Very Little Circus – übergrosse Zirkuslust

Begabung, Spielfreude, artistisches Geschick, kunstvolles Verrenken, Kreativität, ansteckende Fröhlichkeit und Begeisterung, pfiffige Kommentare, ein kleiner Koffer – mehr brauchte es nicht für den liebenswürdigen, ganz kleinen Zirkus, dessen Auftritte und die ganz grossen, sehr zirkuswürdig ausgespielten Emotionen. Naima Bärlocher und Gerardo Tetilla zeigten meisterhaft vor, wie man sich das vorzustellen hat – natürlich vor zahlreichem Publikum.




Und es war irgendwie schade, dass nicht mehr Personen den Weg in die Aula der Kanti Glarus gefunden hatten. Die Eröffnung der neuen Saison hatte die Kulturgesellschaft Glarus breit angekündigt, sogar – zur Feier des Tages – mit Apéro. Gleichermassen herzlich eingeladen waren alle Generationen, von Heini Nold, dem Verantwortlichen des Dritten Programms vor Aufführungsbeginn kurz willkommen geheissen.

Eingestimmt wurde bereits im Vorraum. Da hockte eine unübersehbar wuschelige Dame auf einem Herrn, der sie geduldig durchs sichtlich amüsierte Publikum trug. Beide waren sie zirkusgerecht geschminkt, beide hatten sie Kraft und Puste genug, noch zu singen. Der Dame ging das verständlich leicht über die Lippen, der stark belastete Partner hatte mit dem Tragen des Koffers, dem Einherschreiten, dem Singen und rhythmischen Begleiten effektiv mehr zu bewältigen. Er tat dies ausdauernd und beharrlich – und musste erst noch nach dem Weg zur Bühne fragen.

Das gelang, musste auch so sein! Das gut eingestimmte Publikum nahm beinahe atemlos zur Kenntnis, dass die Künstler unlängst in einem enorm riesigen Zirkus aufgetreten seien und in einer elefantös grossartigen Show mitgetan hätten. Eine Aufführung habe drei Tage angedauert. Wer das glaubte, war echt selber schuld!

Das «Grande Finale» wolle man ansatzweise nochmals aufleben lassen. Und das taten die beiden mit riesig sympathischem Charme, gekonnt und willkommen variantenreich. Da wurde gewirbelt, gelitten, mit- und gegeneinander agiert, geurteilt, ermuntert, mit ansteckender Frische, hohem Geschick und willkommen Wechselreichem.

Dass es zum «Very Little Circus» gekommen war, wurde mit grosser Gestik und knappen Hinweisen verdeutlicht. Der Sturmwind muss furchtbar gewesen sein. Es blieben nur der kleine Koffer samt vorerst noch geheimnisvollem Inhalt, eine klitzekleine Gitarre, Clownkostüme und das einverleibte Wissen um Kommendes. Zusammenfassend wurde ab Bühne festgehalten, dass es so viel angenehmer sei. Weltstädte könne man ebenfalls anpeilen und dort aufspielen.

Wie der Sturm gemeistert worden war, wie brutal das ablief, ist kam beschreibbar. Da halte mal jemand das Gestänge eines Zirkuszelts so fest, dass alles stehenbleibt, dass man nicht auch noch weggerissen wird! Es kam zur ersten Jonglage – mit quietschenden Bällen, ebenso quietschend, wie die Clownnase. Und schon war der letzte Ball wie von Zauberhand im Köfferchen verschwunden. Und dummerweise musste die quirlige, munter einherschwatzende Clowndame aufs Klo, vor dem definitiven Abgang ihrem Partner noch ein denkwürdiges «Toi, Toi» zurufend. Derweil fragte sich der einsame, leicht hilflose Solist, was er nun auf der grossen Bühne anbieten soll. Da half das Durchwühlen des ominösen Köfferchens. Es kam so ein schleierartiges Stoffding zum Vorschein, das wahlweise als Tutu, Perücke, Halskrause oder Schwanenkleid verwendet werden kann – alles zu Klängen der musikgebunden, weltweit bekannten Impulse von Tschaikowski.  

Ab «Toi-Toi» kehrte die Erleichterte zurück, mit einem Wischmopp, mit ungemein schönen Fransen und verstellbarem Gestänge. Bald war das ein Pferd, dann ein Pony, es kam zu Paartanz, Dressur, Zurechtweisung, wenn das Pferd allzu störrisch wurde, zum Erschöpfungszustand. Die Vielfalt, samt Keulenjonglage, grosser Anteilnahme des liebenswürdigen, enorm virtuos agierenden Jongleurs.

Es wurde dem berechtigt applausfreudigen Publikum richtig viel geschenkt. Das ungastliche, kühle und regnerische Wetter war wie weggewischt.