Trio d`amour – gar Unerwartetes in Ennenda

Es gibt gar viele Möglichkeiten und daraus resultierende Schlussfolgerungen, die das Thema Liebe, damit auch Liebliches, Zartes, Drängendes, Träumereien, zarte Bande, Oberflächliches, Werben um Zuneigung, Miteinander, Trennung und ganz viel anderes zum Inhalt haben.




Eine wertvolle Annäherung samt überzeugendem Interpretieren boten kürzlich Catherine Fritsche (Cello, Gesang, Flöte), Swantje Kammerecker (Violine, Rezitationen) und Christian Behring am Klavier an; in einer Vermischung von kurzen Gedichten des 1922 in Wien geborenen, später vor den Nazis nach London geflüchteten Dichters Erich Fried und musikalischen Liebesbotschaften aus verschiedensten Winkeln unserer Welt.

Eins hatten die Inhalte der verschiedenen Gedichte und Musikalisches gemeinsam. Da war nichts von alledem, was in unserer Welt im Moment an Bedrohlichem, zuweilen unlösbar Erscheinendem den Stempel aufdrückt, lähmt, Ungewissheit und Hilflosigkeit auslöst. Es waren vielmehr gar willkommene Geschenke mit lieblichem Inhalt, reizvoll, unerwartet, willkommen und in farbigstes Papier mit schönstem Dekor verpackt. Neben Erich Fried waren beispielsweise Edward Elgar mit «Salut d `amour», Edith Piaf, Francis Poulenc mit «Chemins de l`amour», Altberliner Lieder wie «Ich hab noch einen Koffer in Berlin» oder «Berliner Luft», Bertolt Brecht / Kurt Weill mit der «Seeräuber Jenny», Fritz Kreisler, George Gershwin, amerikanische Evergreens Spender dieser Geschenke, die auszupacken und erwartungsfrohen Gästen in gediegener Weise zu präsentieren waren.

Das gelang bestens. Kurzweil, Gemütlichkeit, Staunen über die gehaltvolle Vielfalt und das reizende, erfüllende Ausgestalten von Musikalischem aus verschiedensten Stilrichtungen und Herkunftsländern, die klug ausgewählten und eingefügten Kurzgedichte fügten sich so harmonisch ineinander, trugen eine Vielfalt in sich, die kaum umschreibbar ist – und das in einem Kulturraum, dessen Standort zuerst mal gesucht werden musste. Man fand sich in einem gediegen eingerichteten «Salon» auf dem Areal der Gipserhütte Ennenda zusammen, unterhielt sich bei den Sitzgelegenheiten oder am Buffet nach links, nach hinten, vorne und rechts, angeregt und lebhaft. Festlich gewandet traten die Musizierenden auf. Man vernahm vieles über Sorgen, sich Hindrängen, Abweisen, Entgeilen, Träumereien, Sehnsucht, unerfüllbare Wünsche.

Es war eine riesige Palette an Gefühlen, die in den Gedichten offenbart wurden, zuweilen mit wenigen Worten, Andeutungen, verstecktem Schalk, leichter Ängstlichkeit, verzagtem Warten und Anklopfen. Musikalisches gesellte sich zu den Botschaften in Gedichtform.

Mit viel Sorgfalt, riesigem technischem Können, inhaltsstarker Reife und kunstvollem Zusammenspiel wurde interpretiert. Catherine Fritsche in der Rolle von Edith Piaf zu hören, war Extraklasse. Weder fehlten die leicht rauchige Stimme, die charakteristischen sprachlichen Akzente noch die Sehnsucht, Verzweiflung oder Flehen. Elemente, welche die Botschaften dieser Frau so einzigartig gemacht haben. Irgendwann wandte sich die Sängerin der «Seeräuber Jenny» zu, so keck, frech, geheimnisvoll und leidenschaftlich. Und flugs war sie gewandte Cellistin oder Flötistin. Swantje Kammerecker rezitierte ebenso gefühlvoll, mit verhaltener Leidenschaft, trat dann wieder als Geigerin auf, behutsam, dann wieder sehr markant, dezidiert oder verhalten ausgestaltend. Es waren so viele Spannungsbogen zu schaffen. Die damit verbundenen hohen Anforderungen erforderten viel Einfühlungsvermögen, Kunstsinn und spieltechnische Reife. Christian Behring am Klavier war ein so zuverlässiger, sicherer Begleiter, der sehr stilsicher, kraftvoll, nie dominant, sondern in einfühlendem, kunstreichem Zusammenspiel mitgestaltete.

An verdientem Applaus mangelte es wahrlich nicht, Zugaben wurden mit einer Nachhaltigkeit gewünscht, der man sich einfach nicht verschlieArtikelssen konnte. Und hätte alles ein klein wenig länger gedauert, wäre man gerne sitzengeblieben, es war einfach zu schön. Noch blieb Zeit für Gedankenaustausch, zuweilen mit dem verständlichen Wunsch auf ein Wiederhören.