USA-Blog: Die ersten Wochen in Houston

Die Glarnerin Silja Schnider ist für ein Jahr als Austauschschülerin in den USA. Für glarus24 berichtet sie über ihre Erlebnisse und Eindrücke.



Lamar High School Houston
Lamar High School Houston

Die ersten Wochen in Houston (Mein Austauschsemester in den USA)

Das Erste, was mir in Houston aufgefallen ist, war die unerträgliche Hitze, als ich zusammen mit meiner Gastfamilie aus dem Flughafen lief. Es war 102 Fahrenheit (ca. 39 Grad) an diesem Tag und meine Familie lachte nur, als ich mich darüber beschwerte. Das sei immer so im Sommer, sagten sie.

Ich habe mich vor circa einem Jahr dafür entschieden ein Auslandsemester in den USA zu verbringen. Zusammen mit meiner Mutter habe ich unsere Verwandten in Houston kontaktiert. Sie haben sich bereitwillig dazu einverstanden erklärt mich bei sich aufzunehmen. Danach habe ich bei der Organisation «Education First» angefragt, ob das überhaupt möglich sei, schon im vornerein eine Gastfamilie zu haben. Normalerweise wird man einfach einer Familie und einem US-Staat zugeteilt. Zum Glück war das kein Problem und die Vorbereitungen für mein Abenteuer konnten somit starten. Das zeitaufwendigste war die Beantragung meines Visums, was sogar einen Besuch in der US-Botschaft nötig machte.

Zwei Monate nachdem ich den ganzen Papierkram erledigt hatte, sass ich schon im Flieger nach Houston Texas.

Ich kam eine Woche vor Schulstart hier an, um mich ein bisschen an mein neues Zuhause zu gewöhnen und die Stadt zu erkunden.

Als wir an meinem Geburtstag zu einer Shopping Mall mit dem Namen «The Galleria» fuhren, war ich verblüfft und konnte fast nicht glauben, was ich sah. Tatsächlich hatte es in der Mitte des Einkaufszentrums ein Eisfeld! Sowas hatte ich noch nie gesehen. «The Galleria» ist so gross wie die Einkaufszentren Wiggis Park, Krumm und Glärnisch zusammen. Das unterste Geschoss besteht aus dem Eisfeld und einer Reihe von Fast Food Buden, wie Burger King, Subway oder McDonalds. Aber nicht nur «The Galleria» war gross, auch die Lebensmittelläden sind doppelt so gross wie bei uns eine Migros oder ein Coop. Da gibt es Essen, soweit das Auge reicht und fast ein bisschen zu viel Auswahl, um sich entscheiden zu können. An der Aussage «everything is bigger in Texas» ist definitiv etwas dran. Alles ist riesig und auch facettenreich, wie zum Beispiel die 2-Liter-Flaschen Milch oder die Riesenauswahl an Kilo-Packungen Chips.

Nicht nur die Essensverpackungen sind gross, auch meine Schule die «Lamar High School» ist mit ca. 3000 Schülern riesengross. An meinem ersten Schultag war ich überwältigt von der Menschenmasse, die mir beim Eintreten entgegenkam. Da wir hier eine Schuluniform tragen, sehen alle auf den ersten Blick gleich aus. Ich würde lügen, wenn ich sage, dass meine erste Schulwoche einfach für mich war. Leider hatte ich keine wirkliche Unterstützung von der Schule bekommen, um meine Klassenzimmer zu finden und meine Gastschwester hatte selbst Schule. Ich musste mich als Erstes einmal daran gewöhnen, dass von jetzt an alles auf Englisch ist. Das ist schwieriger und erschöpfender als ich gedacht hatte. Ich habe jetzt zum Teil noch Mühe damit.

Diese Schule ist ganz anders, als ich mir eine High School vorgestellt habe. Sehr verwirrend ist, dass es grösstenteils offene Klassenzimmer sind. Das heisst, man sitzt in einem offenen Raum mit Glasscheiben und im Raum sind die einzelnen «Räume» mit Stellwänden unterteilt. Es ist jederzeit möglich die Schüler und Lehrpersonen der anderen Klassen zu beobachten. Jeder Schüler hat einen eigenen rollbaren Stuhl mit einem angebrachten Pult.  

Auch die Lektionen und Fächer sind anders. An einem Tag sind vier Lektionen mit vier verschiedenen Fächern angesetzt. Hier dauert eine Lektion 90 Minuten (bei uns dauert sie normalerweise 45 Minuten). Insgesamt habe ich wöchentlich 8 verschiedene Fächer/ Lektionen, die zwischen einem A- und B-Tag wechseln. Ausserdem konnte ich selbst auswählen, welche Fächer ich gerne belegen möchte. Die einzigen zwei Pflichtfächer sind Englisch und Mathe.

Ich bin jetzt in der 5. Schulwoche und langsam gewöhne ich mich an die vielen Menschen, an das Englisch sprechen und an das Wechseln der Klassen im grössten Schülerstau. Ein Schülerstau ist einfach erklärbar. Es fühlt sich genauso an, wie wenn man nach einem grossen Konzert oder einem Fussballmatch in der Menschenmenge das Stadion verlassen will.

Mir gefällt es in Houston sehr gut und ich erlebe jeden Tag etwas Neues. Meine Gastfamilie ist nur wundervoll. Trotzdem ist jeder Tag eine kleine Herausforderung für mich.