Von Töpfen & Köpfen im Glarnerland

Die «Töpfe & Köpfe im Glarnerland» sind Lea Jakobovic Schindler, Christa und Gabriele Pellicciotta von der Buchhandlung Wortreich in Glarus und allen Glarnerinnen und Glarnern zu verdanken, die sich mit nicht selbstverständlicher persönlicher Bereitschaft und grosser kulinarischer Kreativität zusammengetan haben, damit ein ganz besonderes Kochbuch entstehen konnte. Buchtaufe war am vergangenen Samstag in der zu einem Genusstempel umfunktionierten Landesbibliothek Glarus. Darüber wird separat berichtet. Dass dieser Anlass schon bald nach der Vorankündigung ausgebucht war, hat wohl auch mit den spärlichen Hinweisen im Vorfeld zu tun. Man freute sich und durfte grenzenlos neugierig sein.




Und das Warten hat sich gelohnt. Erhältlich ist nun ein Kochbuch, das weit mehr als gängige, bewährte Rezepte und Hinweise zum spitzenmässigen, tadellosen Gelingen enthält. Staunen, Verblüffung und Bewunderung setzen ein, wenn man mit der ersten Einsichtnahme beginnt und sehr, sehr bald auf irgendeiner der knapp mehr als 230 Seiten einfach hängenbleibt, um festzustellen, dass man die eine oder andere am Zustandekommen der Reichhaltigkeit mitbeteiligten Person eigentlich kennt, aber mit grösster Wahrscheinlichkeit nie und nimmer geahnt hat, welche Talente und Ansichten sich bei der Lektüre so «nadisnah» offenbaren. Es ist eine beinahe unnachahmliche Verknüpfung von Liebenswürdigem, Aufrichtigkeit, Bedachtsamem, Ermutigendem, menügebunden Sachkundigem, willkommen Eigenständigem zusammengekommen. Es ist nicht vermessen, von einem Zeitdokument zu berichten. Die Kreativität drückt sich nicht nur im jeweiligen Rezept aus, es gibt ganz kurze Hinwendungen zu «Land und Lüüt», es sind eigene Erfahrungen und Erkenntnisse eingeflochten, sogar kurze Sagen haben Platz. Der träfen Mundart wird berechtigt viel Platz gewährt. Es ist eine lesenswerte, Kurzweil auslösende Vermischung von Fakten gewachsen, so richtig liebenswürdig und «aamächelig» serviert.

Die kulinarische Sturzflut kommt uns in den sechs Bereichen – mit Vorspeisen, Suppen, Salate, Hauptgänge, Desserts und Getränke übertitelt – klug portioniert entgegen. Alles ist sehr sachkundig gegliedert, durch Fotos und farbig unterlegte Statements unterbrochen. Das kommt in wohltuender Weise an. Man erahnt, wie gross der Einsatz fürs Zustandekommen wohl war, wie beharrlich die Hauptverantwortlichen bis zur Drucklegung tätig geblieben sind.

Das Buch ist so etwas wie ein «Gschänggstrüggli» mit ungeahnter Reichhaltigkeit im Innern. Da liegt eine Vielzahl von noch zu öffnenden Kuverts, auf deren Vorderseite beispielsweise Wildchrüter-Wähe, Chnopfbärtli, Zigersuppe, Burgwegler-Riesling-Suppe, Herbstsaat an Zigersauce mit Walnüssen, Vogelheu, Ofägugg, Lungeneintopf, Chabishafä, Grües Stüggliköch, Sarma, Zogglen, Berggeisttorte, Gfüllti Härdöpfelturte, Mugälitatsch oder Rosooli geschrieben steht. Dann wird geöffnet beziehungsweise die entsprechende Buchseite aufgeschlagen. Und schon erfährt man, was es denn so alles braucht, wer dieses Rezept beigesteuert hat, was diese Person so zum Glarnerland, der eigenen Befindlichkeit samt gelegentlichen Sorgen, Wünschen und Hoffnungen meint. Typisch glarnerischen Ausdrücke sind nicht selten eingeflochten, eine willkommene Form des Kennenlernens und AuArtikelffrischens der vorhandenen sprachlichen Fertigkeiten.