... und bleiben Sie gesund!

Dieser vertraute Verabschiedungswunsch von Armin Rusterholz am Ende seines Vortrages entlockte den Anwesenden ein Lächeln. Auf unterhaltsame, lockere Art und Weise hatten sie spannende Details und Hintergrundinformationen zur letzten Glarner Pockenepidemie erfahren und dabei aufgezeigt bekommen, dass die damals verordneten Vorsichtsmassnahmen auch heute beim Corona-Virus wieder gelten.



Als Vorbeugemassnahme wurde die Glarner Bevölkerung aufgefordert, sich fleissig die Hände zu waschen, Versammlungen, Festivitäten oder Kinobesuche wurden verboten, Erkrankte wurden in Quarantäne gesteckt. Alle Schülerinnen und Schüler wurden geimpft, das Hausieren wurde nicht mehr gestattet.

Die Wohnungen der Erkrankten wurden durch Plakate als Pockenwohnungen gezeichnet, dies zur Freude der Nachtbuben, welche diese Bekanntmachungen spasseshalber umhängten, wie aus den damaligen Aufzeichnungen zu entnehmen ist. Die Ärzte strebten eine Durchimpfung der Bevölkerung an, dies zum Entsetzen der Impfgegner, die vor einer Volksvergiftung warnten.

Pockenspital auf der Obererlenwiese

Vermutlich traten bereits frühere Fälle von Pocken auf, jedoch wurde der Ernst der Lage verkannt, so dass die Sanitätsdirektion erst am 3. Dezember das Auftreten von Pockenfällen publik machte. Am 8. Dezember wurde auf der Wiese im Obererlen in Näfels mit dem Bau eines Pockenspitals begonnen. Die Leitung desselben übernahm Dr. Z’Brun, als Experte wirkte der Professor Max Tièche aus Zürich. Die Patienten wurden als lustiges Völklein geschildert. Es werde, so ein Korrespondent der Glarner Nachrichten, gesungen, gespielt und viel Zeitvertreib gemacht, da die Krankheit in ihrer leichten Form keinerlei Schmerzen verursache. Männer- und Frauenabteilungen seien aber gut voneinander getrennt.

Die Pockenepidemie setzte auch die Nachbargemeinden in Bereitschaft. Auf dem Churer Markt waren die Glarner nicht mehr willkommen und vom Besuchen ins Glarnerland wurde abgeraten.

Ende der Pockenepidemie

Am 25. Januar 1922 konnte der Regierungsrat alle zur Bekämpfung der Epidemie angeordneten Einschränkungen aufheben. Es wurden im ganzen Kanton 350 Personen behandelt und 16 853 Personen, Schülerinnen und Schüler nicht eingerechnet, wurden geimpft. Todesopfer waren keine zu beklagen. Die wirtschaftlichen Folgen waren beträchtlich.

Die zahlreichen Anwesenden, der Bohlensaal war sehr gut gefüllt, konnten sich dank dem spannenden Vortrag und den zahlreichen Bildern ein exaktes Bild von der damaligen Situation machen. Der Anlass wurde organisiert vom Kulturforum Brandluft und den Freunden der Geschichte, Näfels.