Viel Fröhlichkeit, zirzensische Künste und mitreissendes Musizieren

Die via elektronische Medien eingetroffene Ankündigung liess ansatzweise erahnen, dass sich in Betschwanden – genauer im Zirkus Mugg – bald mal etwas Einzigartiges, in dieser Art Einmaliges ereignen werde. Kinder der Glarner Musikschule und Teilnehmende des Zirkuslagers hatten sich über eine Woche hinweg auf diese Premiere intensiv und gewissenhaft vorbereitet, im Wissen, dass es sicher viele Gäste geben werde.




Dem war auch so. Bereits 40 Minuten vor Beginn zogen viele ab Bahnhof oder den eingeparkten vierrädrigen Untersätzen zum Zirkuszelt. Dort fing das grosse Warten an. Es seien noch Instrumente zu stimmen, dann werde die «Türe» geöffnet. Und bald war das Zelt bis auf den allerletzten Platz besetzt. Die Kleinsten belegten Stühlchen am Rande des bald anlaufenden Geschehens. Via Lautsprecher gaben Kinder aus dem Off bekannt, was man nicht dürfe; Rauchen, Blitzlichtaufnahmen bei gar gefährlichen Nummern, keine Tonaufnahmen – und schon stimmte das aus etwas mehr als 40 Kindern bestehende Orchester unter Leitung von Simone Menozzi, Klavierlehrer und Komponist, ein – mit eigens für diesen Anlass komponiertes Stück an. Es tat sich eine musikalische Vielfalt auf, die Staunen und grosse Anteilnahme weckte. Es war wirklich mitreissend, mit wieviel Können ausgestaltet wurde. Die Anforderungen an die Spielerinnen und Spieler waren hoch, sie wirkten wie Profis; Stimmungsreichtum, spieltechnische Fertigkeiten, grosses Einfühlungsvermögen und hohe Präsenz zeichneten dieses Begleiten aus.

Und dann tauchten die ebenso jungen Artistinnen und Artisten auf, 60 an der Zahl, leicht nervös – was durchaus verständlich war. Schliesslich präsentierte man sorgsam Eingeübtes erstmals vor grossem Publikum. Wie würde das wohl reagieren? Es sei vorweggenommen. Immer wieder brandete der wohlverdiente, herzliche Applaus auf. Es war alles so packend, elegant, mit zuweilen kleinen Patzern, tollem Gruppenbild am Schluss der jeweiligen Sequenz, nach spürbar konzentriertem Präsentieren. Alles musste ja zusammenstimmen, ein «Drauflosfuhrwerken» kam gar nicht infrage. Man nahm in der Manege aufeinander Rücksicht, half, wo es erforderlich war, nickte sich zu, schaute, was nebenan geschah. Mit grosser Ernsthaftigkeit wurde vorgezeigt.

Am Anfang waren es Bälle, Reifen, Stäbe, die nur so durch die Luft wirbelten. Wer für einen kurzen Moment nichts zu tun hatte, tanzte artig drauflos. Dann waren es Rhönräder, die bewegt sein wollten, natürlich ohne Zusammenprall. Elegant kam man aneinander vorbei, hing zuweilen kopfüber im Rad, drehte, wendete, fast mühelos.

Und schon ging es am Trapez weiter, stets ebenso elegant und wie gekonnt, in immer wechselnden Kostümen. Es folgte Kunststücke mit Reifen, wirblig, anmutig, clever arrangiert.

Es wurde an senkrecht hängenden Tüchern rumgeturnt, man wickelt sich ein, rollte blitzschnell Richtung Boden, zeigte einen tollen Spagat. Dann wieder fuhren andere auf dem Einrad – nie geradeaus, sondern gruppenweise im Kreis. Blitzschnell kletterten andere die Vertikalstangen hoch, verharrten, gaben kleine Kunststücke zum Besten, bevor man auf den Boden gelangte und den Karateruf aufklingen liess, Kapuzenmädchen zeigten Seiltanz der gar lieblichen Art. Und nach beinahe zwei Stunden, Pause eingeschlossen, kam es zum Schlussbild. Natürlich stellten sich die Kinder nicht einfach hin. Es wurde nochmals tüchtigst rumgewirbelt. Endlich hatten die Mitwirkenden im tadellos agierenden Liveorchester ein klein wenig Zeit, das Treiben in der Manege mitzuverfolgen.

Und es war an der Zeit, dass sich die Hauptverantwortlichen zu Worte meldeten. Stefan Muggli tat es für die Zirkusleute und Mitleiter der bewegten Lagerwoche. So viel musste im Hintergrund organisiert werden. Er wies auf das unlängst erschienene Buch «Zirkus Mugg – eine Geschichte zum Staunen» und bevorstehende Ereignisse hin. Gar vielen dankte er spürbar herzlich. Jürg Wickihalder, Leiter der Musikschule, zeigte auf, wie der Traum mit diesem Live-Zirkusorchester in Erfüllung gegangen sei. Er dankte seinem Dream-Team. Er wies darauf hin, wie gut man verweilt habe und wie gastfreundlich in Betschwanden alle aufgenommen worden seien. Das Einüben erfolgte für die Streicher in der Kirche, die Perkussionsgruppe war im Pfarrhaussaal, die Pianisten traf man in der Küche des Pfarrhauses, die Cellisten übten im Keller, weitere Bläser und Singende traf man im Jugendraum, die Gitarristen in der Zirkuswerkstatt und im kleinen Zirkuszelt probten ebenfalls Bläser, alle auf ein Ziel hin und immer unter Leitung der jeweiligen Musikschul-Lehrkraft. Am Tag vor den beiden Auftritten fügte sich alles.

Und am Samstag ging dann so richtig die Post ab. Als die letzten Besucher der ersten Vorstellung den Ort des Geschehens verlassen hatten, kamen schon einige für den zweiten Auftritt.

Allen darf man ein hohes, verdientes Kompliment aussprechen. Was vielleicht nach einem Wagnis aussah, nahm so gut Fahrt auf, dass sich – vielleicht – eine Wiederholung ergibt. Schön und willkommen wäre es.