Trockenheit: Lockerung der Vorschriften für Landwirte und Älpler

Die Abteilung Landwirtschaft lockert die Direktzahlungsvorschriften für Glarner Landwirtschafts- und Sömmerungsbetriebe infolge der anhaltenden Trockenheit.




Die gefallenen Niederschläge und der Temperaturrückgang der vergangenen Tage lösen die Futter- und Wasserknappheit auf einer Vielzahl von Glarner Alp- und Heimbetrieben nicht. Die Abteilung Landwirtschaft nutzt ihren Kompetenzbereich im Fall von höherer Gewalt, von den Bedingungen der Direktzahlungsverordnung abzuweichen. Folgende Bereiche sind davon betroffen:

Sömmerung:

Muss eine Alp früher entladen werden und erreicht die aktuelle Bestossung weniger als 75 Prozent, so werden die Sömmerungsbeiträge gemäss verfügtem Normalbesatz ausbezahlt. Auf einigen Alpen ist das Futterangebot relativ gut. Eine allfällige Überschreitung des Normalbesatzes infolge längerer Alpzeit als üblich oder die zusätzliche Auffuhr von Tieren führt zu keiner Kürzung der Sömmerungsbeiträge. Eine Übernutzung und das Zuführen von bedeutenden Raufuttermengen ist jedoch zu vermeiden. Auf eine übermässige Beweidung von Moorflächen ist zu verzichten. Gemäss Anhang 8, Kapitel 3.6 der Direktzahlungsverordnung können beim Auftreten von ökologischen Schäden oder einer unsachgemässen Bewirtschaftung weiterhin Kürzungen vorgenommen werden. Allfällige Vorschriften aus NHG-Verträgen im Sömmerungsgebiet sind einzuhalten. Die Betriebsleiter müssen kein Gesuch stellen, haben jedoch eine schriftliche Meldepflicht unter Bekanntgabe folgender Angaben (per E-Mail bis zum 8. Oktober 2018):

a) Überschreitung Normalbesatz 110% oder darüber: Anzahl Tage

b) Auffuhr: Anzahl zusätzlich aufgetriebener Tiere, Tiergattung und Kategorie, bisheriger Standort und Halter der Tiere, Datum Auf- und Abfahrt.

Alle Tierbewegungen von Rindvieh und Tieren der Pferdegattung sind uneingeschränkt in der Tierverkehrsdatenbank (TVD) korrekt und termingerecht zu registrieren. Am gesetzlichen Alpabfahrtstermin vom 30. September wird ausnahmslos festgehalten. Die Aufzeichnungspflicht von Futterzufuhr bleibt weiterhin bestehen.

Bioförderflächen, NHG-Vertragsflächen und Pachtflächen des Linthwerkes:

Wenig intensiv genutzte Wiesen (Code 612) und extensiv genutzte Wiesen (Code 611) dürfen vor dem 1. September beweidet werden. Das Datum der Beweidung ist im Wiesenkalender einzutragen. Es besteht keine Meldepflicht. Eine abweichende Nutzung von NHG-Vertragsflächen bedürfen vorgängig einer Bewilligung durch die Abteilung Umweltschutz und Energie des Kantons (Tel. 055 646 64 50). Die Nutzungsbedingungen der privatrechtlichen geregelten Pachtflächen des Linthwerkes sind einzuhalten. Ebenso werden keine früheren Nutzungen von Streuflächen zugelassen (Code 851).

Nährstoff- und Futterbilanzen:

Ausserordentliche Futterzukäufe infolge der Trockenheit können zu Problemen mit der Nährstoffbilanz (zu geringe Wiesenerträge) und / oder dem GMF-Programm (Mindestanteil Wiesen und Weidefutter nicht erfüllt) führen. Die ausserordentlichen Futterzukäufe sind in der Nährstoff- und Futterbilanz zu berücksichtigen. Im Informationsschreiben anlässlich der Schlusszahlung Ende Nov. / Anfang Dez. werden die genauen Details bekannt gegeben.


RAUS-Programm:

Bei zu wenig Gras auf den Weiden kann der Weidegang mit dem Auslauf im Laufhof ersetzt werden. Die Tiere müssen mindestens 26-mal pro Monat in den Laufhof gelassen werden. Die Aufzeichnungspflicht besteht weiterhin.

Weitere ausserordentliche Massnahmen aufgrund der Trockenheit:

Wasserentnahme:

Wegen der anhaltenden Trockenperiode gibt es zunehmend Anfragen zur Nutzung von Oberflächengewässer zur Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen. Derartige Wasserentnahmen, ob sie nun mit Pumpen oder Druckfässern erfolgen, benötigen vorgängig eine Bewilligung nach dem Gewässerschutzgesetz. Zuständig dafür ist die Abteilung Umweltschutz und Energie des Kantons. Bewilligungen werden in der jetzigen Lage nur für die grossen Gewässer Linth, Sernf und Rautibach sowie Walensee und Klöntalersee erteilt (Tel. 055 646 64 50).

Investitionskredite:

Betriebe, die aufgrund von Ernteausfällen bzw. Futterzukäufen mit Liquiditätsengpässen konfrontiert sind, können bei laufenden Investitionskrediten eine Fristerstreckung beantragen. Ebenso besteht die Möglichkeit, ein zinsloses Betriebshilfedarlehen zu beantragen. Hierzu ist ein schriftliches Gesuch bis Ende Oktober einzureichen.