Von Töpfen und Köpfen – Buchvernissage in Glarus

«Töpfe & Köpfe» ist ein Buchtitel mit willkommen glarnerischen Wurzeln, mit einem spannenden, keck auskomponierten Inhalt, weit weg von jenen Kochbüchern mit ausschliesslich akribisch aufgelisteten Bezügen zur Kochzeit, Reinbefördern in die jeweilige Pfanne, Anzahl Esslöffel mit irgendeiner notwendigen Zutat und anderem.




Es ist eine attraktive Fülle an Informationen, persönlichen Erfahrungen, Wünschen, Befindlichkeiten, währschaft Kulinarischem, Reichtum an typisch glarnerischen Ausdrücken. Sagen aus dem Bergkanton, Faszinierendes aus fremden Ländern und anderes sind gesammelt und in spannenden Wechseln von Fotos, Texten, Erzählungen, Erkenntnissen, erfrischend offenen Antworten auf viele Fragen und – natürlich – Rezepten vereint. Die Buchvernissage in der Landesbibliothek Glarus – einmal mehr wurde auf riesig entgegenkommende Weise Gastrecht gewährt – war stark besucht.


Der Kulturbuchhandlung Wortreich mit Christa und Gabriele Pellicciotta und der Autorin Lea Jakobovic Schindler ist dank Mitgestaltung vieler Kochbegeisterter, dank Leidenschaft, Sachkunde, Freude am Werden, viel Beharrlichkeit und kreativer Eigenwilligkeit etwas gelungen, das willkommen sein wird, einfach weil der reiche Inhalt so speziell ist. Dieses Buch wird kaum in fatalistischer Art und irgendeinem Regal aufs Hervornehmen warten, um wieder mal durchgeblättert zu werden. Es ist so viel zusammengekommen, dass man garantiert bei einer der vielen Doppelseiten hängen bleibt, vielleicht irgendwann einmal mit Kochen beginnt, sich aber auch mit jenen Personen beschäftigt, die freimütig berichten, zum einfühlenden kulinarischen Gestalten ermuntern, damit etwas ganz Besonderes auf den Tisch kommt.

Nach der stimmungsvollen, munteren Volksmusik-Aufwartung mit Rosmarie Rhyner und Chrigel Weber begrüsste Christa Pellicciotta; mit liebenswürdiger, verständlicher Nervosität, aufzeigend, dass sie und ihr Ehemann Gabriele – beide in früheren Jahren als Käser auf verschiedenen Schweizer Alpen tätig – sich schon lange mit dem Projekt eines Glarner Kochbuches befasst haben, und dass nach den Zusammenkünften mit der selbstständigen Grafikerin Lea Schindler, sie besitzt eine Catering-Firma und ist Verfasserin anderer Kochbücher, alles Fahrt aufnahm. Dies war ab Dezember 2010 der Fall. Angefragte erklärten sich zum Mittun recht spontan bereit, andere meldeten sich. Schliesslich waren das gegen 60 Personen, ab Schulpflichtigen bis hin zu Pensionierten, ab jenen die mit dem Glarnerland stark verwurzelt sind bis hin zu Fremden, die gekommen sind, sich bestens integriert haben, ab lustvoll Ausprobierendem bis hin zum erfahrenen Profi. Christa Pellicciotta erklärte, wer von den drei Hauptverantwortlichen sich in welchem Bereich ebenso engagiert wie kreativ befasst habe, damit denn auch alles gelinge.

Regierungsrat Benjamin Mühlemannhatte das Buch früher als andere erhalten. Er nutzte seinen Wissensvorsprung derart, das er mit launigen, treffenden Worten zu würdigen wusste. Er lobte die inhaltliche Vielfalt, das Zusammentragen der kulinarischen Raritäten, kam auf die Bedeutung einer gesunden Ernährung, das Verwenden einheimischer Nahrungsmittel, die Lust am Ausprobieren und Geniessen, den Wert des gemütlichen Verweilens, das Bewahren von Traditionen, die Pflege der urtümlichen Sprache, Geselligkeit und anderes zu reden. Gerade die inhaltliche Vielfalt habe das Reinlesen so wohltuend spannend gemacht. Da rücke man von «Retortensandwiches» und Ähnlichem sofort ab. Er kam auf die sogenannten Hotspots zu reden, den Einbezug von Ziger, Alpkäse, Schokolade und anderem. So gesehen sei unser Kanton so etwas wie ein kleines Schlaraffenland. Er würdigte umfassend, dankte, überbrachte Grüsse seiner Behörde und gratulierte gar herzlich.

Federico Pinto sang, begleitete sich auf der Gitarre. Beseelt, kunstvoll, mit leichter Wehmut klang das auf, gestattete einen ganz kurzen Einblick in Portugiesisches.

Witzig, wortreich und sich auf Buchinhalte gekonnt einbeziehend, rückten ChristianArtikel und Beni Hunziker einiges ins Rampenlicht, was noch nachzulesen wäre. Da waren die Pointen gar sorgsam ausgewählt. Das witzige Umdrehen von Aussagen provozierte Lacher und verdienten Beifall. Ein derart strukturiertes Planen und Zubereiten von Gerichten kann echt lange dauern. Man hörte gerne hin.

Alle, die ein Rezept beigesteuert hatten, auf viele Fragen so bereitwillig antworteten und zum überzeugenden Gesamtwerk Wesentliches leisteten, erhielten das Buch als Dank. Verständlich, dass anschliessend ein reges Durchblättern und ein riesiger Gedankenaustausch folgten.

Verwöhnt wurde man anschliessend beim Apéro und mit weiteren volkstümlichen Weisen durch Leandra Dieffenbacher und Rosmarie Hefti.

In der Einladung war die Gesamtheit der Buchvernissage entsprechend angekündigt gewesen: «Es wird gessä, trunggä und gmusiged!» Das nahm dann bis hin zum gemütlichen Ende einige Zeit in Anspruch.