Über 400 Millionen Jahre Erdgeschichte in zwei Tagen

Fortbildungskurs für GeoGuides Sardona, Wanderleiter und Bergführer am Tödi.




Vom 19. bis 21. September versammelten sich 23 GeoGuides Sardona, Bergführer und Wanderleiter aus der ganzen Schweiz ob Linthal GL, um ihr geologisches Wissen über die Erdgeschichte im Geopark und dem UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona zu festigen und zu vertiefen. Der Kurs stand unter der Leitung des Geologen Dr. Jürg Meyer, assistiert von Welterbe-Geologe Thomas Buckingham und Geopark-Präsident Beat Aemissegger. Für die GeoGuides Sardona als Botschafter des Welterbes und des Geoparks Sardona sind solche Weiterbildungen besonders wichtig.

Am Freitag in der Früh startete die wissbegierige Gruppe mit den ältesten Gesteinen des aarmassivischen Altkristallins. Die Erosionskerben beim Tödi, dem Limmernsee und Vättis, bieten fensterartig Einblick in die tiefsten geologischen Einheiten des Tödi-Sardona-Gebiets. Die prächtigen Blöcke des Bifertenbachs zeigten uns, wie uralte dunkelgrüne vulkanische Lava von jüngeren granitischen Gesteinsschmelzen allmählich aufgelöst und «verdaut» wurde. Ein besonderes Gefühl, bei kühlen 5°C Aussentemperatur diese Schmelzvorgänge tief in der Erdkruste vor über 400 Millionen Jahren bei über 600°C verfolgen zu können.

In den vom Gletscher geschliffenen Felsen unter der Fridolinshütte sind die ältesten Ablagerungsgesteine der Schweiz erhalten. Üppige Wälder bildeten in der Karbonzeit vor 300–360 Millionen Jahren weltweit Steinkohleflöze. Tatsächlich fanden die Kursteilnehmer uralte versteinerte Pflanzenreste und auch Wellenrippeln von Überflutungen. Die Tiere begannen zu jener Zeit erst, das Land vom Meer her zu erobern! Die deutlich geschichteten Ablagerungen wurden durch die voralpine variszische Gebirgsbildung verfaltet, vom Tödi-Granit lokal aufgeschmolzen und zu einer Rumpffläche eingeebnet, bevor sie von den Meeresablagerungen des Erdmittelalters überdeckt wurden.

Vor dem Moränenkranz des Bifertengletschers von 1850 lockten uns die Blöcke des tiefgelben Röti-Dolomits. Als auffälliges, gleichmässig durchziehendes Band markiert dieses farbig angewitterte Gestein die Basis der mehrere Hundert Meter mächtigen kalkigen Meeresablagerungen in den Felswänden des Tödigebiets, die einem langen landdominierten Zeitabschnitt folgte. In grauen Kalkblöcken des grossen Felssturzes vom Sandgipfel von 1964 entdeckten wir am Weg nach Ober Sand ganze Korallenstöcke der jüngeren Jurazeit und weitere Fossilien.

Die Vielfalt spannender Gesteinsstrukturen und Landschaftsformen erstaunte auch die einheimischen GeoGuides und liess uns ein prächtiges Gebiet neu verstehen. Ein herzlicher Dank an die Leitungscrew schloss den Kurs ab.