Trotz muss sein…
Wer kennt es nicht, das bestimmte oft noch mit einer kräftigen Kopfbewegung unterstrichene „Nei“ eines Kleinkindes? Kaum der Sprache mächtig, beginnt ein Kind sich dem Gehorsam den Eltern gegenüber zu verweigern, so scheint es zumindest. Dass dem so nicht ist, zeigte Brigitte Saurenmann sehr anschaulich anhand realer Beispiele und deren entwicklungs-psychologischer Einordnungen auf.
Im Alter von zwei Jahren beginnt für ein Kleinkind erstmals die Suche nach Selbständigkeit, denn die so genannte Trotzphase ist nichts anderes als ein erster Ablösungsschritt. Auch durch die klare Aeusserung eines sich entwickelnden eigenen Willens eines Kindes („ich will…“), beginnt sich ein Kleinkind erstmals als eigenständige Person zu erleben. Dass dies eine echte Herausforderung für Eltern und ihr Umfeld ist, sehen wir täglich. Ein trotzendes Kind ist ein unglückliches Kind, so bewirkt eine strenge Stellungsnahme noch mehr Ver-zweiflung hervor. Geduld oder ein Kompromiss helfen hier eher weiter. Eine für beide Seiten erfolgreich verlaufene Trotzphase wird meistens durch den erweiterten Wortumfang eines Kindes abgeschlossen, indem es seine Bedürfnisse klar mitteilen kann.
Aggression nicht!
Aggression ist eine starke und unkontrolliert agierende Gefühlsäusserung, die oft aus dem Gefühl der Ohnmacht oder Ausgeliefertsein entspringt. Aggression ist nicht in der Natur des Menschen angelegt, sondern wird schon in frühester Kindheit erworben durch individuelle Erlebnisse und Erfahrungen.
So könnte die Vermutung aufkommen, dass ein aggressiv handelndes Kind Opfer einer erzieherischen Fehlleistung der Eltern ist, doch so einfach ist dies nicht. Erziehung ist ein sich auf Gegenseitigkeit abspielender Prozess, wobei beide – Kind und Eltern – zu je fünfzig Prozent daran beteiligt sind. Trotzdem sind es die Eltern, die dem Kind im Umgang mit aggressiven Gefühlen helfen müssen. Sie müssen das Kind anleiten und Grenzen setzen. Eltern sind auch Vorbilder im Umgang mit ihren eigenen negativen Gefühlen. Dies bedingt gerade für die Erwachsenen, dass auch sie als Eltern ebenso einen Lernprozess durchleben, ihre Erfahrungen aus eigener Kindheit kritisch betrachten und sich einem Erkennungs- und somit einem Veränderungsprozess zuwenden können. Wie sagte Brigitte Saurenmann: „Elternsein müssen Erwachsene lernen, wie jeden anderen Beruf auch.“




