Umweltverbände gegen neue Schneekanonen

Das Ausbauprojekt der Sportbahnen Elm heisst zwar Futuro. Doch das gigantische Millionen-Projekt weist in die andere Richtung: Schon heute ist klar, dass das Aufrüsten der Bergbahnen mit noch mehr Schneekanonen wenig zu einer nachhaltigen Zukunft beiträgt. Die Umweltverbände haben nun Beschwerde eingereicht, denn das geplante Projekt schädigt die Natur massiv.



Trotz massiver Beeinträchtigung des eidgenössischen Jagdbanngebiets Kärpf und etlicher Verstösse gegen gesetzliche Bestimmungen zum Schutz der Natur hat der Gemeinderat Glarus Süd das Projekt der Sportbahnen Elm zum Bau von Beschneiungsanlagen bewilligt. Die Umweltverbände haben deshalb beim Regierungsrat Beschwerde eingereicht. «Der Ausbau der Beschneiungsanlagen ist ein massiver Eingriff ins Ökosystem. Die vielen Schneekanonen bringen nicht die erhoffte Schneesicherheit: Dafür ist das Skigebiet einfach zu tief gelegen», sagt Corina Geiger vom WWF Glarus. «Wird das Projekt so umgesetzt, haben wir am Ende einen Scherbenhaufen und zwar nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch.»

Umweltverbände ziehen den Fall weiter

Die Sportbahnen Elm beabsichtigen, die Beschneiungsanlagen im Skigebiet Elm stark auszubauen. Ein gigantisches Projekt, welches neben der Beschneiung auch Pistenkorrekturen und Rodungen vorsieht. Das Projekt liegt gänzlich im eidgenössischen Jagdbanngebiet Kärpf. Dieses besteht seit 1548 und ist damit das älteste Jagdbanngebiet Europas.

Bereits im Dezember 2019 haben die Umweltverbände (WWF, Pro Natura und BirdLife) gegen das Projekt Einsprache erhoben. Der Gemeinderat Glarus Süd hat das Projekt trotzdem bewilligt und die Einsprache abgewiesen. Die Umweltverbände wehren sich gegen das Projekt, das auf Kosten der Natur Millioneninvestitionen vorsieht. Das Bauvorhaben hätte nie bewilligt werden dürfen, da es gegen etliche gesetzliche Bestimmungen verstösst und einen tiefen Eingriff ins Ökosystem am Kärpf darstellt. Die Umweltverbände haben deshalb Beschwerde beim Regierungsrat des Kantons Glarus eingereicht.

Konflikt mit eidgenössischem Jagdbanngebiet

Stossend ist insbesondere, dass dem Schutz des Jagdbanngebietes kaum Rechnung getragen wird. Eidgenössische Jagdbanngebiete dienen dem Schutz und der Erhaltung von seltenen und bedrohten wildlebenden Säugetieren und Vögeln und ihrer Lebensräume. Im Kärpf werden zudem speziell die Raufusshuhnbestände (z.B. Birkhühner) geschützt. Diese sollen erhalten bleiben.

Trotz diesem klaren Schutzziel wurden die Bestände der seltenen Birkhühner von den Projektanten nicht erfasst, geschweige denn Ersatzmassnahmen formuliert. Das wäre nötig gewesen, denn der Schutz der eidgenössischen Jagdbanngebiete und ihrer Arten ist von nationalem Interesse. Eine Beeinträchtigung wäre nur dann zulässig, wenn das Eingriffsinteresse ebenfalls von nationaler Bedeutung ist. Beim Projekt Futuro geht es um die Schneesicherheit im Skigebiet von Elm und damit um ein touristisches Interesse von lokaler oder höchstens regionaler Bedeutung.

Seltene Arten, Moore und Gewässer betroffen – Ersatzmassnahmen sind dürftig oder fehlen gänzlich

Nicht nur der Schutz des Jagdbanngebietes wurde von den Projektanten vernachlässigt, auch dem Schutz des Gewässers Sernf, der Moore und der übrigen seltenen Arten im Gebiet wird kaum Beachtung geschenkt. Das Vorkommen verschiedener seltener Vogelarten im Projektgebiet, wird verneint, obwohl ausser einer Nachfrage beim Wildhüter keine gezielten Erhebungen gemacht wurden. Entsprechend haben die Sportbahnen für diese Arten auch keine Ersatzmassnahmen geplant.

Das Ausbauprojekt schädigt insbesondere auch geschützte Moorflächen, weil für die Leitungen 2 Meter tiefe Gräben in ebendiese hineingegraben werden. Ersatz gibt es dafür nur gerade für die Fläche des Grabens, obwohl aufgrund der Drainagewirkung das ganze Moor betroffen sein wird. Nicht zuletzt wird auch der Sernf in Mitleidenschaft gezogen, denn für die Beschneiung wird Wasser aus dem Sernf entnommen. Wieviel man entnehmen darf, wird vom Gesetz vorgeschrieben. Dazu muss erst die Abflussmenge des Sernf bestimmt werden, üblicherweise mittels Messreihen, die mehrere Jahre dauern. Aus unerklärlichen Gründen wurde diese Abflussmenge aber nicht gemessen, sondern mittels Modellberechnungen, die über weitere Modellberechnungen errechnet wurden. Diese Herleitung gleicht fast schon einem Zaubertrick und kann aus Sicht der Umweltverbände nicht als seriöse Restwasserberechnung hergezogen werden.

Nutzungsplanverfahren nötig

Die Nutzung des Gebietes wird durch das Vorhaben massgebend verändert und es besteht ein gewichtiger Konflikt mit dem Jagdbanngebiet Kärpf. Dies war im Nutzungsplan so nicht vorgesehen. Es ist daher zwingend nötig, ein Nutzungsplanverfahren durchzuführen oder gar eine Anpassung des Richtplans. Mit dem von den Sportbahnen Elm gewählten Vorgehen dürften lediglich punktuelle Beschneiungsanlagen gebaut werden.

Umweltverbände stehen nicht allein da

Das Bundesamt für Umwelt und die Abteilung Jagd und Fischerei des Kantons Glarus haben sich ebenfalls negativ zum Projekt geäussert. In ihren Stellungnahmen zum Projekt haben sie klar dargelegt, dass das Bauvorhaben nicht mit den Zielsetzungen des Jagdbanngebietes vereinbar ist. Weiter scheint das Projekt bei vielen Glarnerinnen und Glarnern nicht gut anzukommen. So wenden sich in diesen Tagen viele besorgte Personen an die Geschäftsstellen der Umweltverbände, weil sie das Projekt ablehnen.