerkirchlichen Erneuerungsprojekt «Generationenkirche». Die kirchlichen Regionen, die geografisch in etwa mit den politischen Gemeinden übereinstimmen, sind mit Fleiss dabei, spezifische Angebotsprofile zu entwickeln. An einem Workshop Anfang 2017 werden die Regionalvertreter einander das bisher Geleistete präsentieren. Knoepfel ermunterte die Kirchgemeinden, gerade 2017 – die Reformierten Kirchen feiern weltweit ihr 500-Jahr-Jubiläum – besonders aktiv zu sein und mit zielgruppenspezifischen Angebote auf sich aufmerksam zu machen. «Kirche ist mehr als nur der Sonntagsgottesdienst. Das soll die Bevölkerung im Glarnerland zu spüren bekommen!», erklärte Knoepfel.

Stabile Finanzen

Kirchenrätin Rosmarie Figi hatte keinerlei Probleme, den Synodalen ihr Budget 2017 schmackhaft zu machen. Dieses sieht einen kleinen Einnahmenüberschuss von knapp 4000 Franken vor, dies bei unverändertem Steuerfuss von 1,9 Prozent. Figi rechnet auch in den nächsten Jahren mit stabilen Finanzverhältnissen, wie sie bei der Präsentation des Finanzplans darlegte. Die grosse Unbekannte werden die Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform III sein. Laut Figi stammen immerhin 13 Prozent der kirchlichen Steuereinnahmen von juristischen Personen.

Begonnen hatte die Synode mit einem gemeinsamen Gottesdienst in der Stadtkirche, den das Pfarrehepaar Iris Lustenberger und Peter Hofmann, Ennenda, gestaltet hatte.