«... und weil die Music lieblich ist»

Gambenklänge gar umfassend geniessen, konnte man am vergangenen Sonntag in der reformierten Kirche Ennenda – einem akustisch und baulich hervorragenden Raum.

Er lädt zum Besinnen, genauen und sorgsamen Hinschauen, zum Träumen und Verweilen ein. Das angekündigte Konzertprogramm kam einem Begegnen abseits grosser und bekannter Namen gleich und barg gerade deshalb Unerwartetes, Kostbares.

 



Die deutschen Madrigale und Tanzweisen schrieb Balthsasar Fritsch (um etwa 1570–1608). Die in Ennenda interpretierenden Gastgeber hatten sich in verdankenswerterweise die Mühe genommen, umfassend zu informieren, nachdem sie im «Musikarchiv» nach wahrscheinlich langem Suchen auf Fritsch und dessen Schaffen gestossen waren. So war denn zu erfahren, dass der Komponist aus Leipzig stammt und in zwei deutschen Städten Sammlungen mit damals gängigen Tänzen (Pavane und Galliarde) und weltlichen Gesängen für fünf Stimmen erschienen. Der musikalischen Umsetzung nahmen sich Jane Achtmann und Irene Klein (sie gründeten anno 1997 das Ensemble Musicke & Mirth) Tore Eketorp und Elizabeth Rumsey und die Sopranistin Ulrike Hofbauer in einer derart ausgereiften, innigen und sorgsam aufeinander abgestimmten Weise an, dass sich Staunen, andächtige Anteilnahme, Freude und Ruhe breit machten. Eine derart dichte Vermischung von Gefühlen hat Seltenheitswert.

Die Gambenspielerinnen und Tore Eketorp beherrschen die heikel zu bespielenden Instrumente mit spürbarer Eleganz, hohem Können und der Fähigkeit, auch kleinste Intentionen gegenseitig aufzunehmen und einfühlend umzusetzen. Im Zusammengehen mit den von Ulrike Hofbauer ausgestalteten Gesängen über Trauer, Liebe, Reue, Vergessen, gar Gottesfürchtiges, weltlichen Frevel, einem umfassenden Sehnen oder Verharren in Glückseligkeit war das einfühlende Spielen vonnöten. Die Sopranistin verfügt über eine modulationsfähige, warme und volle Stimme mit willkommenem Hang zu leicht Theatralischem, Dramatischem. Das Hinhören bescherte Erfüllendes. Man freute sich am warmen und vollen Klang der Gamben, an die weit tragende Fülle, die elegante Leichtigkeit und die vielen Feinheiten, die als rasche Fragmente aufkamen und enteilten. Die Innigkeit des Ausgestaltens war ebenso erfüllend wie der kunstsinnige Gesang. So war es kaum verwunderlich, dass nach starkem Beifall eine willkommene Zugabe folgte und dass die Wärme der Klänge beim Heimweg gar wohltuend nachwirkten.