Übergang in die Berufswelt

Die Oberstufe Buchholz lud zum Lehrfirmenapéro ein. Vertreterinnen und Vertreter von zwölf Lehrbetrieben trafen sich mit Lehrerinnen und Lehrern zum Austausch. Das gemeinsame Ziel: Jugendliche besser in die Berufswelt zu begleiten.



Vertreterinnen und Vertreter von lehrfirmen und der Oberstufe Buchholz pflegten einen regen Austausch. Ziel: Jugendliche besser in die Berufswelt zu begleiten. (Foto: Søren Ehlers)
Vertreterinnen und Vertreter von lehrfirmen und der Oberstufe Buchholz pflegten einen regen Austausch. Ziel: Jugendliche besser in die Berufswelt zu begleiten. (Foto: Søren Ehlers)

Schulleiter Samuel Zingg informierte über laufende Entwicklungen an der Oberstufe Buchholz. Als Neuerung stellte er den «alternativen Lernort» vor. Dies ist ein Angebot für Schülerinnen und Schüler, die sich manchmal schwertun, sich auf das Lernen zu konzentrieren. Die Resonanz ist überraschend gross: Über die Hälfte der Drittklässlerinnen und Drittklässler nutzt das Angebot.

Ebenfalls angepasst wurde die Fächerwahl im Pflichtwahlfachbereich. Statt fixer Profile können die Schülerinnen und Schüler künftig wieder freier aus einer Palette von Fächern wählen – da die angestrebte Durchmischung der Klassen mittlerweile von selbst funktioniere.

Zingg erinnerte auch an das übergeordnete bildungspolitische Ziel: Die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) setzt sich zum Ziel, dass 95 Prozent der unter 25-Jährigen einen Abschluss auf Sekundarstufe II erreichen – also eine Berufslehre, eine Matura oder einen FMS-Abschluss. «Das erreichen wir nicht», hielt Zingg offen fest. «Deshalb braucht es noch Anstrengungen.»

Projekt LIFT: Früh Fuss fassen in der Arbeitswelt

Einen zentralen Teil des Abends bestritt Ursula Schmid, die an der Oberstufe Buchholz das Projekt LIFT koordiniert. LIFT ist ein schweizweit tätiger Verein, der Jugendliche mit erschwerenden Voraussetzungen – darunter schwächere Schulleistungen, mangelnde Sozialkompetenzen oder wenig familiäre Unterstützung – frühzeitig an die Arbeitswelt heranführen will.

Das Herzstück des Projekts sind die sogenannten Wochenarbeitsplätze (WAP): Jugendliche arbeiten ab der zweiten Oberstufe an einem freien Nachmittag – meist mittwochs – während zehn bis zwölf Wochen in einem Lehrbetrieb. Die Arbeit soll produktiv sein und dem Betrieb echten Nutzen bringen. Der Stundenlohn beträgt rund fünf Franken. «Mit fünf Franken sind sie voll zufrieden und strahlen», berichtete Schmid.

Wer teilnehmen will, muss sich bei Schmid bewerben. Die Siebtklässler/-innen lernen, wie man telefoniert, einen Lebenslauf schreibt und sich gegenüber Erwachsenen verhält. Wer unentschuldigt fehlt oder Aufgaben nicht erfüllt, scheidet aus dem Programm aus.

Die Wirkung des Projekts zeigte sich laut Schmid vor allem in der Persönlichkeitsentwicklung der Beteiligten: Die Jugendlichen merkten, dass ausserhalb der Schule eine andere Welt existiere – mit anderen Regeln, anderen Themen und anderen Anforderungen.
Schmid dankte den Betrieben, die WAP zur Verfügung stellen und warb um weitere Plätze.

Übergang in die Berufslehre: Empfehlungen an die Betriebe

Schulleiter Zingg richtete zum Abschluss konkrete Empfehlungen an die anwesenden Lehrbetriebe. Er bat darum, Lehrverträge erst im dritten Oberstufenjahr abzuschliessen – nicht früher. Wer bereits in der zweiten Klasse einen Vertrag in der Tasche habe, neige dazu, das letzte Schuljahr zu vernachlässigen. «Dann haben wir Lernende, die nichts mehr tun», sagte Zingg.

Er empfahl den Betrieben zudem, nach Vertragsabschluss regelmässig Kontakt mit den künftigen Lernenden zu halten: Zeugnisse einzufordern, Portfolios zu lesen und bei Klassenlehrpersonen Referenzen einzuholen.

Austausch als Kernstück

Den Abschluss des formellen Teils bildete eine moderierte Austauschrunde, in der sich Lehrpersonen und Lehrbetriebsvertreterinnen und -vertreter an Tischen mischten. Zwei Leitfragen standen im Raum: Welche Unterschiede stellen die Betriebe bei neuen Lernenden fest? Und welche allgemeinen Entwicklungen beobachten sie bei Jugendlichen? Die Ergebnisse sollten im Plenum gesammelt werden.

In der Austauschrunde äusserten sich unter anderem Manuel Krieg von der Schreinerei Abarth in Mitlödi und Mischa Toso von der Karl Stüssi Sanitär AG in Glarus schildern am Lehrfirmenapéro der Oberstufe Buchholz ihre Erfahrungen mit der Lehrstellensituation. Beide Betriebe verzichten bewusst auf EBA-Lernende: In handwerklichen Kleinbetrieben mit individuellen Aufträgen seien EBA-Absolventen oft überfordert – und man tue ihnen keinen Gefallen, wenn man ihnen mehr verspreche, als der Abschluss letztlich biete. Toso beklagt, dass seine Branche seit drei Jahren keine Lernenden mehr gefunden habe; im ganzen Kanton entschieden sich jährlich nur drei bis fünf Jugendliche für den Sanitärberuf. Als Ursachen nennen beide die wachsende Vielfalt der Berufe, den demografischen Rückgang sowie den schwindenden Bezug vieler Familien zum Handwerk – Kinder, die zu Hause nie mit Werkzeug in Berührung gekommen seien, kämen kaum auf die Idee, eine handwerkliche Lehre zu wählen. Beide sind überzeugt: Wenn sich dieser Trend fortsetzt, wird der Mangel an Handwerkern früher oder später zum handfesten gesellschaftlichen Problem.