Nach der Begrüssung durch Daniela Gallati, Ausschussmitglied Kantonaler Katholischer Kirchenrat und Tagungsverantwortliche, wies Dekan Hans Mathis die Anwesenden auf die Wichtigkeit der Spiritualität der Gemeinschaft hin. Die Pfarrei soll ein Haus sein, das allen offen steht. Er zitierte dazu Papst Johannes Paul II, der im Jahr 2001 zu diesem Thema Folgendes geschrieben hatte: «Die Kirche, die Pfarrei zum Haus und zur Schule der Gemeinschaft machen, darin liegt die grosse Herausforderung, die in dem begonnenen Jahrtausend vor uns steht, wenn wir dem Plan Gottes treu sein und auch den tiefgreifenden Erwartungen der Welt entsprechen wollen. Die Spiritualität der Gemeinschaft bedeutet vor allem, den Blick des Herzens auf das Geheimnis der Dreifaltigkeit zu lenken, das in uns wohnt und dessen Licht auch auf dem Angesicht der Brüder und Schwestern neben uns wahrgenommen werden muss.»
Katholische Kirchenstruktur: Ein Sonderfall!
Die Katholische Kirche ist weltweit, jedoch nur einige Kantone in der Schweiz verfügen über ein duales Kirchensystem. Dieses duale Kirchensystem besteht seit der Staatsgründung der Schweiz. Überlebt hat dieses System, weil die Schweiz über eine Konsenskultur verfügt, die es kaum in einem anderen Land gibt. Es verlangt sehr viel Respekt und Balance von beiden Seiten, den die beiden Rechtssysteme sind konträr. Die Kirche ist hierarchisch aufgebaut, die Landeskirche mit den Kirchgemeinden ist demokratisch aufgebaut.
Duell?
Nicht böser Wille oder persönliche Defizite produzieren meist Konflikte, sondern oft fehlende Informationen. Konflikte können entstehen, wenn das Seelsorgeteam oder auch die Kirchenräte die Grenzen überschreiten. Auch dies geschieht meistens nicht aus bösem Willen, sondern aus Sorge. Bernd Kopp, Supervisor (BSO), Mediator und Gemeindeberater vom Generalvikariat Zürich, versuchte in seinem Referat die anwesenden Kirchenräte und Seelsorger für diese Grenze zu sensibilisieren. Notwendig ist eine gute Kommunikationskultur. «Gut» heisst: gleichberechtigt und gleichwertig. Jede Partei hat seinen eigenen Aufgabenbereich. Die Kirchenräte dürfen keine seelsorgerischen Tätigkeiten ausüben, dies ist Sache des Seelsorgers. Im Gegenzug schafft die Kirchgemeinde die finanzielle und personelle Voraussetzung für die Entfaltung des kirchlichen Lebens.
Unterschiedliche Kulturen prallen aufeinander
Die Pfarrei ist ein beziehungsreicher, lebendiger Organismus. Beziehungsgestaltung lässt sich nur bedingt managen, planen, kontrollieren. Die Pfarrei ist keine Produktionsstätte oder blosse Dienstleistungsinstitution. Ihre Umgangskultur umfasst; Einfühlung, Sich-Einlassen auf Beziehung, Kommunikationsfähigkeit, spirituelle Erdung; etliche «Qualitäten» bewegen sich im nicht messbaren Bereich. Der Kirchenrat korrespondiert mit dieser Kultur im optimalen Fall durch einen fördernden und fordernden klaren Leitungsstil.
Vom Duell zur Dualität
Die Zukunft des dualen Systems hängt substanziell von seiner Akzeptanz durch die innerkirchliche Leitung und durch die innovative, selbstbewusste Volksnähe der Kirche Schweiz vom Erhalt der staatskirchenrechtlichen Strukturen ab. Grund genug, diese Gleichwertigkeit behutsam und konsequent zu pflegen und zu gestalten.
Gruppenarbeit / Diskussionsrunde
In der anschliessenden Gruppenarbeit wurden unter anderem über Probleme oder Graubereiche zwischen der Seelsorge und dem Kirchenrat diskutiert. Man konnte feststellen, dass es im Kanton Glarus zwischen den Seelsorgern / Kirchgemeinden / Landeskirche / und dem Generalvikariat Zürich keine grösseren Probleme gibt. Natürlich gibt es immer Verbesserungs- und Optimierungs-möglichkeiten, wie z.B. Personalführung in der Seelsorger-Ausbildung, Schaffung von Seelsorgeräten (wo sich jeder, auch fremdsprachige Pfarreiangehörige einbringen können) in allen Pfarreien oder Jugendarbeit.
Staatliches Privileg für die Kirche
In seinem Schlusswort wies Dr. Stefan Müller, Präsident der Katholischen Landeskirche des Kantons Glarus, auf das staatliche Privileg der Landeskirchen hin. Sie haben das einzigartige Privileg über den Staat Kirchensteuern einzuziehen. Das duale System ist ein Teil unserer Lebenskultur unseres Staates. Es braucht ein tagtägliches Miteinander und nicht ein GegeneinanderArtikel.
Daniela Gallati bedankte sich mit einem Präsent bei Bernd Kopp für sein Referat. Sie dankte allen für das Mitwirken und Mithelfen. Sie gab uns den Satz mit auf den Weg: «Die Kirche ist die wichtigste Perle, die wir in der Hand haben.» Diesem Dank schloss sich auch Dekan Hans Mathis an, der die Tagung mit einem «Vaterunser» abschloss.
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