Über Kritik und Demut

Am Donnerstag, 13. August, gleich nach der Sitzung des Gemeinderates verlieh Gemeindepräsident Christian Marti im Gemeindehaus Ennenda die Ehrennadel der Gemeinde Glarus an den Stadtglarner und Journalisten Martin Beglinger. Beglinger gewährte einige überraschende Einblicke in seinen Werdegang.



Die Verdienste von Martin Beglinger für die neue Gemeinde Glarus dürften in den Bereichen Gesellschaft, Politik und Kultur liegen, denn er – als Vertreter der 4. Gewalt – nehme, so Christian Marti, eine bedeutende Rolle in der Gestaltung der öffentlichen Meinung dar. Es brauche Hartnäckigkeit, Seriosität und Sachkompetenz dafür, denn, so der von Marti zitierte Gerhard Kocher, «Das Problem sind nicht die kritischen Journalisten, sondern die netten». Dem stimme er zu 100 Prozent zu, sagte Beglinger, allerdings habe ihn sein Beruf vor allem auch ein Weiteres gelernt, nämlich die Demut. «In dem Sinne, dass man (als Journalist/-in, Red.) nicht zu schnell im Namen einer grundsätzlich kritischen Haltung dreinschiesse, und dabei zu wenig realisiere, unter welchen Rahmenbedingungen etwas stattfinde.» Damit zielt Beglinger, der sehr grosses Verständnis für die Lage der heutigen Journalist/-innen mitbringt, welche teilweise sehr schnell produzieren müssen, vielleicht auch auf Tendenzen, sofort zu urteilen, anstatt erst zu recherchieren.

Rückschläge und Erfolge

Er selber sei, so Beglinger, insofern privilegiert, dass er sich immer neue Themen aussuchen könne. Denn seit 2018 kann Beglinger, welcher von 2011 bis 2018 Mitglied der Schulkommission der Gemeinde Glarus war, als Reporter und Autor für alle Ressorts der «Neuen Zürcher Zeitung» einbringen. Christian Marti präsentierte die Lebensleistung von Beglinger, indem er diesem zwischendurch immer wieder die Gelegenheit gab, zu einigen Wegpunkten seines Lebens Stellung zu nehmen. So erfuhren die Anwesenden, wie Beglinger – damals als Volontär bei den Glarner Nachrichten – für seine kritische Stellungnahme zur Haltung von Zirkustieren vom Verleger in der Zeitung gemassregelt wurde, dass er bei der «Weltwoche» zusammen mit allen Journalisten des Blattes, die unter 40 Jahre alt waren, gefeuert wurde, weil sie eine Beteiligung an der Chefredaktion verlangt hatten, oder dass Bundesrat Otto Stich seine Biografie über ihn boykottiert habe, weil er das Gefühl hatte, darin dann doch zu schlecht weggekommen zu sein.

Insofern sind es wohl gerade die Rückschläge, welche den Journalisten prägten. «Du hast dich», so der Gemeindepräsident, «von unten nach ganz oben gearbeitet und mit deiner Arbeit unsere Gesellschaft bereichert.» Dazu applaudierte der Gemeinderat und der Geehrte darf ab sofort sein blaues Revers mit der silbernen Nadel, die das neue Wappen von Glarus darstellt, schmücken.