Urstimmen – «The fantastic foUr stimmen»

Sprachspielereien haben es in sich – Ankündigungen beinhalteten eine Vermischung von Englisch, Deutsch, Trennung von Wortteilen – langsam gewöhnt man sich ans respektlose, sprachzerstörerische Gliedern und ist gebeten, das bitte irgendwie lustig zu finden, die eigene Kreativität bei Gelegenheit auch zu beweisen.



An viele Orte wurde das Publikum hingeführt. (Bilder: p.meier)
An viele Orte wurde das Publikum hingeführt. (Bilder: p.meier)

Die «fantastic foUr stimmen» kündigten sich bei jeder Bühnensequenz in immer gleicher Weise an. Die Direktiven vom Himmel – stets mit dem Drohfinger empfangen – wurden hurtig umgesetzt, schafften aber bei der Mehrheit des Publikums eine gewisse Ratlosigkeit. Den vier Auftretenden – Rita Bänziger, Tiziana Sarro, Daniel Koller und Stephan Schabert – darf eine gute, fast überbordende Portion an komödiantischen Begabungen, hohe stimmliche Reife, verflixt weit gespanntes Repertoire, gute Bühnenpräsenz neidlos und mit Anerkennung attestiert werden. Bedauerlich war irgendwie, dass der berühmte «Funke» nicht rüberspringen, das Publikum packen wollte. Zu einem gewissen Teil mag das am Konzept gelegen haben. Es wurde verbal irgend eine Situation angerissen – gerne hätte man das mehr oder weniger konsequente Weiterführen in den musikalischen, recht spritzigen, kecken und von spielerischer Vielseitigkeit stets geprägten Teilen gewünscht.

Die vier kamen zu Beginn rein, müde, sich auf ihre Aktenköfferchen setzend. Sie spielten Unwilligkeit – es war ja auch fünf Uhr morgens. Der «Himmelsboss» meldete sich zu Wort, seine Ansichten wurden aufgenommen. Was die vier Schauspieler und Sänger an Geräuschimitationen, Begleitrhythmen und anderem draufhatten, war hohe Kunst – wie beispielsweise das Mischen von Jasskarten, das Hantieren am imaginären Schlagzeug, der Einbezug bekannter, fezziger Gesänge, das hurtige, gekonnte Vermischen von Volksliedfragmenten, Ausflügen in die Welt der Klassik – vieles kam einem verblüffenden Feuerwerk mit hoher inhaltlicher Qualität gleich. Die Reise im kleinen Auto, wie mussten sich da alle reinquetschen und erst noch agieren – war durchaus vergnüglich. Das Nahen der Killerwespen war wahrlich bedrohlich. Im Publikum hoffte man natürlich, dass diese bedrohlich ansurrenden Viecher auf der Bühne bleiben würden. (Zu) viel Zeit beanspruchte die musikalische Reise im Jet mit den zwölf Superhelden. Zuweilen war gar vieles fantastisch, super, exciting – beispielsweise im leidenschaftlichen Gespräch zwischen Robin und Batman. Es waren zahlreiche Momentaufnahmen, die ein verinnerlichendes Vernetzen verdient hätten. Gespräche über Liebe, die man leben lassen müsse, zuweilen recht derbe Botschaften in anderen Momenten, das Locken der Freiheit, die erneute Reise in der kleinen, mit Air India beschrifteten Benzinkutsche, eine erneute Botschaft betreffend Massenkarambolage auf einem Autobahn-Teilstück, das geforderte Eingreifen, wegen ausgebüxten Tieren aus dem nahen Zoo – irgendwie hatte niemand Lust, sich da zu engagieren, die Indien-Reise samt Strandferien war halt elend verlockend. Den Interpretierenden sei gerne attestiert, dass sie nach der Pause viel wirbliger, engagierter agierten.

Viele verliessen die Aula mit einem seltsamen Mix an Gefühlen, an Widersprüchlichem, an Fragen, Vermutungen und doch innerlichem Beifall wegen dieser unglaublichen Reichhaltigkeit, deren Ablauf zuweilen nicht zugeordnet werden konnte, eine klare Linie an schauspielerischer und gesanglicher Kunst manchmal vermissen liess.