Ungewisse Zukunft für den IP-Ring Glarnerland

Im Zentrum der Verhandlungen der 21. Hauptversammlung stand nebst der Behandlung der statutarischen Geschäfte die Ankündigung von Präsident Thomas Hefti-Horner, den IP-Ring Glarnerland anlässlich der Hauptversammlung 2018 aufzulösen. Fehlende Kontrollaufgaben, welche der IP-Ring bis anhin ausführte, werden künftig vom Amt für Landwirtschaft ausgeführt. So gesehen braucht es den IP-Ring gar nicht mehr.




Zur 21. Hauptversammlung konnte IP-Ring Glarnerland-Präsident Thomas Hefti-Horner eine stattliche Anzahl Mitglieder im Saale des Restaurants Schützenhaus in Glarus begrüssen. Einen speziellen Willkommensgruss entbot er den Gästen Roman Steiger von der Kontrollstelle KUT und Friedrich Schuler, Sachbearbeiter beim kantonalen Amt für Landwirtschaft.

Starker Franken belastet Schweizer Milch

Speditiv und souverän führte Thomas Hefti-Horner durch die zehn Punkte umfassende Traktandenliste. Sämtliche Geschäfte passierten diskussionslos die Runde. Protokoll und Kasse wurden von den Versammlungsteilnehmern diskussionslos genehmigt. In seinem ausführlichen Jahresbericht liess Präsident Horner das Jahr 2016 nochmals Revue passieren. Unter anderem erwähnte er den Milchpreis, der seit Januar 2016 sehr stark unter Druck geraten ist. Die Quotenaufhebung im EU-Raum lässt die Milchmengen um über fünf Prozent ansteigen. Der Milchpreis fiel im April für Industriemilch unter 50 Rappen pro Kilogramm und zudem belastet der starke Franken die Schweizer Milch enorm. Natürlich leiden auch andere Erzeugnisse deswegen und der Import wird noch interessanter und der Export dadurch zusätzlich erschwert. «Der Milchpreis wird sicher weiterhin das grösste Kriterium sein, ob sich ein IP-Mitglied für den Umstieg auf BIO-Produktion anmelden wird. Gleichzeitig werden der Schweizer Landwirtschaft, aber auch dem einheimischen Detailhandel infolge des ansteigenden Einkauf-Tourismus grosse finanzielle Einbussen entstehen», so die Meinung von Präsident Horner. Sein ausführlicher Jahresbericht fand die uneingeschränkte Zustimmung aller Anwesenden.

Informationen der Kontrollstelle KUT

Die Kontrollstelle KUT hat gemäss Informationen von Inspektionsstellenleiter Roman Steiger im letzten Jahr 144 Betriebe im Glarnerland kontrolliert. Zusätzlich wurden 38 Label-Betriebe von den Kontrolleuren haargenau unter die Lupe genommen. Es gab 20 unangemeldete Kontrollen und Nachkontrollen, eine Oberkontrolle durch das Bundesamt für Landwirtschaft sowie 99 Primärproduktions-Kontrollen durch das ALT. Bezüglich Mängel fanden die Kontrolleure bei 13 Fällen Mängel beim Tierschutz, veraltete Nährstoffbilanzen und GMF-Berechnungen, Mängel bei Aufzeichnungen (Auslaufjournal und Wiesenjournal) sowie fehlende Bodenproben. Grundsätzlich muss aber festgehalten werden, dass die Mitglieder des IP-Ringes Glarnerland den hohen Anforderungen für eine ökologisch und ökonomisch geführte Landwirtschaft auf höchstem Level jederzeit nachkommen.

IP-Ring Glarnerland nur noch bis 2018?

In seinen Ausführungen begründete Präsident Hefti, warum eine Auflösung des IP-Ring ins Auge gefasst werden muss. Nachstehend seine Begründung: Der IP-Ring Glarnerland wurde im Dezember 1993 gegründet. Sinn und Zweck war damals vor allem die Koordination der Kontrollen und deren Abrechnung über das ganze Kontrollwesen. Die Kontrollen wurden ganz einfach mit einem einheitlichen Jahresbeitrag solidarisch von sämtlichen Mitgliedern bezahlt. Der administrative Aufwand war so am geringsten und die Rechnung konnte sehr günstig durch den Kassier geführt werden. Waren es am Anfang noch die Kontrollen für den Auslauf, Wiesenjournal, Düngerbilanzen und Tierschutz, haben andere Aufgaben ein weit grösseres Ausmass angenommen. Heute liegt die Verantwortung für das Durchführen der Kontrollen beim Amt für Landwirtschaft. Damit kann der IP-Ring nicht mehr selber bestimmen, wer bei uns die Kontrollen durchführt. Hinzu kommt, dass heute zusätzliche Kontrollen für LQ, GMF, Blaue Kontrollen und Biodiversität durch die gleichen Kontrollorgane durchgeführt werden müssen. Auch machen nicht alle Betriebe gleich verteilt an allen Programmen mit. Das heisst, es wird in Zukunft eine Kostenverursacher gerechte Rechnung für die Kontrollen an die Mitglieder verrechnet werden müssen. In der neuen Leistungsvereinbarung zwischen dem Kanton und der Kontrollstelle KUT ist der IP-Ring nur noch für das Inkasso vorgesehen. ArtikelDer Vorstand hat diese neue Situation analysiert und ist zum Entschluss gekommen, dass es unter diesen Umständen den IP-Ring Glarnerland nicht mehr zwingend braucht. Im Kanton St. Gallen sind die regionalen IP-Vereinigungen schon seit längerer Zeit aufgelöst worden. Dort wird das gesamte Rechnungswesen über die Kontrollstelle KUT abgewickelt. Unter diesen Umständen würde der Aufwand für unseren Kassier um einiges grösser, da man nicht mehr mit einem einheitlichen Jahreseinzug arbeiten könnte und demzufolge auch teurer. Der Vorstand müsste trotzdem aktiv bleiben und alljährlich eine Hauptversammlung durchführen, was alljährlich weiterhin Kosten verursachen würde. Letztlich bestimmt das Amt für Landwirtschaft, wer das ganze Rechnungswesen über die Kontrollen durchführen soll. Der Vorstand sieht eine Möglichkeit, dass das ganze Abrechnungswesen zum Beispiel durch den GLBV gemacht würde. Dadurch könnte die Auslastung der Geschäftsstelle verbessert werden. Die Daten über die gemachten Kontrollen müssten dann von der KUT an den GLBV übertragen werden. Eine weitere Variante könnte auch die Kontrollstelle KUT sein, die ja die Daten über die Kontrollen verwaltet. Der Vorstand wird deshalb an der HV 2018 den Antrag stellen, den IP-Ring Glarnerland aufzulösen. Gespannt blickt man jetzt schon auf die Hauptversammlung 2018, wo über das Schicksal des IP-Rings Glarnerland dann definitiv entschieden wird.